Vier Verkehrstote gab es innerhalb weniger Tage auf den Straßen des Landkreises. Doch trotz der tragischen Fälle sieht die Polizei aufs Jahr gerechnet keine ungewöhnliche Entwicklung, mahnt aber zu besonnenem Fahrverhalten.

Stendal l Die Sommerhitze machte auch den Autofahrern zu schaffen. Allerdings ist die Vermutung, dass es wegen der Temperaturen vermehrt zu Hitzköpfen hinterm Steuer oder unkonzentrierten Fahrern kommt, ein Trugschluss. Jedenfalls, wenn man sich die Statistik der Polizei betrachtet. "Es gibt keinen wirklichen Ausreißer, wir liegen ungefähr so wie 2012 und werden wohl wieder auf 4000 bis 4100 Unfälle insgesamt kommen", meint Andreas Magerl, Leiter des Revierverkehrsdienstes.

37 Verstöße gegen Anschnallpflicht

Während das für ihn noch nüchterne Zahlen sind, so bewegen ihn doch die Unfallfolgen, vor allem, wenn Menschen verletzt oder gar getötet werden. Drei Verkehrstote gab es im Juli, ein weiterer Mensch starb Anfang dieses Monats. Magerl mahnt, die Geschwindigkeit anzupassen, oftmals sei das zu schnelle Fahren Ursache für einen tödlichen Unfall.

Doch sie spielt nicht die einzige Rolle. "Die Gurtverstöße nehmen zu", hat er festgestellt. Die Untersuchungen seien zwar noch nicht abgeschlossen, aber auch bei dem tödlichen Unfall Ende Juli zwischen Heeren und Stendal sei es möglich, dass nicht alle Insassen angeschnallt waren, immerhin wurden zwei junge Menschen aus dem Auto geschleudert. Einer starb, einer wurde schwer verletzt. Magerl versteht nicht, warum so viele den Gurt nicht anlegen. Bei einer Kontrolle in Tangermünde wurden jüngst innerhalb von drei Stunden 37 Verstöße gegen die Anschnallpflicht registriert. "Dabei kann man sich schon bei einem Aufprall mit 30 Stundenkilometern starke Verletzungen zuziehen", warnt Magerl.

Die Statistik spricht auch eine deutliche Sprache über die Gefahren der Gurtmuffelei. 32 Leicht-, 13 Schwerverletzte und vier Tote hatte sie 2010 zur Folge. 2011 waren es acht Tote, 2012 ein Toter und in diesem Jahr bislang wahrscheinlich auch einer.

Gerade bei den schweren Unfällen ist die Geschwindigkeit eine Hauptursache. 169-mal war nicht angepasste Geschwindigkeit der Grund für einen Zusammenstoß und 174-mal zu geringer Abstand, der letztlich auch mit der Geschwindigkeit zusammenhängt. "Und eigentlich können auch die 866 Wildunfälle mitgerechnet werden, denn bei geringerem Tempo hätte der Fahrer vielleicht noch rechtzeitig bremsen können", fügte Verkehrssicherheitsberater Fred Mücke hinzu. Fast schon unter ferner liefen findet sich bei den Ursachen unter Punkt neun "Fahruntüchtigkeit", wohinter sich Alkohol und Drogen sowie Übermüdung verbergen.

Prävention heißt für die Polizei nicht nur an die Autofahrer zu appellieren, sondern auch Unfallschwerpunkte zu entschärfen. Gelungen ist dies beispielsweise an der Kreuzung von B 107 und 188. Nachdem es keine gesonderte Rechtsabbiegerspur mehr für die Fahrzeuge aus Richtung Havelberg gibt, sind die Unfälle zurückgegangen.

Ein Problemfall bleibt die Kreuzung zur B 189 bei Lüderitz. "Wir haben schon einen Kreisel und einen Blitzkasten zur Entschärfung vorgeschlagen", sagt Magerl. Beides wurde abgelehnt. Zu teuer.

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