Gegen Jahresende erinnern Gedenktage wie Allerheiligen, Volkstrauertag, Buß- und Bettag sowie Totensonntag an den Abschied von geliebten Menschen. Die Oschersleber Volksstimme stellt Menschen vor, die auf Friedhöfen arbeiten. Heute Teil III: Der Gärtner.

Oschersleben l "Als ich vor zwanzig Jahren ein Bestattungsauto gesehen habe, hat das schon gereicht", erinnert sich Harald Angenstein. "Heute geht man anders damit um." Der Oschersleber Gärtner meint das Thema Tod, mit dem er seither täglich konfrontiert wird. Nach der Wende sattelte der gelernte Stahlbauschlosser beruflich um, betreibt seitdem die Gärtnerei Angenstein - direkt neben dem Oschersleber Friedhofsgelände.

Neben der Zucht eigener Beet- und Balkonpflanzen ist die Grabpflege und Grabneugestaltung ein großer Bestandteil der Arbeit von Harald Angenstein. Rund 150 der 3000 Gräber auf dem Friedhof gießt und bepflanzt der Oschersleber das ganze Jahr über. Doch zu den Aufgaben eines (Friedhofs-)Gärtners gehört nicht nur ein grüner Daumen. Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen im Gespräch mit Hinterbliebenen sind ebenso gefordert. "Man gewöhnt sich an den Umgang mit trauernden Menschen", sagt Harald Angenstein.

"Wichtig ist, dass man heute so lebt, als könnte es der letzte Tag sein."

Bereits zwei Wochen nach der Beisetzung kann in der Regel mit der Erstbeflanzung begonnen werden. Je nach Jahreszeit empfehlen sich dabei unterschiedliche Blumen und Gewächse. "Im Frühjahr pflanzt man meistens Stiefmütterchen und Primeln, im Sommer oft Semperflorens, im Herbst dann Silberblatt und Heide. Zum Totensonntag wird auf die meisten Gräber Tannengrün gelegt", erzählt Harald Angenstein. Ein solches Gesteck überstehe auch die niedrigen Wintertemperaturen.

Auch wenn Harald Angenstein berufsbedingt ständig damit zu tun hat - mit dem Tod beschäftigt er sich auch nicht mehr als andere Menschen. Wie er bestattet werden möchte, weiß der Gärtner jedoch schon: Er wünscht sich entgegen des aktuellen Trends zur anonymen Bestattung oder Friedwäldern eine klassische Erdbestattung.

"Es ist weiterhin ein Tabu, über den Tod zu sprechen. Die meisten Menschen verdrängen das", hat der Oschersleber festgestellt. Dabei sei es seiner Meinung nach wichtig, die Frage nach der eigenen Bestattung zu klären. "Viele Angehörige kommen mit der anonymen Bestattung nicht klar", erzählt er. "Ihnen fehlt dann einfach der Bezugspunkt."

Ist die Frage nach der Art der Bestattung geklärt, steht das Hier und Jetzt auch für Harald Angenstein im Mittelpunkt. "Wichtig ist, dass man heute so lebt, als könnte es der letzte Tag sein", findet er.