Auf heidnische Bräuche geht es vermutlich zurück, dass jeden ersten Weihnachtstag in aller Hergottsfrühe im Dunkeln Weihnachtsmänner unerkannt durch Altenbrak/Treseburg ziehen. Mit Schellenklang und Peitschenknall werden böse Geister verjagt. Und das seit 145 Jahren oder sogar mehr.

Altenbrak. Jedes Jahr wieder sticht der Bodetalort Alten-brak aus dem allgemeinen Veranstaltungsreigen der Weihnachtszeit heraus.

Nicht mit einem Markt, zu dem fast alle Orte einladen, nicht mit einer Seniorenfeier und auch nicht mit einer Waldbescherung, wie es sie in Tanne oder Trautenstein gibt. Nein.

Altenbrak ist vermutlich der einzige Ort der Region mit einem Weihnachtsbrauch der bis in heidnische Zeiten zurückreicht. Seit alters her laufen Männer mit schweren Schellen und Peitschen am ersten Weihnachtstag ab 5.45 Uhr durch den dann noch dunklen Ort – um mit Geläut und Peitschenknall böse Geister zu verjagen und das Fest für alle Bewohner hörbar zu machen.

Erst wenn die Menschen dann langsam erwachen, sich über Geschenke und Fest in ihren Familien freuen, setzen sich die dann abgekämpften Weihnachtsmänner auch zu einem gemütlichen Frühschoppen zusammen. Und das jetzt seit 145 Jahren. Mindestens.

Denn ganz genau fassbar ist dieses Datum nicht. Aber Aufzeichnungen und Erklärungen älterer Einwohner aus dem 19. Jahrhundert bestätigten schon bei Nachforschungen Anfang der 60er-Jahre das hohe Alter dieses merkwürdigen Brauches. Er wird in Verbindung gesehen mit den besonderen zwölf Nächten oder "Gleichen" zum Jahreswechsel, die verschiedentlich auch als Rauhnächte oder Glöckelnächte bekannt sind. Oder mit dem Weihnachts- und Silvesterschießen in Berchtesgaden.

1965 beschloss Altenbraks Weihnachtsmännerverein daher auf Grundlage der vielen Zeugnisse, die Gründung auf 1865 festzulegen. Damit steht in diesem Jahr auch die 145-Jahr-Feier dieses Brauchtums an. Dazu kommen die 40 Mitglieder des seit der Wende von Hans-Jürgen Mros geführten Weihnachtsmänner-Vereins jetzt am Sonnabend, 27. November, um 19 Uhr im Gasthaus "Weißes Ross" mit geladenen Gästen zusammen.

Neben den Weihnachtsmännern und ihren Partnerinnen werden Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski und Vertreter der Vereine erwartet. Vor allem vom Schützenverein "Weiße Birke", denn mit dessen bereits geweihter Fahne soll die Vereinsfahne der Weihnachtsmänner ebenfalls zeremoniell geweiht werden. Eine Rückschau vom Vereinschef und die Ehrung verdienter Weihnachtsmänner steht ebenfalls an.

Zuvor stellen die Vereinsmitglieder aber feierlich – auch das gehört schon lange zur Tradition – am Sonnabend den Weihnachtsbaum für Altenbrak auf der Bodewiese auf. Außerdem starten "Nikolaus" Sebastian Heumann und "Gehilfe" Marten Schäfter am 6. Dezember zur Bescherung aller Kinder des Ortes zwischen ein und sechs Jahren. Die Arbeit ist überschaubar, in diesem Jahr sind vier Kinder dran. Zum Vergleich: 1967 waren 23 Knirpse in Altenbrak zu beschenken gewesen.

Die verbreitete Freude und der Stolz auf den alten Brauch aber sind damals wie heute gleich geblieben – wie der Haupteinsatz des Vereins:

Auch diesen 1. Weihnachtstag greifen die Vereinsfreunde also zu Peitsche und Schellen, um es früh im Dunkeln in Altenbrak und Treseburg schellen und knallen zu lassen. Erst dann ist es in den Bodetalorten so richtig Weihnachten.

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