Der hölzerne Engel, der bis Mai auf dem Rückpositiv der Schererorgel in der Marienkirche thronte, begibt sich über Weihnachten in restauratorische Behandlung. Gestern holte Diplomrestauratorin Kerstin Klein die Barockfigur in ihre Werkstatt nach Halle.

Stendal. Es war ein anrührendes Bild, als Kerstin Klein gestern den mit Seidenpapier bandagierten Engel zärtlich in eine Holzkiste bettete. In den nächsten Wochen wird die junge Restauratorin, die in diesem Jahr ihre Diplomarbeit über den Prospekt der Schererorgel von 1580 schrieb, die schwer geschädigte Barockfigur sanieren und ihr amputierte Glieder wie einen Arm, einen Flügel und einen Fuß wieder anfügen.

Möglicherweise, so Kerstin Klein gestern zu Bärbel Hornemann, der Vorsitzenden des Glockenvereins St. Marien, könne sie den Engel ja schon vor Silvester wieder zurückbringen. Für die Reinigung der Figur, die Festigung der Farbfassung, für Schädlingsbekämpfung, Holzschutz und Ansetzen der Gliedmaßen hat der Verein 65 Arbeitsstunden und Kosten von knapp 2600 Euro angesetzt.

Dass der wahrscheinlich aus dem 18. Jahrhundert stammende Taufengel, der irgendwann der Renaissanceorgel hinzugefügt wurde, nicht zum gefallenen Engel wurde, war knapp. Im Mai dieses Jahres stellten der Glockenverein und die vor Ort tätige Diplomandin fest, dass sich die Lindenholzfigur kaum noch auf den Beinen halten konnte. Einer seiner Füße war so stark von Holzwürmern zerfressen, dass der Engel abzustürzen drohte.

"Frau Klein holte den Bekrönungsengel sofort vom Orgelprospekt herunter und nahm eine Notsicherung vor", berichtet Bärbel Hornemann. Mit Bandagen aus Seidenpapier wurden beispielsweise die Farbreste fixiert. Da sich sein Zustand immer weiter verschlechterte, beauftragte die Stadtgemeinde im November den Glockenverein mit der weiteren Sicherung und Restaurierung.