Kehnert l Unterstützung gab und gibt es von vielen Menschen für die Kehnerter Familie Krause. Ihr Haus, die "Alte Ziegelei", ging trotz Tausender Sandsäcke in den Elbefluten unter. Eine Woche lang haben sie gekämpft, eine Woche waren sie zum Abwarten gezwungen, am Wochenende kehrten sie in ihr Heim zurück.

Kaffee kocht Ina Krause am Sonntag noch im Wohnwagen für die ersten Besucher nach der Flut. Am Sonnabend war sie mit Ehemann Steffen in ihr vom Elbewasser gezeichnetes Haus zurückgekehrt - mit der Gewissheit, dass sie bis auf die Grundmauern neu anfangen müssen. Sie haben die erste Nacht in ihrem Heim recht gut geschlafen, auch wenn das Untergeschoss noch lange nicht wieder trocken ist. Doch auch Hofhund Hermine ist glücklich, wieder zu Hause zu sein.

Erbaut wurde die "Alte Ziegelei" schon im 19. Jahrhundert, mit eigenen Steinen, auf denen bis heute der Stempel "Kehnert" lesbar ist. Selbst die älteren Kehnerter können sich nicht erinnern, dass das Objekt schon einmal so tief im Wasser stand wie diesmal. Selbst 2002 konnte das Haus erfolgreich gegen die Flut geschützt werden. Irmgard Lutter, 91 Jahre alt, brachte den Flutopfern am Sonntagmorgen frische Erdbeeren, viele andere Kehnerter hatten die beiden in der vergangenen Woche versorgt - mit Kaffee, Kuchen und anderen Lebensmitteln.

Helfer wuschen sogar das Geschirr heimlich ab

"Sogar das schmutzige Geschirr vor unserem Wagen war manchmal verschwunden und plötzlich sauber wieder da - wie bei den Heinzelmännchen", sagt Ina Krause. Eine ganze Woche lang hatten Krauses vom Wohnwagen am Hang aus auf ihr Zuhause geschaut, bis das Wasser es zurückgab. Die Unterstützung von Helfern aus Kehnert und Umgebung gab ihnen Kraft, in der Woche des Pegelanstiegs Tausende Sandsäcke um ihr Haus aufzustapeln. Am Sonntag, 9. Juni, hatte die Elbe die Barriere durchbrochen und war ins Haus geströmt.

Im Keller steht das Wasser noch, doch auch die Räume im Erdgeschoss standen tief im Wasser, Holzböden, Wandverkleidungen, Trockenbau, Lehmwände, alles muss nun raus. Bisher konnten Krauses nur wenig hin- und herräumen, der Gutachter muss sich in diesen Tagen noch alles ansehen, bevor mit dem Entkernen begonnen werden kann. Als sie die "Alte Ziegelei" 1997 übernahmen, da begannen die Amerika-Fans, die sogar in einer Cessna über dem Grand Canyon geheiratetet hatten, sich ihre eigene Ranch aufzubauen. Ein kleiner Saloon für ihre Linedancetruppe "Stompin\' Boots" gehörte auch dazu, ebenso die große Holzterrasse vor dem Haus. Noch sind sich Ina und Steffen Krause nicht ganz sicher, ob sie das alles noch einmal schaffen.

Dank auch vom Ortsbürgermeister

Doch Zuspruch gibt es von vielen Seiten, nicht nur, weil Ina Krause als "unsere Tanzmutti", wie sie Simone Horstmann nennt, sehr beliebt ist. Bekannte und Freunde aus dem Ort und der Region, auch Kollegen aus dem Landesbildungszentrum Tangerhütte kamen in den vergangenen Wochen regelmäßig vorbei, um Kraft zu geben - auch wenn es in diesen Tagen vor allem Worte sind - und das Gefühl, nicht alleine dazustehen. Dafür ist das Paar sehr dankbar.

"Respekt und Dank" spricht aber auch Kehnerts Ortsbürgermeister Jürgen Schröder allen Beteiligten, den Helfern, Einsatzkräften, Mitarbeitern des Krisenstabs und der Verwaltung, aus. "Hier wurde in Rekordzeit ein Wall aus Erde von etwa 350 Metern Länge errichtet und mit Tausenden Sandsäcken gesichert", fasst er zusammen.

 

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