Dieser Streit um einen Baum beschäftigte längst Heudebers Ortschaftsrat, der aus Sicherheitsgründen einer Fällung zugestimmt hatte. Auch das Amtsgericht war bereits fünf Jahre damit befasst. Eigentlich sollte der Nussbaum am Sonnabend umgesägt werden. Anwohner verhinderten das in letzter Sekunde. Heute um 16 Uhr wird dessen Schicksal bei einem Lokalermin besiegelt.

Heudeber. Genau genommen hätte er den Titel "Baum des Jahres" verdient. Und das schon seit 1999 aber auch nur in Heudeber. Das Thema beschäftigt nicht nur Ortsbürgermeister Hartmut Busch schon dermaßen lange, dass er darüber längst die Geduld verloren zu haben scheint. Noch am Freitagmorgen war sein kurzer Kommentar dazu: "Mir reichts jetzt. Der Baum kommt am Wochenende weg. Basta!"

Da steht er aber immer noch und verteilt auch an diesem Montagmorgen munter seine Blätter über Straße und ein angrenzendes Privatgrundstück. Dort wohnt einer derjenigen, die den Baum am liebsten schon vor Jahren umgesägt hätten. Allerdings hat er sein schmuckes Häuschen dorthin gebaut, wohl wissend, dass unmittelbar vor dem Grundstück besagter Nußbaum steht. Und das schon seit 60 Jahren. Ein Argument, mit dem die in der Mehrheit befindlichen Baumschützer nur zu gern aufwarten. Aber das auch schon seit vielen Jahren. Ende letzter Woche sahen sie ihr verbissen geführtes Engagement durch die zuständige Gemeinde Nordharz bereits in Gefahr. Auf eiligst angebrachten und ebenso schnell wieder abgerissenen Zetteln am Baum wurde gebeten, wegen der für Sonnabend geplanten Fällung den Platz nicht mit parkenden Autos zu verstellen.

Besagter Anwohner bekundet seinen Unwillen über das viele Laub auf dem kurzgeschorenen Rasen auf seine Weise.

Er hat extra ein Zaunfeld ausgebaut und karrt die eingesammelten Blätter vor sein Grundstück auf die Straße, direkt neben den Stamm. Beifall von einem Ehepaar gegenüber. Auch diese Anwohner haben mit den Nüssen offenbar nichts am Hut, noch viel weniger mit dem anfallenden Laub.

In einem letzten verzweifelten Brief wendet sich Carmen Buchold noch am Donnerstag an Nordharz-Bürgermeisterin Hannelore Striewski: "Mit Entsetzen habe ich erfahren, dass der Baum am 30.10. gefällt werden soll. Ich wohneseit meiner Geburt in der Straße und habe hier schon als kleines Kind gespielt und im Herbst Nüsse gesammelt". Und weiter: "Der Baum ist durch eine Fachfirma gesundgeschnitten worden. Von ihm geht keine größere Gefahr aus als von jedem Anderen. Der Baum sieht gesund aus. Auch kann von einem Pilzbefall keine Rede sein. Geben Sie dem Baum bitte noch eine Chance. Er ist längst zum Wahrzeichen unserer Straße geworden".

Hannelore Striewski zog daraufhin sofort die Reißleine. Sie stoppte noch am Freitagmittag kurzerhand die Fällaktion: "Ich bin doch die Letzte, die die Abholzung eines gesunden Baumes befürworten würde. Aber sollte tatsächlich eine Gefahr von ihm ausgehen, gäbe es für uns keinerlei Ermessensspielraum. Dann müsste er weg".

Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises wollen sich heute um 16 Uhr in der Gartenstraße von der Notwendigkeit einer Fällung überzeugen. Insofern besteht noch für einige Stunden eine gewisse Restchance für jene 15 Anwohner, die besagtes Schreiben unterzeichnet hatten und die den Nussbaum, an dem sie so hängen, unbedingt retten wollen.

Wie auch immer entschieden wird, haben Außenstehende in Heudeber seit etlichen Jahren die Vermutung, dass der Baum in einer Art Stellvertreterkrieg herhalten muss für einen handfesten Nachbarschaftsstreit, den es auch ganz ohne Baum gegeben hätte. Allerdings kann diesen die Gemeinde Nordharz auch nicht schlichten. Da spielt es praktisch keine Rolle, ob sie sich nun in Abstimmung mit den Fachleuten heute Nachmittag für oder gegen die Fällung entscheidet.