21 Jahre und etwa anderthalb Monate nach Grenzöffnung im Eckertal macht das kleine Grenzmuseum an historischer Stelle dicht. In einem ehemaligen Bunker unter dem einstigen Wachturm wurden vor allem historische Zeitdokumente, wie Fotos aus der Zeit vor und nach der Öffnung der Mauer ausgestellt. Die bisherige Pächterin sieht sich außerstande, das Museum parallel zu ihrem Imbiss weiter zu betreuen.

Stapelburg/Ilsenburg. Seit Juni 2008 pilgerten wahrscheinlich tausende Besucher in das kleine Grenzmuseum im Eckertal. Eben exakt an jene Stelle, wo sich am 11.11.1989 couragierte Bürger einen winzigen Durchbruch durch die Mauer erzwungen hatten. Damals fielen sich tausende Menschen aus Ost und West vor den Toren Stapelburgs überglücklich in die Arme.

Der Wachturm der Grenzer konnte zwar seinerzeit als verhasstes DDR-Relikt gar nicht schnell genug umgerissen werden. Allerdings blieb der dazugehörige Bunker erhalten. Nach jahrelangem Leerstand und allmählichem Verfall fasste sich die Stapelburgerin Christine Leiste ein Herz und pachtete das Objekt samt einem davor stehenden Bungalow, den sie in das spätere Museum mit einbezog. Während sie im eigentlichen Bunker vor allem historische Dokumente, Fotos sowie Uniformteile der Grenzer präsentierte, zeigte sie in besagtem Bungalow daneben vor allem alltägliche Dinge aus DDR-Zeiten. Aber ehe das soweit war, musste überall renoviert werden. Zudem beschaffte sie Schränke und Regale im Sinne einer angemessenen Präsentation. Auch wenn der ihr zur Verfügung stehende Platz zumeist nicht ausreichte. Das lag vor allem auch daran, dass immer öfter Besucher weitere Exponate oder Fotos mitbrachten, die die Sammlung permanent vervollständigten.

Seit einem Jahr überlegt die Betreiberin, wer als möglicher Nachfolger für sie infrage käme: "Ich kann auf Dauer unmöglich meine Gäste mit Kaffee bedienen und gleichzeitig im Bunker Gruppenführungen machen. Dieser Spagat funktioniert so nicht mehr, weder zeitlich, noch logistisch". Der Stapelburger Heimatverein habe auf ihre Anfrage hin ebenso ablehnend reagiert wie jener aus Abbenrode.

Letzterer hätte gern alle Exponate in seine Heimatstube übernommen. Aber für einen Weiterbetrieb sieht sich Vorsitzender Andreas Weihe außerstande: "Wen sollen wir denn da hinsetzen? Das ist für uns keinesfalls zu leisten". Christine Leiste: "Das kann ich ja aus der Sicht der Abbenröder noch halbwegs nachvollziehen. Aber dass sich die Stapelburger selbst so desinteressiert an ihrer Geschichte vor der eigenen Haustür zeigen, will mir nicht in den Kopf".

Der Bunker ist Landeseigentum. Ein potenzieller Nachfolger für sie müsste zwar keine Pacht bezahlen, sehr wohl aber die für Immobilien übliche Grundsteuer. Im konkreten Fall soll es um weniger als 30 Euro jährlich gehen, so Christine Leiste, während sie Touristen aus dem niedersächsischen Celle den Kaffee bereitet. Und genau die zeigten sich von dem kleinen Grenzmuseum in der letzten Woche ebenso angetan, wie von dem davor stehenden Denkmal. Auch in diesem Jahr dürfte das Areal rund um diese historische Stelle wieder dicht umringt sein, wenn sich der Tag der Maueröffnung am 11.11. um 16 Uhr zum 21. Mal jährt.

"Schulvariante wäre beispielhaft und heimatverbunden"

Monatelang ruhten nun also alle Hoffnungen für den Fortbestand des regional bedeutsamen Grenzmuseums auf der Ilsenburger Goethe-Sekundarschule. Deren Leiter Dr. Stefan Küchler war bis vor wenigen Tagen noch höchst optimistisch, dieses Kleinod in ein Schulprojekt mit einzubinden und so den Begriff von "lebendigem Geschichtsunterricht" durch Fakten Wirklichkeit werden zu lassen. Monatelang wurde überlegt wie speziell die Stapelburger Schüler das Grenzmuseum außerschulisch weiter "betreiben" könnten, um damit der drohenden Schließung zuvorzukommen.

Alle diese Bemühungen scheinen unterdessen vergebens gewesen zu sein. Küchler hatte vorgeschlagen, dass die Führungen nach Voranmeldung künftig allein durch die Schüler realisiert werden. "Diese Variante wäre beispielhaft und heimatverbunden, zumal die Jugendlichen selbst großes Interesse an der deutsch-deutschen Geschichte bekundet hatten", so Küchler. Knackpunkt: Weder der Schule selbst noch der Kreisverwaltung Harz als Träger dürften dabei Kosten entstehen. Allein dieser Punkt ist nicht erfüllbar, auch wenn es höchstwahrscheinlich um weniger als 30 Euro Grundsteuer jährlich geht.

Als Auflagen stehen aber auch noch die Übernahme der Verkehrssicherungspflicht sowie die Nutzung durch die Schüler "auf eigene Gefahr". "Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben übernimmt keinerlei Haftung für irgendwelche Schäden. Zudem ist jederzeit die Verschlusssicherheit der Gebäude zu gewährleisten", wurde der Schule schriftlich mitgeteilt. Stefan Küchler: "Ich habe keine Chance, auch nur eine dieser Bedingungen zu erfüllen". Damit hat sich auch die letzte Hoffnung für eine Fortsetzung des Museumsbetriebs in Stapelburg zerschlagen. Da Sponsoren oder andere Betreiber weit und breit nicht in Sicht sind, ist der 31. Dezember wohl der letzte Ausstellungstag im Eckertal.

 

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