Seit 20 Jahren gibt es in Stendal das Frauenhaus. Es bietet Schutz auf Zeit, Beratung und ein Ersatz-Zuhause für Frauen, die misshandelt und erniedrigt werden.

Stendal l Vor 20 Jahren dachten sie, dass sie eines Tages nicht mehr gebraucht würden. Die Realität hat die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses aber eines Besseren belehrt. "Häusliche Gewalt wird es wohl immer geben, das ist leider so", sagt Dorothea Richter, Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende des Stendaler Frauenhaus- vereins. Aber genau deshalb ist die Arbeit des Frauenhauses so wichtig.

Diese Ansicht vertritt auch Justizministerin Angela Kolb (SPD), die sich in den vergangenen Wochen alle Frauenhäuser und weitere Frauenhilfsprojekte in Sachsen-Anhalt angesehen hat. Am Mittwoch war sie in Stendal. "Dass sie hier war, ist ein gutes Zeichen dafür, dass wir auch an höherer Stelle wahrgenommen und geschätzt werden", resümiert Dorothea Richter den Besuch. Wichtig sei diese Wertschätzung gerade auch in finanzieller Hinsicht. "Frau Kolb befürwortet eine bundeseinheitliche Richtlinie zur Finanzierung und setzt sich dafür ein, dass Frauenhäuser nicht länger freiwillige Aufgabe der Kommune sind", sagt Richter, froh über diesen Beistand. Allerdings gebe es bislang unter den Ministern noch keinen Konsens. Neben der Förderung durch Land, Landkreis und Stadt bekommt der Frauenhausverein Zuwendungen aus Bußgeldern, muss sich selbst aber noch um Spenden bemühen.

Angefangen hat die Arbeit des Vereins 1991 mit einer Schutzwohnung, im Dezember 1993 wurde das jetzige Domizil eröffnet - die Adresse ist all jenen bekannt, die im Netzwerk "Gemeinsam gegen Gewalt" aktiv sind. Dieses Ausweich-Zuhause auf Zeit suchen bis zu 50 Frauen im Jahr auf, viele von ihnen kommen mit Kindern. "Einen Tag, an dem alle acht Zimmer leer waren, hat es bisher noch nie gegeben", sagt Mitarbeiterin Margot Nawitzki.

Die Gründe, warum Frauen von 18 bis über 60 Jahren hier Zuflucht suchen, haben sich nicht geändert: Sie erfahren Gewalt, werden psychisch unter Druck gesetzt, bedroht... Aber eines hat sich geändert: Immer mehr von ihnen wagen einen Neuanfang, statt in ihr Martyrium zurückzukehren. Dorothea Richter: "Die Frauen sind selbstbewusster. Und sie sind wissender, was Hilfsangebote angeht, und wissen auch, dass sie bei uns immer um Rat fragen können."