Mit einer Feierstunde haben Vertreter der Stadt und des Landkreises das 100-jährige Bestehen der Wanzleber Bibliothek gefeiert. Im Kulturhaus richteten neben Ortsbürgermeister Sandro Meyer auch Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben – Börde Petra Hort sowie Dezernent Joachim Hoeft Grußworte an die geladenen Gäste. Die Kitas und Schulen sorgten für die musikalische Umrahmung der Festveranstaltung.

Wanzleben. Neben Ortsbürgermeister Sandro Meyer und Bürgermeisterin der Stadt Wanzleben - Börde Petra Hort übermittelten gestern auch der Dezernent des Schul- und Kulturamtes Joachim Hoeft als Vertreter des Landkreises der Wanzleber Bibliothek die besten Wünsche zum 100-jährigen Bestehen. Es kamen auch Gabriele Herrmann, geschäftsführende Vorsitzende des Deutschen Bibliotheksverbandes, sowie aus Halle Beate Weberling, Leiterin der Fachstelle für öffentliche Bibliotheken beim Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, die den Bibliotheksmitarbeitern ihre Anerkennung für die geleistete erfolgreiche Arbeit aussprachen. "Dennoch muss man leider auch das Thema ansprechen, dass heutzutage nichts einfacher ist als eine Bibliothek zu schließen. Um so erfreulicher ist es, dass die Bibliothek hier in Wanzleben als Bildungsort Anerkennung findet, das ist als Leistung anzuerkennen. Die Anerkennung gilt aber auch den Kommunalpolitikern, die dafür Sorge getragen haben, finanzielle Mittel für die Einrichtung bereitzustellen. Ich hoffe, dass das in Zukunft auch so bleiben wird", sagte Gabriele Herrmann vom Deutschen Bibliotheksverband.

Die Leiterin der Stadtbibliothek Ilona Bloch sagte in ihrer Ansprache: "Ein solches Jubiläum kann stolz auf eine höchst erfolgreiche Entwicklung in all diesen Jahren machen. Am schönsten finde ich die Anerkennung unserer Leistung für die Bürger durch die Bürger selbst. Die Bibliothek ist die meist besuchte Kultur- und Bildungseinrichtung Wanzlebens, für alle Altersgruppen aus allen Bildungsschichten. Ich möchte allen danken, die zum Erfolg der Bibliothek beigetragen haben, dazu zähle ich die Stadträte, die Bürgermeisterin und die Stadtverwaltung, sowie meine ehemaligen Kollegen. Wir sollten alle gemeinsam dafür sorgen, dass das Bildungs- und Kulturangebot der Bibliothek auch weiterhin lebendig und vielfältig für Schulen, Kitas und für alle Bürger unserer Einheitsgemeinde so bestehen bleibt und weiter wächst."

Optimistische Worte fand auch Joachim Hoeft vom Landkreis Börde: "Wenn wir es schaffen, die Bevölkerung auch weiterhin zum Lesen zu animieren, werden wir hier auch den 110. und 120. Tag des Bibliotheksbestehens feiern können."

Ortsbürgermeister Sandro Meyer appellierte in seiner Rede an den Wanzleber Stadtrat, "dass auch in finanziell schwierigen Zeiten der Fortbestand der Bibliothek erhalten und gesichert bleiben muss."

Ilona Bloch blickte anschließend in die Geschichte der Bibliothek: Die Volksbücherei wurde am 30. November 1910 nach einem öffentlichen Aufruf eröffnet und durch den Amtsgerichtssekretär Schulze und den Bürovorstand Pahl geleitet. Laut überlieferter Unterlagen umfasste der Bestand anfänglich 350 Bände im Wert von 2520 Reichsmark. Die Leihgebühr pro Band und Woche betrug 5 Pfennig. 1915 erfolgte der erste Umzug vom Markt in die Graue Schule in der Schulstraße mit 1150 Büchern.

Einen Neuanfang nach dem Krieg startete die Bücherei am 30. Oktober 1950 in der Stadtsparkasse am Markt. Nur zwei Jahre später wurde die Kreisstelle für Bibliothekswesen im Bücherfreund in der Schulstraße errichtet. Die Leitung übernahm Edith Zimmermann, die später von Elisabeth Kullak abgelöst wurde. 1955 kam es zur Gründung der Stadt- und Kreisbibliothek durch den Zusammenschluss der Kreisstelle und der Stadtbibliothek Wanzleben. Der erste Sitz war in der Hospitalstraße mit einem Bücherumfang von 2000 Exemplaren.

1957 zog die Bibliothek erneut um. Dieses Mal in die Sarreschule in der Breitscheidstraße. Von 1955 bis 2003 war die Ausleihe kostenlos. Der neue Standort ab 1965 in der Ritterstraße bot eine wesentlich bessere Übersicht über den vergrößerten Bestand. Dieser umfasste inzwischen mehr als 22 000 Medieneinheiten.

Die Stadt- und Kreisbibliothek war 1979 Bestandszentrum für 37 Gemeindebibliotheken des Kreises Wanzleben.

Im Oktober 1999 wurde die Entscheidung getroffen, das Kulturhaus für die Stadt- und Kreisbibliothek umzubauen. "Seit Bestehen der Volksbücherei fanden in 100 Jahren 8 Umzüge statt. Der Umzug 2001 in das Kulturhaus wird hoffentlich der letzte gewesen sein", merkte Ilona Bloch an. Seit 1987 arbeitet Ilona Bloch in der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben. Die Leitung übernahm sie 1996. Aktuell befinden sich 37 700 Medien in der Bibliothek, darunter 27 000 Bücher. In diesem Jahr wurde in die Räumlichkeiten bereits zu 135 Veranstaltungen eingeladen, die jeweils von den zwei fest angestellten Mitarbeiterinnen sowie einer Ein-Euro-Jobberin organisiert wurden.

Während der bevorstehenden Feiertage bleibt die Einrichtung übrigens vom 24. Dezember bis 3. Januar geschlossen.

   

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