Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Die Kinder des Färberhofs haben auf diese Frage nicht nur eine, sondern gleich zahlreiche Antworten parat. Zu Besuch bei einer fröhlichen Bande Nachwuchsphilosophen.

Stendal l Erstaunliche Erkenntnisse im Familienzentrum Färberhof! Auf die Frage, wie die Welt denn aussehen solle, wenn sie bestimmen könnte, antwortete die fünfjährige Jasmin ohne zu zögern: "Ein bisschen anders. Da sollten überall Roboter sein, die mein Zimmer aufräumen. Da habe ich keine Lust drauf. Aber friedlich sollen sie sein, die Roboter!"

Jasmin durfte an diesem Nachmittag "Prinzessin Helena III." sein und sich zum Zeichen ihrer Philosphen-Würde einen Wikingerhelm aufsetzen. Denn der Nachmittag im Familienzentrum war großen Denkern vorbehalten, "Philosophieren mit Kindern" stand auf dem Programm: Pädagoge Michael Siegmund besucht die Einrichtung jeden Dienstag und diskutiert mit den Kleinen große Themen. Zu erzählen hatten die eine Menge: So wünschte sich Prinzessin Helena neben den Putz-Robotern auch noch Laserschwerter und "dass die Kinder, wenn sie geboren werden, schon ein bisschen größer sind. Meine Schwester Josefine ist noch viel zu klein zum Spielen." Und was ist der Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern, fragte Student Siegmund? "Die Erwachsenen dürfen nicht mehr so viel spielen", kam die Antwort wie aus der Kanone geschossen.

"Wie würdest du dir die Welt in der Zukunft vorstellen?"

Der 25-jährige Michael Siegmund, der in Magdeburg Bildungswissenschaft studiert und in Tangermünde lebt, staunt selbst immer wieder über die Antworten der kleinen Denker: "Es ist kein Sokrates und kein Nietzsche. Es geht darum, Themen aufzugreifen, die die Kinder bewegen, und ihnen respektvoll und auf Augenhöhe zu begegnen."

Deshalb ist die Aktion auch kein Zwang: Siegmund setzt sich in den Kindergarten , und die Kinder machen mit, solange sie wollen. Dann stellt der Student Fragen wie: Wie würdest du dir die Welt in der Zukunft vorstellen? oder: Ist es besser, Kind oder Erwachsener zu sein? "Dadurch sollen die Kinder selber Kompetenzen zur Deutung von Erlebnissen haben", sagt der Pädagoge. Wichtig dabei: Er wertet die Antworten der Kinder nie, sondern respektiert die teils kuriosen, teils überraschenden Aussagen. Helenas Nachfolger etwa, Ritter Max (5), hatte ganz bodenständige Wünsche: "Das Gemüse soll schneller reifen", meinte er, und: "Nashörner und Elefanten soll man schützen, Schweine nicht." Warum denn die Schweine nicht? "Weil die besser schmecken." Jedes Kind bekam während des Gesprächs einen Wikinger-Helm aufgesetzt: "So sollen sie in eine Rolle schlüpfen, in der sie mehr dürfen als im richtigen Leben", erklärt Siegmund. Über das Thema hat er sogar schon ein Buch geschrieben: "Philosophieren mit Kindern: Ein Handbuch" heißt es.

Ab dem 4. September wird er außerdem die wöchentlichen Familienabende im Färberhof begleiten: Jeweils von 17 bis 18 Uhr bietet er dann seine Dienste als Teilzeit-Philosoph an. Denn, so Siegmund: "Wir tun gut daran, unsere Kinder in dieser Hinsicht zu fördern."