Stendal l Die Berufsbildenden Schulen (BbS) I Stendal hatten im Schuljahr 2013/14 insgesamt 571 Schüler - und damit erstmals weniger als die in der Verordnung zur Schulentwicklungsplanung geforderten 600 Vollzeitschüler. Auch im laufenden Schuljahr wird die Zahl nicht erreicht, für die Jahre bis 2020/21 werden Zahlen von etwa 540 bis 525 prognostiziert. So steht es im Entwurf für die mittelfristige Schulentwicklungsplanung des Landkreises Stendal für die Berufsbildenden Schulen. Der Landkreis steckt damit die Entwicklung für die Schuljahre 2016/17 bis 2020/21 ab. Am Dienstagabend wurde der Entwurf im Kreis-Schul-, Sport- und Kulturausschuss behandelt. Der tagte passend zu diesem Punkt im Haus I auf dem Gelände an der Schillerstraße.

"Nordverbund hat viel bewirkt, lässt sich aber nicht mehr umsetzen"
- Ulrike Bergmann, Amtsleiterin

Nach der Wende war dort eine Kaserne zu einem modernen Berufsschulzentrum umgestaltet worden, auf dem beide Schulen Platz fanden. Ein Vorteil für die geplante Fusion, denn es müssen nicht wie damals beim Bezug des Areals mehrere Schulen nach räumlicher Trennung zusammengeführt werden. Es müssen keine neuen Objekte eingerichtet oder Unterrichtsräume geschaffen werden.

Geplant ist die Fusion zum Schuljahr 2017/18. Unter anderen, weil der langjährige Schulleiter der BbS I, Lothar Bätz, im Juli 2017 in den Ruhestand geht. Der Landkreis hat das Landesschulamt bereits von seinen Fusionsplänen unterrichtet. Denn ob es bei sinkenden Schülerzahlen weiterhin Ausnahmegenehmigungen für die BbS I geben würde, ist fraglich. Mit der Fusion würde sich "an der Palette nichts ändern. Änderungen gibt es nur, wenn die Klassenstärke nicht erreicht wird", erklärte Ulrike Bergmann, Leiterin des Schulverwaltungs- und Kulturamtes des Landkreises, während der Ausschusssitzung. Die jetzigen Angebote "sollen so lange wie möglich erhalten werden".

Doch wenn die Schüler fehlen, wird das schwer. Das brachte die Diskussion auch auf den sogenannten Nordverbund. In dem arbeiten die Berufsbildenden Schulen der Landkreise Stendal, Salzwedel, Jerichower Land und Bördekreis seit 2007/08 zusammen. Unter anderem werden in Abstimmung bestimmte Berufe nur an einem Standort unterrichtet, um so eine Klasse voll zu bekommen. Ein anderer Standort übernimmt dafür einen anderen Berufszweig. "Der Nordverbund hat viel bewirkt", schätzte die Amtsleiterin ein, "aber er lässt sich so nicht mehr ganz umsetzen." Denn für Berufsschüler aus dem Jerichower Land oder dem Bördekreis sei es schwer vermittelbar, warum sie durch Magdeburg fahren sollen - dort gibt es die Klassen auch -, um in Stendal unterrichtet zu werden. Darum sei geplant, den Nordverbund aufzulösen, "aber immer zu Jahresbeginn wird es weiterhin Abstimmungsgespräche geben, also weiterhin eine Zusammenarbeit", erklärte Ulrike Bergmann.

Wenn man selbst die Schule mit aufgebaut hat, falle einem der Gedanke an die Fusion schwer, sagte Lothar Bätz. Aber die sinkenden Schülerzahlen sind ein Fakt. Bätz: "Es will keiner mehr in handwerkliche Berufe einsteigen." Darum halte er den Zusammenschluss für "eine vernünftige Regelung".

"Wichtig ist, dass das Berufsschulzentrum erhalten bleibt"
- Annegret Schwarz, Kreistagsmitglied

Seine Kollegin Kathrin Kreibe, stellvertretende Leiterin der BbS II, sieht einen nicht ganz leichten Weg vor den Akteuren, "da muss man sensibel rangehen". Für die BbS II sieht es mit der Schülerzahl derzeit nicht dramatisch aus, sie wird in den kommenden Jahren immer um die 1000 liegen. "Wichtig ist, dass das Berufsschulzentrum erhalten wird", sagte Ausschussmitglied Annegret Schwarz (CDU) und kommentierte damit auch, wie die Schulen versuchen, neue Angebote zu schaffen. So ist die Ausbildung Fachkraft für Kindererziehung als Pilotprojekt geplant - doch das ist noch offen, denn dazu werden 15 Teilnehmer für die Klassenbildung benötigt, und die müssten einen Trägerbetrieb finden.

Ob nun zwei Schulen oder eine, über die Angebote entscheidet die Klassengröße. Im ersten Ausbildungsjahr müssen es mindestens 15 Schüler sein, im zweiten Lehrjahr 12. Um diese Zahlen zu erreichen, gibt es schon jetzt Mischklassen an der BbS I: ähnliche Berufe werden im ersten Jahr gemeinsam unterrichtet. Lothar Bätz: "Wir sind froh, diese Klassen zu haben, sonst sehe es noch schlechter aus."

Die Fusion von Berufsschulen ist im Land keine Seltenheit. In diesem Jahr schließen sich in Dessau zwei Schulen zusammen, für den Bördekreis ist eine Fusion von Einrichtungen im Gespräch.