Stendal l "Ich bringe dir alles bei. Aber wenn Du nicht mitmachst, mache ich dir das Leben zur Hölle." Das sollen die Worte eines 44-jährigen Mannes aus Tangermünde gewesen sein, mit der im Herbst 2009 ein etwa einhalbjähriges Martyrium eines Mädchens begann.

Im Prozess vor dem Landgericht Stendal um 16-fachen schweren Kindesmissbrauch ist gestern die Befragung des Mädchens in Anwesenheit ihrer Eltern und einer als Opferbeistand fungierenden Anwältin fortgesetzt worden.

Sehr leise und zurückhaltend antwortete die heute 15-Jährige auf Fragen des Gerichts, der Staatsanwältin und der Psychologin und schilderte Details zu den von ihr zur Anzeige gebrachten Taten und den zugehörigen Tatorten. "Jedes Zimmer" des Hauses in einem Ortsteil der Kaiserstadt war demnach Tatort. Und auch in der Scheune sowie auf einem Feldweg soll es zu sexuellen Handlungen gekommen sein, wie das Mädchen aussagte. Aus dem thüringischen Saalfeld stammend, hatte das Mädchen seit 2008 mit ihrer Mutter im Haushalt des Angeklagten gelebt.

Weil ihre Monatsregel im August 2010 ausblieb, sei sie beim Frauenarzt gewesen. Sie habe befürchtet, vom Angeklagten schwanger zu sein, gab das Mädchen an. Monate zuvor habe er sie durch Defloration mit einem Vibrator "zur richtigen Frau gemacht", wie er dabei gesagt haben soll.

Mädchen wird in Jugendpsychatrie behandelt

Später habe er mehrfach mit ihr den Beischlaf vollzogen. Ende Januar dieses Jahres verließ ihre Mutter den Angeklagten. Die damals noch 14-Jährige lief aus Tangermünde weg und tauchte fast fünf Monate in Magdeburg unter, weil sie nicht nach Thüringen zur Mutter und ihrem leiblichen Vater dort wollte.

Auch während dieser Zeit, in der sie sich mit ihrem Freund in verschiedenen Wohnungen aufhielt, soll sich der Angeklagte an ihr vergangen haben. Er habe sie regelmäßig mit Verpflegung in Magdeburg versorgt. Das hatte dieser auch eingeräumt, jegliche Intimitäten und damit alle Anklagepunkte aber schon zum Prozessbeginn bestritten. Er hatte ihr eine Intimbeziehung zu einem Mitschüler unterstellt. Das wiederum wies das Opfer gestern vehement zurück.

In Magdeburg war das Mädchen von der Polizei aufgegriffen worden. Auf der Wache soll sie zu Protokoll gegeben haben, dass sie schon als Elf-, Zwölfjährige "keine Jungfrau" mehr war. Von der Verteidigerin des Angeklagten darauf angesprochen, gab sie gestern an, bewusst nicht die Wahrheit gesagt zu haben, weil sie von der Polizei weg wollte. Erst später habe sie sich ihrem heute 18-jährigen Freund offenbart. Zurzeit befindet sie sich in stationärer Behandlung in einer Jugendpsychiatrie.

Am nächsten Mittwoch sollen vier weitere Zeugen aussagen. Ein letzter Zeuge, der sich derzeit auf Montage in Italien befindet, und die psychologische Gutachterin sollen am 9. Januar angehört werden. Der Termin der Urteilsverkündung ist noch offen.