Der Landkreis will die ehemalige, mittlerweile ziemlich heruntergekommene Ausflugsgaststätte "Hubertushöhe" im Hohen Holz bei Oschersleben kaufen. Für entsprechende Vorbereitungen zum Kauf sind im Haushaltsplan für das kommende Jahr 25 000 Euro eingeplant. Das sorgte im Kreistag am Mittwoch für Diskussionen.

Hubertushöhe. Die Geschichte der Ausflugsgaststätte "Hubertushöhe" ist eine Geschichte mit vielen Höhen und Tiefen. In der jüngeren Vergangenheit waren es mehr Tiefen. Das einstige beliebte Ausflugsziel im Waldgebiet Hohes Holz verkommt zusehends immer mehr, musste bereits mehrfach vom Ordnungsamt der Stadt Oschersleben vor unbefugtem Zutritt gesichert werden. Aktueller Eigentümer ist ein Gastwirt aus Niedersachsen. Der hatte Gaststätte und Grundstück Anfang 2008 bei einer Zwangsversteigerung erstanden. Passiert ist seither nichts.

Nun will der Landkreis handeln und die ehemalige Gaststätte kaufen. Für die Vorbereitungen zum Kauf sind im Haushaltsplan für 2011 insgesamt 25 000 Euro eingeplant. Das stößt allerdings nicht bei allen Kreistagsmitgliedern auf Gefallen. SPD-Kreistagsmitglied Jochen Dettmer sprach den Punkt am Mittwoch bei der Kreistagssitzung an. "Ich habe Klärungsbedarf. Die Hubertushöhe war nach der Wende dem damaligen Landkreis Bördekreis zugeschlagen worden. Der hat das später dann für eine D-Mark veräußert. Jetzt steht das Objekt leer und verkommt. Warum soll das jetzt gekauft werden?", fragte Dettmer. Er verstehe nicht, was der Landkreis damit wolle.

Das brachte Gabriele Brakebusch (CDU) auf den Plan. "Die Hubertushöhe ist ein Objekt, bei dem die Menschen rund um Oschersleben schon lange darauf warten, dass es wieder in den Besitz des Landkreises übergeht. Dass es 1994 für eine D-Mark verkauft wurde, war verwerflich. Wir sollten an die Bevölkerung denken und es zurückkaufen", so die Harbkerin.

Dezernent Thomas Kluge verteidigte den Haushaltsposten "Hubertushöhe": "Das Gebäude liegt mitten im Hohen Holz, der Wald gehört dem Landkreis. Hier wollen wir für die Bürger ein schönes Gebiet einrichten. Der Landkreis macht mit dem Kauf der Gaststätte kein Geschäft – das ist klar. Aber wir wollen es für die Bürger erhalten. Eine private Initiative soll das Haus künftig auf Pachtbasis betreiben. Für uns stand die Frage: Schauen wir noch zehn Jahre zu, oder gestalten wir mit?!" Das Interesse daran habe man bei der Volksstimme-Umfrage im Süden des Landkreises gesehen. Im Frühjahr hatten sich 1185 Volksstimme-Leser dafür ausgesprochen, dass der Landkreis die Gaststätte "Hubertushöhe" kaufen soll.

In die gleiche Kerbe schlug auch Landrat Thomas Webel (CDU) in der Diskussion. "Die Hubertushöhe liegt mitten in unserem eigenen Wald. Da sollte jeder bestrebt sein, auch Eigentümer zu sein. Wenn man Eigentümer ist, dann ist man auch Herr des Verfahrens. Wir kaufen viel Land und Wald für den Naturschutz, jetzt sollten wir einmal für Menschen handeln. Alle Oschersleber wünschen sich das."

Ex-Bördekreis-Landrat Burkhard Kanngießer (SPD) verteidigte die damalige Entscheidung des Kreistages. "Ich muss die Betrachtung in die Vergangenheit etwas korrigieren. Es kann nicht die Aufgabe des Landkreises sein, eine ehemalige Gaststätte zu betreiben. Die Entscheidung von damals war richtig." Mit dem symbolischen Preis von einer D-Mark wollte man einem privaten Investor den Start erleichtern. Zunächst habe der erste Besitzer mit viel Mühe und Geld auch eine Verbesserung erreicht. Doch dann sei er schwer erkrankt. Erst danach sei es mit der Ausflugsgaststätte bergab gegangen.

Die ganze Diskussion befriedigte Jochen Dettmer allerdings nicht. Er forderte einen Sperrvermerk für die eingestellten 25 000 Euro bis es ein konkretes Nutzungskonzept mehr Informationen über mögliche Folgekosten gebe.

Torsten Schubert (CDU) warb dennoch für den Kauf. Der Landkreis sei jetzt dabei, mit dem Wald Geld zu verdienen. Das könne dazu genutzt werden, die Hubertushöhe zu kaufen. "Wir sollten versuchen, alles wieder zusammenzufügen", so Schubert.

Mit großer Mehrheit stimmte der Kreistag schließlich für den gesamten Haushaltsplan – inklusive der 25 000 Euro für die Kaufvorbereitungen.