Vermutlich 64 Jahre war die Eggenstedter Kirche ohne Dach, doch nun tut sich etwas. Seit etwa zwei Wochen kümmern sich Bauarbeiter um die Mauersanierung, so dass noch in diesem Monat ein neuer Dachstuhl aufgebaut werden kann. Bereits am 22. November soll Richtfest gefeiert werden.

Eggenstedt. Wenn Pfarrerin Renate Hirschligau in der Chronik der Eggenstedter Kirche blättert, stellt sie fest, dass sich über Jahrhunderte die wechselvolle Geschichte des Dorfes immer auch im Kirchengebäude widergespiegelt hat. So wurde beispielsweise 1563 die verwüstete Kirche wieder aufgebaut und 1670 die Kirche ausgebaut und ausgemalt. 1733 musste der Kirchturm ausgebessert werden, da er so baufällig war, dass sich nicht einmal der Schulmeister mehr hineintraute. Während 1758 das Kirchenschiff erst eingerissen und dann wieder aufgebaut wurde, widmete man sich 1876 der Ausgestaltung des Kircheninneren.

Wahrscheinlich so, wie sich die Eggenstedter schon damals für ihre Kirche eingesetzt haben, zeigten sie auch besonders in den vergangenen zehn Jahren ein Herz. Ihr großes Ziel: Das vermutlich 1946 eingestürzte Dach soll wieder aufgebaut werden. "Es war ein weiter Weg", resümierte Renate Hischligau, die daran erinnert, dass Anfang der 1990er-Jahre bereits der Schutt in der "Cabrio-Kirche" beseitigt wurde und sie so wieder nutzbar gemacht werden konnte. Dennoch habe man bemerkt, dass die Mauerkronen bröckeln. "Wir wollten was dagegen tun, aber der Baupfleger unseres Kirchenkreises war der Meinung, dass, um die Kirche zu erhalten, ein Dach dringend nötig ist", erklärte die Pfarrerin.

Schon 2003 wurden die ersten Fördermittel beantragt, aber Mittel flossen nicht, Erst 2007 freute sich die Eggen-stedter Kirchengemeinde über 5 000 Euro von der Börde-Sparkasse. Um Eigenmittel zu sammeln, wurde bereits ein Jahr zuvor die Konzertreihe "Eine kleine Dachmusik" ins Leben gerufen, die sich seitdem Jahr für Jahr großer Beliebtheit erfreut.

Dank der Fördermittel aus dem Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten sowie im Rahmen des Leader-Programms und des Integrierten ländlichen Entwicklungskonzeptes konnten nun über 100 000 Euro zusammengetragen werden, so dass die Bauarbeiter tätig werden konnten. Seit 14 Tagen sind sie vor Ort und kommen bei der Sanierung der Mauerkronen und beim Setzen der Ringanker gut voran. Auch der Turm ist bereits verfugt worden. "Wir waren froh, dass sich das Wetter so gut gehalten hat", freute sich Renate Hirschligau gemeinsam mit dem Kirchenältesten Reinhard Biewendt. "Erstaunlich, wie tief sich die Wurzeln der Birken ins Mauerwerk gegraben haben, in diesem Jahr haben sogar die Sonnenblumen dort oben geblüht", fügte er hinzu.

Wenn die Maurer mit ihrer Sanierung fertig sind, soll der Kirche der Dachstuhl aufgesetzt werden. Das Richtfest ist für Montag, 22. November, um 15 Uhr geplant. Anschließend kommen die Dachdecker zum Zuge. "Eigentlich wollten wir Ende November mit den Arbeiten fertig sein", äußerte sich Renate Hirschligau optimistisch. Sie weiß aber auch, dass es auch danach noch einiges an der Kirche zu tun gibt, denn in all den Jahren haben Wind und Wetter doch großen Schaden angerichtet. So muss zum Beispiel der Fußboden gesichert werden und auch die schönen Epitaphien, die sich noch in der Kirche befinden, sind es wert, restauriert zu werden.