Die ehemalige Wäscherei in der Notpforte, die ursprünglich als Elektrizitätswerk gebaut worden war und seit vielen Jahren leer steht, wird jetzt um- und ausgebaut. Die Stadtverwaltung rückt zusammen. In dem schmucken Backsteinbau werden künftig Archiv, Bibliothek und Ordnungsamt ihr Domizil haben.

Tangermünde. Seit einigen Wochen wird in der Notpforte gearbeitet. Der Parkplatz hinter der Stadtverwaltung, der auch für die Besucher und Bewohner der Innenstadt zur Verfügung stand, ist gesperrt. Baufahrzeuge stehen hier. In die große gelbe Wand der ehemaligen Wäscherei in Richtung Parkplatz wurde ein Loch geschlagen, um den Keller des einst als Elektrizitätswerk errichteten Hauses für das geplante Vorhaben vorzubereiten.

Dass hier Fundamente alter Anlagen stehen, war allen bewusst. Doch niemand hatte damit gerechnet, dass diese sich als regelrecht bombensicher erweisen würden. "Diese Fundamente sind so mächtig, dass sie hydraulisch gesprengt werden mussten", berichtete gestern Karsten Lemke, Mitarbeiter der Stadtverwaltung Tangermünde, auf Nachfrage. Niemand war bei der Ausschreibung der Abrissarbeiten von derart massiven Bauwerken ausgegangen. "Hier wurde zum Beispiel Granit mit eingebaut und auch ein sehr gutes Bindemittel eingesetzt", so Lemke weiter.

Um das Werk aus dem vergangenen Jahrhundert aus dem Keller zu holen, mussten die Abbrucharbeiten für mehrere Wochen unterbrochen werden. Es wurde beraten, fachlicher Rat eingeholt, die hydraulische Sprengung als Lösung vorgeschlagen, ein Nachtrag zur Ausschreibung erarbeitet. Das Ergebnis: "Wir hängen im Zeitplan etwa sechs bis acht Wochen hinterher", so Lemke.

Eigentlich sei es das Ziel gewesen, noch bis zum Ende des Jahres die Kellerdecke zu betonieren. Doch die massiven Fundamente, die damit verbundenen Schwierigkeiten und der jetzt einsetzende Winter mit starkem Frost sorgen für weiteren Verzug. "Die Rohbaufirma, die heute anrücken sollte, hat abgesagt", sagte Karsten Lemke gestern. Die große Wandöffnung sollte wieder verschlossen, Vorbereitungen für die Errichtung der Kellerdecke getroffen werden. Nun hoffen alle darauf, dass sich der Winter in nächster Zeit noch einmal etwas milder zeigt.

Geplant ist, in drei Jahresscheiben die Fördermittel für den Ausbau des ursprünglichen E-Werkes abzurufen. Bis 2012 fließen in diesen Standort laut Plan mehr als zwei Millionen Euro. Ein Großteil dieser Mittel – nämlich 87,5 Prozent – kommt aus Fördertöpfen, 75 Prozent vom Bund und 12,5 Prozent vom Land. Den Rest trägt die Stadt.

Stadtarchiv und Bibliothek aus dem Haus in der Arneburger Straße sowie das Ordnungsamt aus dem Gebäude in der Lindenstraße werden hier ab 2012 ihren Platz bekommen. Der Keller wird künftig Stätte für das Archiv sein. Um die zeitgeschichtlichen Dokumente vor einer möglichen Zerstörung zu schützen, "wird ein Stahlbetonkörper in den Keller gestellt", hatte Architekt Jörg Jensen bei der Vorstellung des Projektes erklärt. Zusätzlich werde eine Löschanlage installiert, die Feuer mit Edelgas löscht. "Das ist nicht gesundheitsschädlich. Wenn sich ein Mitarbeiter im Keller befindet, kann er immer noch ohne Probleme diesen Bereich verlassen", so der Planer.

Die 13 Regale, die vom Archiv derzeit genutzt werden, finden dann im Keller ihren Platz. Raum ist für insgesamt 20 dieser speziellen Archiv-schränke. Außerdem sei noch Platz genug, um an den Wänden weitere Regale zu installieren.

Das Erdgeschoss des Hauses, heute ein großer, freier Raum mit Säulen, wird künftig Sitz der Bibliothek sein. Neben den Stellflächen für die Bücherregale bietet dieser Teil des Hauses auch Platz für einen zentralen Lesebereich. Er wird sich direkt hinter der großen Holztür befinden, die in der Fassade in Richtung Notpforte mittig angeordnet ist.

Um die Ansicht des histo-rischen Gebäudes zu wahren, plant Jensen, die Tür aufzuar-beiten, auch die Fenster in diesem Stil zu belassen und erst dahinter große zweiflüglige Fester zu setzen.

Das Ordnungsamt der Stadtverwaltung wird im ersten Obergeschoss des Industriebaus einziehen. Da die hier geplanten Räume zur Straße hin nur kleine Fenster haben, werden sie zusätzlich durch Oberlichter Tageslicht bekommen. Allerdings ist das für niemanden sichtbar, da das Dach von keiner Gegend der Stadt einsehbar ist, lediglich von der Luft aus.

Auch das zweite Oberge-schoss, was ursprünglich nur als Option geplant war, soll im Zuge des Um- und Ausbaus mit in Angriff genommen werden. Türen und Fenster werden eingebaut, Elektro- und Heizungsanschlüsse verlegt. Einen kompletten Ausbau wird es aus Kostengründen nicht geben. Allerdings ist dieser Bereich nach Abschluss der Arbeiten so vorbereitet, dass er ohne größeren Aufwand für bestimmte Zwecke ausgebaut werden kann.

Für Behinderte und Roll-stuhlfahrer wird das gesamte Haus dann problemlos erreich-bar sein. Einmal gibt es den ebenerdigen Zugang vom Park-platz aus. Außerdem wird der Eingang, der derzeit zu den Stadtwerken führt, künftig auch der Eingang für Archiv, Bibliothek und Ordnungsamt sein. An der Außentreppe wird eine Liftanlage angebracht. Im Inneren des Hauses wird es ei-nen Fahrstuhl geben. Die Öff-nungen für den Aufzug sind bereits vorhanden. Während der Umbauarbeiten für die Stadtwerke-Verwaltung waren sie bereits mit vorgesehen worden.