Der Langenweddinger Heimatverein "die weddinger" ließen Handwerksbetriebe des Ortes wieder aufleben. Doch nicht nur eine aussagekräftige Ausstellung wurde im Vereinsdomizil gestaltet. Nein, auch der Blick in alte Handwerksstuben war erlaubt und erwünscht.

Langenweddingen. Für Janne und Thore Skirlo gab es in der alten Schuhmacherwerkstatt von Familie Duchstein eine Menge zu gucken und sogar auszuprobieren. Der Hammer des Schuhmachers gehörte genauso dazu wie der Elefant, auf dem vor vielen Jahrzehnten die Kinder im angegliederten Schuhgeschäft die Schuhe anprobierten. Aber nicht nur Langenweddinger Kinder wie Thore und Janne staunten über die alte Schuhmacherwerkstatt, die Ernst-Peter und Christiane Duchstein am Sonnabend für die Besucher öffneten. Vor immerhin 151 Jahren wurde die Schuhmacherwerkstatt gegründet, Ernst-Peter ist die vierte Generation. Alte Maschinen, Leder, Werkzeuge und Schuh-Leisten gibt es in der Werkstatt noch immer zu sehen und wurden von den "Rundgängern" bestaunt. Nicht nur die alte Schuhmacherwerkstatt war an diesem Sonnabend geöffnet. Nun wenige Meter entfernt gab es in Daehres Schmiede in jedem Fall ein warmes Plätzchen und ebenso viel zu erkunden. 1896 war die Schmiede Helmcke von Dr. Karl-Heinz Daehres Großvater gegründet worden. Hier wurden die Pferde beschlagen und später als das Ende der Hufschmiede gekommen war, Schlossschrauben hergestellt. Dr. Karl-Heinz Daehre lud die Besucher herzlich ein, selbst einmal das Schmieden zu probieren. Er selbst schürt noch regelmäßig das Feuer in der Esse und mit Hilfe kräftiger Schläge mit dem Schmiedehammer werden Frust und Ärger abgebaut.

Ein alteingesessener Handwerksbetrieb ist in jedem Fall auch die Bäckerei Metscher. Auch dort waren am Sonnabendnachmittag die Gäste herzlich willkommen. Hier fand zugleich ein Adventsmarkt statt.

Zahlreiche Gäste kehrten auch im Vereinsdomizil der "weddinger" ein. Die Vereinsmitglieder hatten hier eine überaus sehenswerte Ausstellung über Handwerksbetriebe einst und heute in Langenweddingen zusammengetragen. Und dabei wurde einmal mehr deutlich: Das Bördedorf bot eine reiche Vielfalt an Handwerksbetrieben, die auch von der gut funktionierenden Landwirtschaft im Ort profitierten. Beinahe jede Straße hatte einen Bäcker oder Fleischer. Apropos Fleischer. Einer von sieben Langenweddinger Fleischer ist Willi Rose. Der Fleischermeister trug zum Gelingen der Ausstellung bei, hatte einige Gerätschaften ausgestellt. Und selbstverständlich schaute auch er im Haus der "weddinger" vorbei und wusste allerhand aus dem Alltag eines Fleischers zu berichten, wozu auch die Hausschlachtung gehörte. "Es gab Zeiten, da wurden in Langenweddingen 450 bis 500 Schweine geschlachtet. Ich selbst war bis 1990 bei der Hausschlachtung dabei", erzählt Willi Rose.

Mit Lothar und Sebastian Kleinert schauten gleich zwei Generationen Elektrikermeister in der Ausstellung vorbei. Einst hat Otto Kleinert den Handwerksbetrieb 1939 in Langenweddingen gegründet. Sein Meisterstück war in der Ausstellung ebenso zu sehen. Metallbau Kärsten, Uhrmachermeister Hartwig Kurch, Schneidermeisterin Adrienne Schlothauer, Kfz-Meisterbetrieb Gerlach oder Maurer Jörn Darius sind Handwerksbetriebe, die es noch heute in Langenweddingen gibt. Nicht zu vergessen Obstbau Hornemann oder die Gärtnerei Daiker-Otto. Wobei der Zigarrenmacher, der Steinbrecher, der Barbier, der Müller oder Sattler der Vergangenheit gehören. Eine Liste aus dem Jahr 1907 gibt Auskunft über Handwerkerbetriebe dieser Zeit. Dort erscheint auch der Betrieb eines Wagners. Wagners? Bloß gut, dass es in der Ausstellung der "weddinger" auch ein Lexikon zu Handwerksberufen gibt. So lässt sich herausfinden, dass der Wagner ähnliche Arbeiten wie ein Stellmacher ausführte und beispielsweise (Wagen-) Räder baute.

Eine sehr informative Ausstellung haben die "weddinger" zusammengetragen. Sie sollte ruhig länger zu sehen sein und vor allen Dingen von den Schulen des Ortes genutzt werden.

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