Vögel füttern oder nicht? In den Supermärkten liegt das Vogelfutter reichlich bereit, aber viele Menschen sind unsicher, ob es wirklich so gut ist, Vögel im Winter mit Körnern zu versorgen. Kritiker führen das Argument "Der Stärkere überlebt" an, Naturschützer argumentieren, dass der Mensch die natürlichen Bedingungen der Tiere schon zu sehr verändert hat.

Stendal. "Wir füttern." Anne-Katrin Schulze lässt keinen Zweifel an ihrer Position aufkommen. Meisenknödel und -ringe, kleine Säckchen mit Nüssen oder Samen hängen in den Sträuchern des Tiergartens. Und die Leiterin ist überzeugt, dass man den Tieren damit etwas Gutes tut.

"Es gibt immer weniger Nischen und Rückzugsplätze für Vögel", sagt Schulze, "Büsche und Sträucher werden beim Straßenbau entfernt, das Unterholz wird aus den Wäldern geräumt, und selbst die Gärten werden oftmals so sehr aufgeräumt, dass keine Beere mehr für Vögel bleibt."

Eine Gefahr, die Vögel mit der Fütterung zu verwöhnen, sieht Schulze nicht. Schließlich sei die Winterfütterung nicht die ausschließliche Nahrungsquelle, und im Frühjahr fangen sie ohnehin wieder an, sich ihr "normales" Futter zu suchen. Aber sobald es schneit und der Boden gefroren ist, ist das eben schwierig bis unmöglich. Die Vögel kommen einfach nicht mehr ran an das, was noch da ist.

Und das Futter brauchen sie, um ihre Körpertemperatur von rund vierzig Grad aufrechtzuerhalten. Das verbraucht viel Energie. Auf der Internetseite des Nabu erfährt man, dass Meisen in einer einzigen Kältenacht bis zu zehn Prozent ihres Gewichtes verlieren. "Die Fütterung bei Frost und Schnee ist einfach wichtig", betont Tiergartenleiterin Schulze. Sobald der Boden wieder frei ist, nehmen sie und ihre Mitarbeiter die Meisenknödel und anderen Futtersäckchen wieder ab.

Abgesehen davon, dass man den Tieren mit der Fütterung angemessen helfe, haben viele Menschen einfach Freude daran, die Vögel bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten. "Da sieht man dann mal Exemplare, die man sonst nicht zu Gesicht bekommt", sagt Schulze, die selbst mit Vergnügen nachschlägt, welch gefiederter Genosse da vor ihrem Fenster einkehrt.

Nur: Aufpassen sollte man, dass es nicht das falsche Futter ist. Auf keinen Fall sollten Essensreste rausgelegt werden, vor allem keine salzigen oder gar Speck. Auch Brot ist gänzlich ungeeignet (siehe auch Infokasten). Übrigens – im Gegensatz zu uns Menschen haben die Vögel eine natürliche Grenze beim Futtern: Wenn sie satt sind, sind sie satt. Da kann es noch so gut schmecken.