Das Wochenende in Stendal-Süd war offenbar nicht gar so frostig, wie am Freitag zunächst befürchtet. Nach Informationen der Volksstimme sind die Wohnungen der M & E Real Estate nach dem Absperren der Fernwärme durch die Firma Techem nur kurze Zeit kalt gewesen. Die beiden streitenden Vertragspartner verhandelten gestern wieder miteinander.

Stendal. Ob die Gespräche zwischen M & E und Techem dazu geführt haben, dass die Süd-Wohnungen bald nach dem rigorosen Absperrakt wieder warm wurden, konnte auch Techem-Pressesprecher Jens Christmann gestern nicht sagen. Dass die Fernwärme wieder fließen soll, war ihm zunächst neu. Doch er bestätigte, dass die beiden streitenden Parteien wieder miteinander reden. "Die Wohnungsvermieter sind auf uns zugekommen und haben zugesagt, dass noch heute eine Bankbürgschaft kommen werde", sagte Christmann gestern der Volksstimme. Er hoffe inständig, dass beide im Interesse der Mieter eine Lösung finden werden.

Die ist offenbar schon vorher gefunden worden. Christmann bestätigte wenig später gegenüber dieser Zeitung: "Die Wohnungen in Süd sind tatsächlich warm. Da hat jemand die Plomben abgerissen." Die Juristen seiner Firma würden sich jetzt mit der Situation auseinandersetzen.

Bei M & E, der türkisch-aserbaidschanischen Vermieterfirma des restlichen Wohnungsbestandes in Stendal-Süd, hat man eine recht eigenwillige Erklärung dafür, dass die Fernwärme relativ schnell wieder in den Wohnungen ankam. "Unsere Besitzer sind gläubige Menschen. Sie beten fünfmal am Tag gen Mekka. Offenbar wurden ihre Gebete erhört", erzählte Geschäftsstellenleiter Jörg Glewwe gestern.

Wie berichtet, hatte die Versorgungsfirma Techem, die die Fernwärme den Stadtwerken abnimmt und an M & E weiterverkauft, am Freitag nach Vorwarnungen den Hahn für die Wohnungen in Süd zugedreht. Begründung: Zahlungsrückstände in sechsstelliger Höhe. Vorangegangene Gerichtsurteile hatten Techem zu diesem drastischen Schritt berechtigt. M & E rechtfertigte sich mit angeblich überzogenen Lieferpreisen von Techem.

Wer den am Freitag im Beisein eines Gerichtsvollziehers abgedrehten Fernwärmehahn wieder geöffnet haben könnte, weiß auch Stadtwerke-Geschäftsführer Thomas Bräuer nicht. Kann er auch nicht. "Wir sind vertraglich mit Techem verbunden, nicht mit M & E, und Techem hat keine Außenstände bei uns", sagte Bräuer der Volksstimme. Er stellt klar: "Die Fernwärme ist durch Techem in deren Anlagen unterbrochen worden."

Mit den Vermietern von Süd, die die 550 Wohnungen, von denen zurzeit etwa 300 bewohnt sind, 2009 ersteigerten, haben allerdings auch die Stadtwerke nicht nur gute Erfahrungen gemacht. "Bei anderen Medien, wo wir direkt Vertragspartner sind, gibt es Störungen des reibungslosen Zahlungsverkehrs", drückt Bräuer sich vornehm aus. So hätten die Stadtwerke in der vergangenen Woche den Mietern angekündigt, dass sie die Lieferung von Trinkwasser und Strom – Letzteres beträfe nur das Hauslicht – unter Umständen unterbrechen müssten. Den Vermietern sei eine letzte Zahlungsfrist gesetzt worden.

Trotzdem wären die Stadtwerke laut Bräuer bereit, einen Fernwärmeliefervertrag mit M & E zu schließen, falls sich die Vermieterfirma von Techem trennen sollte. Doch das dürfte nicht so schnell möglich sein. Nach Volksstimme-Informationen läuft der Vertrag mit Techem, den M & E mit dem Kauf der Wohnungen vom Vorgänger Habitat praktisch "geerbt" hat, noch bis 2014.

M & E verstärke derzeit seine Anstrengungen, die Wärmeversorgung in Süd mit eigenen Blockheizkraftwerken künftig weitgehend unabhängig zu gestalten, sagt Jörg Glewwe.