Wernigerode l "Wer war schon einmal zu Gast bei einem Cristin Claas-Konzert?", fragt die Sängerin mit der Mireille Mathieu-Frisur ihr Publikum am Sonnabend in der Aula des Gerhart-Hauptmann-Gymnasiums in Wernigerode. Die Hände schnellen hoch. Fast jeder der Besucher kennt sie, Cristin Claas - die Frau mit der brillanten Stimme, die mit mädchenhafter Ästhetik singend ihre Titel ansagt, die mit poetischem Timbre auf eine Reise in ihre märchenhafte Gedankenwelt entführt.

Die meisten Konzertgäste sind seit vielen Jahren treue Fans. Kaum einer, der nicht schon über Jahre ihre Karriere mitverfolgt, seitdem sie vor zehn Jahren im Ristorante "banchetto" von Yvonne Erdmann in Wernigerode ihre Stimme voller Facetten erhob.

Eine Sängerin, ein Pianist, ein Gitarrist - das Cristin Claas Trio überzeugt bei dem Konzert, das die Volksstimme präsentiert, mit einer Vielfalt an Genres und technischer Perfektion. Der Liebling der Gäste ist Christoph Reuter am Piano - er beweist auch an ungewöhnlichen Instrumenten wie dem afrikanischen "Udu" aus gebranntem Ton, dass Musik farbenfroh und Jazz nicht immer gleich sein muss. Seine Ansagen sind Pointen-gespickt, die Gäste lachen. An der Gitarre zeigt Stephan Bormann, was virtuoses Spiel bedeutet. Seine Soli entlocken dem Publikum immer wieder spontane Applaus-Bekundungen. Ralf Möbius aus Wernigerode reist Cristin Claas mit Freunden und Familie nach Braunschweig, Leipzig, Halle und Magdeburg hinterher. "Es ist für mich bereits das dritte Konzert in diesem Jahr", sagt er. Was ihn so an dem Trio begeistert? "Es ist das Zusammenspiel der Musiker - und ihre tolle Stimme." Zum ersten Mal gehört hat er sie 2007 in der Kemenate.

Dieser "unverwechselbare Klang" ist es auch, dem Clemens Hilchenbach aus Wernigerode und Klaus Jürgen Müller aus Gielde bei Goslar gefolgt sind. "Vor acht Jahren habe ich sie zum ersten Mal gehört", erinnert sich Hilchenbach. "Sie ist reifer geworden."

Klaus Jürgen Müller schätzt allgemein die Vielfalt, die der Jazzclub im Wernigeröder Kunst- und Kulturverein seinem Publikum Jahr für Jahr bietet. "Leider haben wir in Goslar nicht so eine Jazzszene", sagt Müller, der Stammgast in der Remise ist.

Der Abend endet nach etlichen Zugaben - und mit dem Wunsch vieler, dass sie - die zarte Frau mit der großen Stimme - bald wieder nach Wernigerode reisen und für sie singen möge.