Magdalene und Horst Stagge sind seit vielen Jahren passionierte Hobbygärtner. Zwar liegt auch ihr Kleinod in Silstedt derzeit in "tiefem Winterschlaf". Doch eine lange Gartenpause gönnt sich das Rentnerehepaar nicht. Harzer Volksstimme besuchte die beiden Wernigeröder.

Wernigerode/Silstedt. Wenn die Tage frostig werden und sich eine dicke Schneedecke über all das legt, was im Sommer geblüht und gegrünt hat. Dann ist Winter, und dann kann auch der passionierte Kleingärtner seine "grünen Daumen" gerade sein lassen.

Nicht so Horst Stagge aus Wernigerode. "Zwischen Weihnachten und Silvester schneide ich die Weinreben. Und meine Tomaten ernte ich noch im Januar." Der 68-Jährige ist Gärtner mit Leib und Seele – und das schon seit mehr als 40 Jahren. "1964 haben meine Frau Magdalene und ich den Garten meiner Mutter übernommen", erinnert der Rentner sich: 400 Quadratmeter am Schleifweg. "Der Garten war unser zweites Zuhause, unser Ein und Alles." Bis vor knapp zwei Jahren. Da mussten die Stagges ihr Kleinod aufgeben. "Wegen der Bauarbeiten in dem Gebiet", sagt Horst Stagge.

Ganz ohne das geliebte Hobby – das ging auch nicht. "Deshalb hat uns unsere Tochter einen Garten in Silstedt gekauft." 860 Quadratmeter – eine große Aufgabe für den Rentner und seine Frau. "Der Garten lag brach, wir haben ein ganzen Jahr gebraucht, um ihn wieder urbar zu machen." Mit Erfolg. Schon im vergangen Frühjahr blühte der neue Garten der Stagges in alter Pracht – im wahrsten Sinne des Wortes. "Wir haben einen Großteil unserer Tulpenzwiebeln ausgegraben und in Silstedt wieder in die Erde gesteckt." Sein Schwager hatte ihm vor Jahren an die 1000 Zwiebeln von der Bundesgartenschau in Potsdam mitgebracht. "Es ist herrlich, wenn unsere Tulpen im Frühling blühen", sagt Horst Stagge. Oft seien Leute sogar am Zaun stehen geblieben und hätten gestaunt.

"Lust und Liebe am Gärtnern"

Aber nicht nur Tulpen – Narzissen, Rosen, Stiefmütterchen, Astern – bis in den Herbst hinein blühte es in alle Farben und Formen im Garten den Ehepaars. "Blumen sind eben meine Welt", sagt Magdalene Stagge. Auf einem Dorf an der Ostsee aufgewachsen, habe sie sich schon früh für Pflanzen aller Art interessiert. Und irgendwann packte sie die "Lust und Liebe am Gärtnern" – wie auch ihren Mann. "Frühling, Sommer wie Herbst – früh um 8 geht es raus in den Garten –und das fast täglich. Außer es regnet." Auf ihre Ernteerfolge sind die Stagges besonders stolz. Kartoffeln, Kohl, Tomaten, Kohlrabi, Weihnachtrauben – "einmal habe ich 60 Gurken von zwei Pflanzen geerntet, und die waren richtig lecker." Auch die Tomate, die fast ein Kilo wog, ist eine bleibende Erinnerung.

Jetzt, da der Garten im verdienten "Winterschlaf" liegt, gönnt sich das Paar, das im nächsten Jahr Goldene Hochzeit feiert, wenigstens eine kleine Pause von seinem Silstedter Kleinod. Untätig sind die Stagges dennoch nicht. "Im Winter gehe ich einem anderen Hobby nach – meinen Laubsäge-Arbeiten." So habe er zum Beispiel angefangen, eine riesige Weihnachtspyramide zu bauen. "Zum nächsten Fest möchte ich sie fertig haben", so der Rentner.

Und was hat es nun mit den Tomaten im Winter auf sich? Horst Stagge lächelt und lüftet sein Erfolgsgeheimnis. "Das sind Ableger meiner Pflanzen, die ich im Herbst in Töpfe gepflanzt und in der Wohnung aufgezogen habe."