Die neue Schulentwicklungsplanung des Landes hat auch in Wernigerode Auswirkungen. In der Verordnung sind Mindestschülerzahlen festgeschrieben. Die Silstedter Grundschule erreicht diese nicht. Noch nicht.

Wernigerode/Silstedt l Karl-Heinz Mänz bezeichnet die Zahlen als "schockierend", die auf der Sitzung des Wernigeröder Kulturausschusses von Silvia Lisowski vorgelesen wurden. Die Schulamtsleiterin hatte von den neuen Mindestschülerzahlen berichtet, die per Verordnung des Landes am 31. Mai festgeschrieben wurden. In dem Gesetzestext, der mittelfristigen Schulentwicklungsplanung, heißt es, dass Grundschulen im Schuljahr 2017/\'2018 von mindestens 80Kindern besucht werden. Ansonsten droht den Einrichtungen das Aus. Das gilt auch für den Fall, dass weniger als 20 Abc-Schützen eingeschult werden. Die Schulen im Wernigeröder Stadtgebiet liegen alle im Soll, so Silvia Lisowski. Einziges "Problemkind" ist die Sil-stedter Grundschule "Henning Calvör". Dort werden aktuell 65Mädchen und Jungen unterrichtet. Für das nächste Schuljahr gibt es laut Leiterin Ines Havenstein 15 Neuzugänge, im darauffolgenden Jahr sogar 23bei nur 13 Abgängen. Macht unterm Strich 75 Schüler.

Laut einer Studie werden im entscheidenden Schuljahr 2017/\'2018 70 Kinder in Silstedt unterrichtet, darunter 16 Erstklässler. Stand jetzt. Denn Verwaltung und Politik wollen Wege finden, um auch dort die Mindestzahl zu erreichen. Eine Möglichkeit wurde auf der Kulturausschuss-Sitzung am Montagabend genannt. "Die Kinder aus Reddeber gehen bis 2015 in Heudeber zur Schule", erklärte die Schulamtsleiterin. Danach werden sie in einer der städtischen Einrichtungen beschult. Das könnte auch Silstedt sein. Dann würden im Sommer 2017 sechs weitere Kinder ihre Zuckertüte in der "Calvör" empfangen.

Karl-Heinz Mänz, CDU-Bürgermeister des Ortsteils, wollte sich am Montag nicht weiter zu den Zahlen äußern. Er kündigte allerdings eine Sondersitzung des Ortschaftsrates in der Schul-Aula an, zu der die übrigen Ortsräte, Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeiter sowie Lehrerschaft und Eltern eingeladen werden. "Dort werden wir unsere Gedanken zur Schulentwicklung äußern", so Mänz. Die Sitzung soll Mitte Juli stattfinden. Ein genauer Termin wird auf der Ortschaftsratssitzung am heutigen Mittwoch um 19 Uhr in der Geschäftsstelle bekannt- gegeben.

Detlef Brozio, Mitarbeiter der Harzer Kreisverwaltung und dort für die Schulen zuständig, erläuterte auf der Sitzung des Kulturausschusses den weiteren Prozess. "Generell soll es keine Ausnahmeregelungen geben", betonte er. Auch falle der Harzkreis nicht in die Sonderkategorie der wenig bewohnten Regionen. Zum Ärger von Brozio: "Der Harzkreis wurde als Ganzes erfasst. Dabei gibt es auch bei uns dünn besiedelte Gebiete." Als solches zählt eine Region, in der weniger als sieben Einwohner pro Qua-dratkilometer wohnen. Das sei laut Brozio beispielsweise im Nord- und Oberharz der Fall. Doch mit den größeren Städten Wernigerode, Quedlinburg und Halberstadt zusammengerechnet, erreicht der Harzkreis die Untergrenze nicht.

"Wir haben alles versucht, um für diese Gebiete Sonderregelungen herauszuhandeln", sagte Brozio. "Aber ohne Erfolg." Um auch die kleineren Schulen im ländlichen Raum erhalten zu können, empfahl der Kreisamtsmitarbeiter den "Blick über den Tellerrand". Als Beispiel nannte er Schüleraustausche zwischen Städten und Dörfern, um auch dort die Mindestzahlen zu erreichen.

Wie die Stadtverwaltung die Problematik in Silstedt lösen will, muss sie im Herbst gegenüber dem Kreis erläutern. Dazu gehört auch eine "kritische Betrachtung" des Bauzustandes. Dazu müssen Fragen nach Sanierungsbedarf, bereits getätigten Investitionen und den Raumgrößen beantwortet werden. Auch das könnte ausschlaggebend für eine Entscheidung sein.

Der Kreistag muss bis zum 31. Januar 2014 darüber befinden, welche Einrichtungen erhalten und wie unter Umständen die Schuleinzugsgebiete verändert werden.