Stendal (ro). Die Betreiber von Hotels und Pensionen in Stendal sollen sich, um künftig an Gäste vermittelt zu werden, in das Online-Buchungssystem des Landes Sachsen-Anhalt aufnehmen lassen. Das rät die Tourist-Information der Hansestadt dem städtischen Gastgebergewerbe. Dazu müssten die Betriebe, wie es in einem Schreiben aus der Stadtverwaltung heißt, einen Vermittlungsvertrag mit der Investitions- und Marketing- gesellschaft Sachsen-Anhalt (IMG) schließen. "Eine telefonische sowie persönliche Vermittlung Ihres Hauses ist dann nur möglich, wenn das entsprechende Angebot über die Buchungsplattform buchbar ist", heißt es in dem Brief. Und: Die Darstellung auf der Tourismusseite der Stadt (www.stendal-tourist.de) sei "an die Teilnahme am Buchungssystem gekoppelt".

Bei den kleinen Anbietern von Unterkünften kam das so an, als hätte man ihnen die Pistole auf die Brust gesetzt. "Die Stendal-Info will uns Kleinvermieter offenbar abwürgen", sagt Eckhard Müller, der am Mönchskirchhof eine Pension betreibt. Denn eine Aufnahme in das System der IMG ist nicht zum Nulltarif zu haben. "Dafür sind einfach mal so 94 Euro zu berappen", beklagt sich Pensionsbetreiber Helmut Ramme aus der Moltkestraße. "Von der zehnprozentigen Vermittlungsprovision plus Mehrwertsteuer mal ganz zu schweigen. Das riecht doch nach Abzocke pur."

Bei der Tourist-Info hat Ramme im Namen vieler Pensionsbetreiber Widerspruch gegen die Umstellung auf das Online-Buchungssystem eingelegt. Seiner Meinung nach habe das bisherige System gut funktioniert, von dem neuen würde nur die IMG profitieren. Nicht verstehen kann er, warum die Stadt nicht vorab mit den Privatvermietern über die Neuerung gesprochen hat.

Das meint auch Reinhard Weis von der SPD-Fraktion, der das Problem am Montag in der Stadtratssitzung zur Sprache brachte. Dass die Stadt ihre Hilfe bei der Zimmervermittlung zugunsten der IMG aufgebe, veranlasste ihn zur der Frage in Richtung Stadtverwaltung: "Sieht die Stendal-Information keine Dienstleistungsverpflichtung mehr gegenüber den Vermietern der Stadt?"

Die Antwort, die Oberbürgermeister Klaus Schmotz auf die Anfrage von Weis gab, dürfte die Pensionsbetreiber nicht befriedigen: Die Stadt habe sich an das landesweite System angeschlossen und sei nun an die Regeln der Investitions- und Marketinggesellschaft gebunden. Die Mehrheit der Unterkunftsbetreiber sei dabei, die kleineren allerdings nicht, sagte Schmotz.