Mehr als 640000Euro hat die Wernigeröder Stadtverwaltung bisher für Berater, die sich mit Schierke befasst haben, ausgeben. "Es wurde exakt das geliefert, was beauftragt wurde", heißt es aus dem Rathaus. Dabei wurden große Teile der Pläne schon wieder verworfen.

Wernigerode/Schierke l Rund 165000Euro für das Schierker Ortsentwicklungskonzept, 20825 Euro für die Wirtschaftlichkeitsrechnung des Parkhauses an der Sandbrinkstraße, 39670Euro für den entsprechenden Bebauungsplan, 82560Euro für die Planung des Winterberg-Erlebnisgebietes - die Liste der Kosten ist lang.

Insgesamt 640342 Euro hat die Wernigeröder Stadtverwaltung bislang für Berater, die sich mit Projekten in Schierke befasst haben, ausgegeben. Die Zahl geht aus einer Liste hervor, die der Redaktion der Harzer Volksstimme vorliegt.

Vom Land gefördert wurdendavon 45528Euro, weitere 25000 Euro hat die Wernigerode Tourismus GmbH - ein städtisches Tochterunternehmen - übernommen.

Das Gros - 569814Euro - zahlte die Stadt. Bei dieser Summe wird es allerdings nicht bleiben. "Insbesondere für das Winterberg-Konzept und das Eisstadion können weitere Leistungen erforderlich werden", so Verwaltungssprecher Andreas Meling. Im aktuellen Haushaltsplan der Stadt wurden bereits 350000Euro für ein Eisstadion-Konzept eingestellt.

Die Wernigeröder Stadträte haben nur wenig Mitspracherecht, geht es um die Beraterverträge. Laut Meling gilt nach wie vor der Grundsatzbeschluss vom 30. März 2010 über das Ortsentwicklungskonzept Schierke, zu dem sich alle Fraktionen bekannt haben. Der Beschluss befähigt die Verwaltung, notwendige Gutachten und Beraterleistungen in Auftrag zu geben.

Berater werden in Tagessätzen bezahlt, die von Unternehmen zu Unternehmen schwanken, ist aus Expertenkreisen zu erfahren. Angemessen seien Tagessätze zwischen 800und1500 Euro.

Allein für einen der ersten Pläne, der einen Großparkplatz mit 1250 Stellflächen am Ortseingang des Brockenortes vorsah, zahlte die Verwaltung 228000Euro an ein Berliner Architektur-Büro und ein Wernigeröder Planungsunternehmen.

"Selbst mit einem relativ hohen Beratersatz hätte sich ein Experte 230Tage - also ein ganzes Jahr - mit diesem Standort befassen müssen, um auf dieses Gehalt zu kommen", sagt ein Finanzexperte, der anonym bleiben möchte.

Auf die Frage, wieviel er pro Tag in Rechnung stellt, gab sich der betroffene Architekt unwissend. "Was ich pro Tage nehme, das weiß ich doch nicht", so der Planer gegenüber Volksstimme. Im Rathaus zeigt man sich zufrieden mit den erbrachten Leistungen. Andreas Meling: "Für alle Planungs- und Beraterverträge gilt: Es wurde exakt das geliefert, was auch beauftragt wurde."

Wenig später errechnete eine andere Berliner Firma in einem Gutachten - Kostenpunkt rund 15000Euro -, dass sich der Parkplatz am Ortseingang mit Buspendel-Verkehr gar nicht rechnen würde. Kurzerhand wurde das 230000Euro-Konzept verworfen. Die Verwaltung spricht heute von einer "in Varianten geführten Vorplanung zum Parkhaus".

Ein neues Konzept wurde in Auftrag gegeben für ein Parkhaus an einem anderen Standort: der Sandbrinkstraße. Dort wurden erneut Bebauungsplan und Wirtschaftlichkeitsgutachten benötigt - für mehr als 60000Euro.