In Stendal übernachten fast genauso viele Touristen, wie die Stadt Einwohner hat. Die Masse schaut sich selbst um, einige von ihnen aber und auch die Tagestouristen buchen gern eine Führung. 18 Frauen und Männer sorgen dafür, dass sie dabei das Wichtigste und manch hübsche Anekdote erfahren.

Stendal. Statistik kann Geschichten erzählen. So geht es auch Silke Junker von der Touristinformation mit der Bilanz der Stadtführungen. Sie erinnert sich mit einigem Unbehagen an die innerstädtischen Baustellen, insbesondere am Winckelmannplatz – ein nicht unerhebliches Hindernis auf einem der beliebtesten Rundgänge, der Führung rund um Rathaus und Marienkirche.

Aber auch die Fußball-WM hat ihre Spuren hinterlassen. "Im Juni hatten wir die meisten Führungen des Jahres, und das trotz der großen Hitze", erinnert sich Junker. Aber dann, im Juli, der plötzliche Abfall. "Das hat bestimmt an der WM gelegen. Es gab auch tatsächlich Gruppen, die Wert darauf gelegt haben, dass sie vor der Führung noch ein Spiel schauen können."

Die Aufnahme in die Route der Backsteingotik lässt die Stendaler Stadtführer hoffen, dass noch mehr Menschen auf dem Weg in die typischen, lang bekannten Hansestädte des Nordens einen Abstecher nach Stendal machen und sich für die Architektur interessieren. "Es gab schon einige, die erstaunt feststellten: Ah, hier geht die Backsteinroute schon los", berichtet Junker.

Touristen im Tower?

Rund 3350 Personen ließen sich in diesem Jahr durch die Hansestadt Stendal führen – eine Zahl, mit der die Touristinformation zufrieden sei. "Aber wir wollen auch mehr Familien erreichen", sagt Silke Junker. Dass sich verstärkt Schulklassen für Führungen anmeldeten, freue sie.

Die Gruppe der derzeit 18 Stadtführer, die sich am Dienstag zu ihrem Jahresabschluss trafen, ist für Neues aufgeschlossen. "Man muss körperlich und geistig auf der Höhe sein, viel lesen und das, was man gelesen hat, auch behalten", findet Horst Conrad und ist selbst das beste Beispiel dafür. Der 74-Jährige ist seit der Wende Stadtführer in Stendal, hat in der DDR als Reiseleiter gearbeitet. Seine liebste Route ist der auch am meisten gebuchte Rundgang 1, der sich auf die Spuren der Hanse in Stendal begibt und dabei Markt, Rathaus, Marienkirche, Winckelmannplatz und Fußgängerzone beinhaltet.

"Alles kann man nicht kennen, jeder hat seine Vorlieben", sagt Conrad und spitzt die Ohren, als das Angebot kommt, den Stadtführern mal den Flugplatz samt Tower genauer zu erklären. Michael Trösken, der den Stadtführern ihre neuen Schilder geschenkt hat, hat die Idee in die Runde mitgebracht und könnte sich vorstellen, dass künftig auch spezielle Führungen zum Flughafen angeboten werden.

Nächste Gelegenheit, einen Rundgang der speziellen Art zu erleben, ist am Dienstag, 14. Dezember. Dann wird im Rahmen des Lebendigen Adventskalenders ein weihnachtlicher Rundgang mit Taschenlampe und Laterne (selbst mitzubringen) angeboten. Treffpunkt ist um 17 Uhr am Roland.