Wernigerode. "Aus tiefstem Herzen fühle ich mich als Bürgerin dieser wunderbaren Stadt", sagte eine sichtlich bewegte Huong Trute im Festsaal des Alten Lyceums. Dort wurde sie gestern Abend im Beisein des vietnamesischen Botschafters und vieler Gäste mit dem Bürgerpreis der Wernigeröder Hospitälerstiftung ausgezeichnet. Geehrt werde sie vor allem wegen ihres besonderen Engagements für gelebte Intergration vietnamesischer Mitbürger und für die Vermittlung der Kultur ihres Heimatlandes in unserer Stadt, so Andreas Heinrich, Vorsitzender der Stiftung.

In der Nähe von Hanoi als Kind einer Arbeiterfamilie geboren, erlebte Huong Le Thanh schon in jungen Jahren die Grauen des Krieges. Mit 18 Jahren reiste sie nach Neubrandenburg, um die deutsche Sprache zu erlernen. Danach studierte sie in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) Ingenieurs-Pädagogik. Weil sie in Vietnam nur als Dreherin hätte arbeiten können, bewarb sie sich als Sprachvermittlerin in Wernigerode und kehrte 1987 nach Deutschland zurück.

Nach der Wende wurde sie arbeitslos. "Aber Huong wäre nicht Huong, wenn sie nicht Abhilfe gewusst hätte", so Jutta Blumenau-Niesel von der Blumenau-Gesellschaft in ihrer Laudatio. Sie eröffnete erst in Hasselfelde und später dann auch in Wernigerode ein asiatisches Restaurant, in dem sie Esskultur, Ambiente, Lebensart, Kleidung und Festlichkeiten ihrer Heimat bekannt machte - "in nahezu perfekter deutscher Sprache", wie die Laudatorin anerkennend bemerkte.

Nach wie vor vermittelt Huong Trute ehrenamtlich als Übersetzerin zwischen Behörden und Landsleuten und hilft ihnen, in Wernigerode heimisch zu werden. Auch engagiert sie sich im Landesnetzwerk der Migrationsorganisationen. Menschen in Not sowie das Kinderheim Kreuzberg unterstützt sie seit Jahren mit Spenden. "Ich helfe dort, wo ich die Notwendigkeiten sehen", so die Geehrte. "Nicht, um Dank zu erhalten, sondern eben nur, um zu helfen." Ihr Preisgeld von 1000 Euro behält Huong Trute übrigens nicht für sich. Eine Hälfte geht an den Rundfunk-Jugendchor Wernigerode. Die andere Hälfte spendet sie einem Chor in Hanoi, "mein Beitrag für ihre Reise nach Wernigerode im nächsten Sommer".