Im Februar 2011 wird der Danstedter Jürgen Beckmann 17 Jahre die Kirchenglocken geläutet haben. Per Hand, versteht sich. Auch die große Uhr im Turm von St. Udalrici wird von ihm zuverlässig aufgezogen. Er selbst funktioniert wie ein Uhrwerk. Ob im Geflügel-, Schützen- oder Mühlenverein – Jürgen Beckmann ist aus vielerlei Gründen ein Danstedter Original.

Danstedt. Wenn in Danstedt eine Konfirmation, Hochzeit oder Beerdigung ansteht, erfährt es Jürgen Beckmann meistens als erster. Darauf ist der leicht behinderte Mann stolz. Aber das hat auch seine Gründe.

"Die gute Seele im Dorf", wie er von vielen bezeichnet wird, mischt nicht nur überall mit und hilft, wo er kann. Er ist der Küster von St. Udalrici. Alle vier Tage, jeweils sonnabends und mittwochs, muss Beckmann in dem eiskalten Turm die Kurbeln schwingen, um die Kirchenuhr aufzuziehen. Nach 17 Jahren sind ihm die Abläufe in Fleisch und Blut übergegangen. Eines der Gewichte wird 33 Mal aufgezogen. Es ist jenes, welches jeweils die Viertelstunde akustisch anzeigt. Während die eigentlichen Uhrzeiger 70 Mal aufgezogen werden müssen.

"Silvester habe ich das erste Mal seit 17 Jahren frei"

Alle 14 Tage läuten Dan-stedts Kirchenglocken zum Gottesdienst. Und das jeden ersten und dritten Sonnabend im Monat. Auch dann ist es Beckmann, der im Turm per Hand seinen Dienst versieht. Die normale Uhr dabei immer im Blick habend. Um 16.45 Uhr legt der Küster an den Seilen für fünf Minuten los. Dann folgt eine genauso lang andauernde Pause, und daraufhin wird nochmals für drei Minuten geläutet. Danstedts Glöckner sitzt kurz darauf zwischen den anderen Gläubigen ein paar Etagen tiefer auf der Kirchenbank. So ist es seit dem 6. Februar 1994, nachdem er einmal den vorherigen Küster kurz vertreten hatte.

Daraus ist dann ein fester Job geworden, der dem Mann sichtlich Freude bereitet. Nur die ersten zwei Jahre sei es ihm ganz schön schwer gefallen: "Seitdem macht es mir jedoch Spaß".

Steht eine Beerdigung an, wartet der Küster mit dem Läuten bis er unten vom Friedhof einen Anruf der Pfarrerin per Handy bekommt. Dann setzt er die Glocken auf den Punkt in Bewegung. "Sie braucht mit ihrem Gedenken an den Verstorbenen immer sehr viel länger", weiß Beckmann. "Andere Grabredner hören pünktlich nach 20 Minuten auf."

Er gilt als außerordentlich hilfsbereit im Ort. Wo es mit anzupacken gilt, lässt er sich nicht lange bitten. Und seine tatkräftige Unterstützung wird im Geflügelzuchtverein genau so hoch geschätzt, wie an dem Wochenende, wenn Danstedts historische Mühle im Mittelpunkt steht. Früher als es noch einen Hausarzt in Danstedt gab, hat er mit seinem italienischen Dreirad "Alberto" Medikamente ausgefahren. Unterdessen versorgt er mit diesem motorisierten Gefährt das halbe Dorf mit gelben Säcken oder fährt für andere den Grünschnitt weg. Jürgen Beckmann verblüfft immer wieder mit einem erstaunlichen Gedächtnis und Detailwissen. Ortsbürgermeister Armin Lidke verriet er neulich, dass dieser 2011 genau zehn Jahre sein Amt bekleidet. Er hat das selbst nicht mehr so genau gewusst und es daraufhin überprüft: Es hat gestimmt.

Weihnachten wird der 51-Jährige wieder Dienst im Kirchturm schieben. Und zwar Heilig Abend genauso wie am 2. Feiertag. "Aber Silvester habe ich das erste Mal seit 17 Jahren frei." Auf die Frage, was er sich denn zu Weihnachten wünscht, meint er: "Nichts, weil ich den Leuten ja auch keine Geschenke machen kann."

 

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