Der Oschersleber Dr. Uwe Henning war 35 Jahre lang Imker. In diesem und im letzten Jahr wurde in sein Bienenhaus eingebrochen, das Imkerinventar nahezu vollständig zerstört und die Bienen getötet. Jetzt hat der 69-Jährige vor den Vandalen kapituliert und sein heiß geliebtes Hobby an den Nagel gehängt. Vor einer Woche ist er offiziell aus dem Imkerverein Oschersleben und Umgebung ausgetreten, in dem er sich über Jahrzehnte engagiert hatte und zweitweise sogar den Vorsitz führte.

Oschersleben. April 2009: Dr. Uwe Henning, Imker seit 1975, kehrt aus seinem einwöchigen Urlaub zurück. Als er nach den kleinen Honiglieferanten in seinem Schrebergarten Am Karpfenteich sehen möchte, ist innen nahezu alles Imkerinventar zerstört, die Tiere tot. "Seit 1978 imkerte ich auf diesem Gelände, so etwas ist vorher nie passiert, und dann musste ich plötzlich wieder bei Null anfangen", erinnert sich der Oschersleber an diesen Schock.

Und er begann bei Null, denn die Imkerei war nicht nur ein kleines Nebeneinkommen, sondern auch eine Leidenschaft. Diese wurde jedoch ein knappes Jahr später im Februar dieses Jahres wahrscheinlich für immer zerstört.

Ein zweites Mal drangen Vandalen in das Bienenhaus ein und zerstörten alles, was ihnen zwischen die Finger kam – Waben, Bienenfenster, Honigschleuder. "Da bin ich dann verzweifelt", sagte der 69-Jährige. Er habe sich ungewöhnlich machtlos gefühlt. Das Geld habe dabei weniger eine Rolle gespielt. "Aber woher sollte ich denn wissen, dass das nicht noch einmal passieren wird? Da habe ich dann irgendwann resigniert." Ein weiteres Mal Energie aufwenden, damit die Arbeit dann doch wieder zerstört wird, das wollte Dr. Uwe Henning nicht noch einmal durchleben. Fast drei Monate lang hatte er hin und her überlegt und traf eben diese Entscheidung. "Das ist mir unheimlich schwer gefallen", sagte er.

Seinen Austritt aus dem Imkerverein Oschersleben und Umgebung gab er am Sonn–abend vor einer Woche bekannt, auf der gleichen Sitzung, in der ein neuer, verjüngter Vorstand mit Steffen Wauschkuhn an der Spitze gewählt wurde. Wauschkuhns Vorgänger Hans Joachim Neumann war der Nachfolger von Dr. Uwe Henning, der selbst von 1986 bis 1994 das oberste Vereinsmitglied war und später als Schatzmeister fungierte. "Ich habe mich immer für den Verein engagiert."

35 Jahre lang betrieb er das Geschäft mit dem Honig. "Es war für mich Beruf und Hobby zugleich", sagt Henning. Anfangs hatte er einfach Tiere halten wollen, da er beruflich aus der Landwirtschaft stammt. So stieß er auf die Bienenzucht.

"Nach einem Jahr merkte ich bereits, dass mir das Imkern sehr viel Spaß bereitet und es zu DDR-Zeiten außerdem sehr rentabel war", erinnert sich Dr. Henning.

Nach der Wende hätte sich letzteres zwar geändert, aber die Leidenschaft blieb trotzdem erhalten. Nun ist davon nur noch Enttäuschung übrig.

Bienenhäuser sind ein eher untypisches Ziel für Zerstörungswütige, allerdings ist es auch keine Seltenheit, dass die fleißigen Insekten ungebetene Gäste bekommen. Dieses Wissen, dass er mit seiner Enttäuschung über die unsinnigen Zerstörungen nicht allein ist, hilft Dr. Uwe Henning ein wenig aus der Trauer um seine Bienen heraus. Und er ist flexibel genug, sich mit Leidenschaft anderen Hobbys zuzuwenden.