Stendal / Havelberg / Osterburg. Die gute Nachricht vorneweg : Der Unterricht an den Schulen des Landkreises Stendal ist am Freitag im Landkreis Stendal nicht ausgefallen. Schlechte Karten hatte in jedem Fall der Busverkehr im Landkreis. Denn Stendalbus war am frühen Freitagmorgen gänzlich mit seinen Fahrzeugen im Depot geblieben. Ein geregelter Verkehr schien auf den Straßen nur noch bedingt möglich.

Deshalb hatte der Landkreis als Betreiber am Abend zuvor entschieden, dass es keinen Busbetrieb am Freitagmorgen geben wird. " Wir haben abends nach 21 Uhr die Inforamtion vom Landkreis bekommen ", sagte Uwe Rösler, Geschäftsführer des Busunternehmens Stendalbus. Wegen der angekündigten Wetterlage mit starkem Schneefall, Schneeverwehungen und Glatteis sei so entschieden worden. " Es war richtig ", fügte Rösler an. Ab den Freitagmittag wurde der Busverkehr dann sukzessive wieder aufgenommen ; in Absprache mit dem Schulverwaltungsamt ohne den Schülerverkehr.

Auf die Schulen hatte die Landkreis-Entscheidung erhebliche Auswirkungen. Bis zu zwei Drittel der Schüler konnte seine Schule nicht erreichen. Allerdings erfuhren die Lehrer davon erst im Laufe der Morgen- bis Vormittagsstunden. Norbert Grewatsch, Leiter der Sekundarschule Tangerhütte, zeigte sich reichlich verärgert über die Informationspolitik. " Wir haben wegen des ausgefallenen Schulbusverkehrs keine offizielle Mitteilung durch das Schulamt erhalten ", begklagte sich Grewatsch gegenüber dieser Zeitung. Eine kurze Erklärung über die Situation hätte er sich schon von Seiten des Schulamtes gewünscht. Von den 250 Schülern seiner Einrichtung fehlten 140 und damit gut zwei Drittel. An den drei Stendaler Gymnasien fehlten knapp 50 Prozent der Penäler.

Mit jeweils knapp der Hälfte ihrer Schützlinge begannen die Sekundarsschule und die Außenstelle des Tangermünder Gymnasiums in Havelberg ihren Betrieb am Freitagmorgen. So waren etwa an der Sekundarschule die Klassen vereinzelt nur mit drei Schülern besetzt. Der Unterricht wurde somit auch planmäßig abgehalten. Vielmehr kritisierte der schulfachliche Koordinator Volker Woltersdorf aus Havelberg, " dass die Busse durchaus hätten fahren können. Die Bundesstraßen waren frei. Und selbst wenn die Schüler dann eine Stunde später gekommen wären, wären wir zufrieden gewesen. "

In den ländlichen Gegenden trafen die Lehrer auf recht unterschiedliche Klassenstärken. " Die Kinder wurden von den Eltern gebracht. Es sind nur wenige, die fehlen ", berichtete Kerstin Ohmenzetter, Grundschulleiterin in Möringen. Ähnlich sah es an den Grundschulen in Börgitz, Sanne und Rochau aus. Dort kam über die Hälfte der Kinder zum Unterricht. " Wir haben die Kinder in Lerngruppen eingeteilt ", so Rochaus Schulleiter Detlef Rose. In Arneburg fand ebenfalls Unterricht statt, da die meisten Schüler aus der Kleinstadt selbst kommen und weniger auf den Bus angewiesen sind. Die Fahrkinder kamen durch private Initiativen an die Schule.

Einen kleinen Busverkehrlichtblick hatte es um Bismark herum gegeben. Die Ortschaften Döllnitz, Poritz und Könnigde oder Grassau, Bülitz und Grünenwulsch wurden von kleineren Schulbussen angefahren, so dass die Schüler nach Bismark und Dobberkau kommen konnten. Dennoch fehlten auch hier vereinzelt Schüler in den Klassen. In der Sekundarschule Seehausen wurden Klassen zusammengelegt und Themen wiederholt, weil nur etwa ein Drittel der 270 Schüler in die Klassenzimmer einrückten, berichtete Anne Reikowski, stellvertretende Schulleiterin. An der Grundschule Seehausen war überdies die Heizungsanlage ausgefallen, so dass der Unterricht abgesagt werden musste. Der Schaden ist mittlerweile behoben ; Montag ist wieder Schule.

Nicht schlecht staunte Marino Schwarz aus Sandauerholz als ihn am Freitag das Taxi wie an jedem Tag in Iden abgesetzt hatte und der Zehnjährige mit dem Bus weiter zur Goldbecker Sekundarschule " Geschwister-Scholl " fahren wollte : der Bus kam nicht. Stattdessen rollte sein Vater an. Er hatte im Radio gehört, dass der Schulbusverkehr ausfällt, fuhr seinem Sohn hinterher und brachte ihn nach Goldbeck. Dort erfreute sich der Fünftklässler besonderer Fürsorge. Nur knapp 20 der 214 Schüler waren eingetrudelt. " Alle Lehrer sind da. Die Schüler werden betreut. Unter anderem wiederholen wir Lehrstoff ", sagte Schuleiter Winfried Schwuchow. Noch extremer war das Bild in der Osterburger Förderschule " Anne Frank ". Durch den hohen Anteil an Fahrschülern konnten nur fünf Kinder betreut werden.

Auch im Markgraf-Albrecht-Gymnasium blieben ganze Klassen leer. Bei einem Fahrschüleranteil von etwa 80 Prozent auch kein Wunder, bilanzierte Schulleiter Dr. Joachim Müller, der den wenigen Schülern den Tag zur kreativen Gestaltung mit den Lehrern überließ.