Ummendorf. Der riesige Bilderfundus, der sich fast komplett im Besitz des Börde-Museums befindet, schrie förmlich nach einer Ausstellung über den Bördemaler August Bratfisch (1883–1960). Und der sich am 1. November zum 50. Mal jährende Todestag des Künstlers erschien dem Ummendorfer Museumsleiter als vollauf angemessener Anlass dafür: "Erst in seinem letzten Lebensdrittel ist er ja in die Börde gekommen, und es begann für ihn eine große Schaffensperiode. Diese soll mit der Sonderausstellung vor allem gewürdigt werden", sagt Dr. Thomas Ruppel.

Seit Ende Juni sind im Burgmuseum mehrere hundert Motive Bratfischs zu sehen – ein gut Teil der mehr als 900 Einzelwerke, die von ihm erhalten sind. Bedienen konnten sich Ruppel und seine Mitarbeiter in der hauseigenen Sammlung, die Bratfischs Frau Anfang der 70er Jahre dem Museum vermacht hatte. Hinzu kommen einige Leihgaben aus Privatbesitz. Aufgrund der großen Menge an Bildern ist es gelungen, den Lebensweg mit der künstlerischen Entwicklung zu verknüpfen – und so ist auch die Galerie der über 300 Bilder zumeist chronologisch angeordnet. Im Fokus jedoch steht die Fülle an Bördemotiven.

August Bratfisch, geboren am 24. Januar 1883 im lothringischen Metz, siedelte 1918 nach Magdeburg über. Die Malerei war nur mehr ein Hobby, "obgleich er eine Art künstlerischer Ausbildung zumindest begonnen haben muss", mutmaßt Thomas Ruppel; seine Brötchen aber verdiente er sich als Angestellter bei der Reichsbahn. Anschluss unter Gleichgesinnten fand Bratfisch Anfang der 1920er Jahre in der Künstlervereinigung "Die Kugel". Wenig später lernte August seine spätere Ehefrau kennen, die passenderweise Auguste hieß. Inspiriert wurde er während dieser Zeit vornehmlich von der Heidelandschaft um Colbitz, wo er in seinem Salchauer Wochenendhaus viel Freizeit verbrachte. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Luftangriff auf Magdeburg, in dessen Folge Bratfisch nach Blumenberg evakuiert wurde und schließlich in Wanzleben heimisch wurde, entdeckte er für sich den eigenen Charme der Börde und verstand es, diesen im Bild festzuhalten.

Durch sein "Spätwerk", eine Mischung aus geradezu wissenschaftlichen, weil penibel genauen Pflanzenzeichnungen und Beobachtungen sowie Entdeckungen von Land, Leuten und Klima, gilt er laut Ruppel heute als "der Bördemaler schlechthin, der sich mit der Region künstlerisch auseinandergesetzt hat wie kein anderer". Zwar war sein Schaffen auch zu Lebzeiten schon bekannt, doch trat Bratfisch nur selten damit in den Vordergrund. Ausstellungsvermerke mit seiner Beteiligung sind rar.

Umso lohnenswerter ist der Blick, den das Börde-Museum in das Gesamtwerk gewährt und der erst in geschärfter Form Talent und Arbeitsweise Bratfischs entlarvt. So sieht es auch Thomas Ruppel: "Die Bildmotive wirken nur selten spektakulär, doch die künstlerische Qualität, das aufmerksame Auge für Feinheiten und kleine Schönheit sprechen für sich und prägen das Werk des August Bratfisch."

Das Museum mit allen Ausstellungen hat von Dienstag bis Sonntag jeweils von 12 bis 17 Uhr geöffnet. Kleiner Volksstimme-Tipp für die heißen Sommertage: Die dicken Burgwände sorgen für eine angenehm erfrischende Besichtigungstemperatur.

 

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