Nabira Isakova aus Kirgisistan ist seit 23 Jahren Deutschlehrerin in ihrer Heimat. Mit einer Hospitation an der Gröninger Sekundarschule erfüllt sie sich nun einen Traum: Deutschland auch einmal zu besuchen. Möglich machte das der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz, der den Austausch von Fachwissen auf internationaler Ebene fördert.

Gröningen. Vor allem Goethe hat es Nabira Isakova angetan. Einmal nach Deutschland kommen und sehen, wie er gelebt hat – das war ein großer Wunsch. Die 43-jährige Kirgisin erinnert sich an die Zusage für ihre Fortbildungsreise, die ihr in ihrem Heimatland das Goethe-Institut übermittelt hat: "Ich war sehr froh und ebenso meine ganze Familie."

Für das Stipendium hatte sie sich erst im Februar dieses Jahres beworben. Nur wenige Monate später stand fest, dass sie die weite Reise aus ihrer Heimatstadt Balyktschy, gelegen am größten See Kirgisistans in Zentralasien, nach Gröningen antreten wird. Für ihren Aufenthalt an der Sekundarschule hat sie sofort viele Pläne gemacht: Das Schulsystem, die Lehrmaterialien und das Land wollte sie kennenlernen.

Ihr Stundenplan ist deshalb gut gefüllt. Sie hospitiert mehr als 25 Unterrichtsstunden pro Woche in Mathe, genauso wie in Englisch oder Deutsch. Und besonders wichtig ist ihr, bei jeder Gelegenheit deutsch zu sprechen. "Ich möchte meine Sprachkenntnisse verbessern. An meiner Schule bin ich die einzige Deutschlehrerin", erläutert sie den Hintergrund. "Daher spreche ich nur mit den Schülern deutsch." So hat Nabira Isakova kaum die Chance, sich über schwierige Gesprächsstoffe in ihrer Lieblingssprache zu unterhalten. In ihrer Stadt mit rund 50 000 Einwohnern gibt es nur noch zwölf weitere Deutschlehrer – und man kommt nicht alle Tage zusammen. Einmal im Jahr treffen sie sich, weil die Schüler eine Deutsch-Olympiade austragen.

Deutsch ist in Kirgisistan beliebt, wie Nabira Isakova versichert. So gibt es auch an vielen Hochschulen in Kirgisistans Hauptstadt Bischkek die Möglichkeit, Deutsch zu studieren. Dort hatte sie selbst studiert, bevor sie als 22-Jährige den Schuldienst antrat. Der unterscheidet sich vom Lehren und Lernen in Deutschland. Ebenso die Schultypen, die sie durch Besuche am Oschersleber Gymnasium und an der Gröninger Grundschule näher kennenlernte. Ganz begeistert ist sie von den Lehrmaterialien, egal, an welcher Schule. "Wir haben sehr wenige und alte Deutschbücher." Zuhause schreibt sie die Aufgaben für ihre Schüler an die Tafel.

In den gut zwei Wochen, die sie nun schon in Gröningen ist, wurde sie auch von den Gröninger Sekundarschülern im Unterricht ausgefragt. Gäste aus fernen Ländern sind schließlich selten. "Sie wollen wissen, wo Kirgisistan ist und welche Sprachen ich sprechen kann. Sie stellen Fragen zu meiner Familie, meinen Hobbys und meinen Kindern", berichtet die dreifache Mutter. Ebenso neugierig sind die Lehrer. "Es ist eine schöne Schule und die Lehrerinnen und Lehrer sind sehr freundlich zu mir." Ihrem Nachwuchs, der teilweise schon erwachsen ist und ihrem Ehemann wird sie nach der Rückkehr nicht nur vom Schulalltag berichten, sondern auch von den vielen Ausflügen.

Thale, Göttingen, Quedlinburg, Magdeburg und natürlich Berlin hat sie zum Beispiel besucht. In der Hauptstadt war Nabira Isakova mit ihrem Flugzeug angekommen und von dort bricht sie am kommenden Wochenende wieder in Richtung Heimat auf.

Von jedem dieser Besuche ist sie begeistert. "Die Elbe in Magdeburg ist zum Beispiel wunderschön, und in Berlin waren wir am Potsdamer Platz, Unter den Linden und am Alexanderplatz."

Auf Goethes Spuren in Deutschland wandeln

Und am vergangenen Wochenende wandelte sie schließlich bei einem Besuch im thüringischen Weimar auf allen Spuren, die der große Dichter und Denker Goethe hinterlassen hatte: von Goethes Wohnhaus bis zum Park an der Ilm. Und das bei wunderschönem Herbstwetter.

Stets mit dabei: Erika Steinert. Die Englisch-, Französisch- und Deutsch-Lehrerin der Gröninger Sekundarschule findet: "Ich war selbst für Bildungsaufenthalte im Ausland. Ich würde gern etwas zurückgeben von dem, was ich dort mitnehmen durfte." Deshalb ist sie auch Gastgeberin für Nabira Isakova in Gröningen. Die beiden Frauen teilen derzeit den Alltag. Morgens lesen sie am Frühstückstisch die Zeitung und abends schauen sie zusammen fern. "Einmal haben wir morgens bei unserer Zeitungsschau glatt die Zeit vergessen. Da kamen wir dann aber hier angewetzt", erzählt Erika Steinert schmunzelnd. Und da muss auch Nabira Isakova lächeln.