Wernigerode l Gab es Widerstand gegen den Nationalsozialismus im Harzkreis? Dieser Frage geht der Förderkreis der Wernigeröder Mahn- und Gedenkstätte des Geschichts- und Heimatvereins in seiner jüngsten Broschüre "Widerstand gegen den Nationalsozialismus 1933 - 1945 im Harzkreis. Eine Spurensuche" nach.

Am Dienstag wurde das Werk Landrat Michael Ermrich übergeben. "Es ist ein Versuch aufzuzeigen, wie sich Einzelne gegen die Ungerechtigkeiten der damaligen Zeit gewehrt haben", so Matthias Meißner vom Förderkreis. Von einem offenen Widerstand gegen das Nazi-Regime könne allerdings nicht gesprochen werden. "Wie der Titel es schon sagt, gab es nur Spuren davon", betonte Meißner. Doch auch an diese müsse erinnert werden, damit sich die Geschichte nicht wiederhole.

Zivilcourage gegenüber jüdischen Familien, das heimliche Entfernen eines Hakenkreuzes und mehr - der Förderkreis beschränkte sich mit seiner Spurensuche nach Widerstand auf einzelne Regionen im Harzkreis wie Wernigerode, Blankenburg und Ilsenburg. Mehrere Autoren haben an der 80-seitigen Broschüre mitgewirkt, unter anderem Peter Lehmann und Gerd Ilte.

Tagebuch und Brief als Quelle

"Als die Aufgaben im Förderkreis verteilt wurden, habe ich versucht, mich zu drücken", gab Peter Lehmann schmunzelnd zu, der sich mit dem Leben Gustav Petri (1888-1945) beschäftigt hat. "Ich dachte, die Arbeit wäre in zwei bis drei Wochen getan", erinnerte er sich zurück. Weit gefehlt: Mittlerweile setze sich Lehmann seit über einem Jahr mit dem Namensgeber der Wernigeröder "Gustav-Petri-Straße" auseinander. Der Aufsatz in der Broschüre sei nur ein Vorabdruck für eine umfangreichere Arbeit, die er für das Stadtarchiv anfertige. 32Tagebücher und zahlreiche Briefe müssen ausgewertet werden. "Die Handschrift ist nicht ganz einfach zu lesen", berichtete Lehmann und fügte augenzwinkernd hinzu: "Die Arbeit macht aber trotzdem Spaß."

Dies konnte Gerd Ilte nur bestätigen. Der Wernigeröder hat sich für die Broschüre mit dem Leben von Elisabeth von Gustedt (1885-1978) beschäftigt: Eine Frau, die sich von einer begeisterten Anhängerin der Nationalsozialisten zu einer Gegnerin des Regimes wandelte. Die Schriftstellerin gründet eine Widerstandsgruppe, überlebte Konzentrationslager und Zuchtlager. Ilte: "Sie hielt immer wieder aus und kämpfte weiter gegen die Nazis."

Taten und Schicksale, an die sich unbedingt erinnert werden müsse, erklärte auch Michael Ermrich. "Es ist ermutigend, dass es hier Spuren des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus gegeben hat und nicht alles Gleichmacherei war", so der Landrat. Gleichzeitig appellierte er an die Gesellschaft von heute: "Wir brauchen Leute, die sich kritisch mit ihrem Umfeld auseinandersetzen."

Die Menschen sollten endlich aus ihrer Gleichgültigkeit aufwachen, so auch Meißners Standpunkt. Der Förderkreis der Mahn- und Gedenkstätte arbeite deshalb auch schon an seiner nächsten Broschüre zum Nationalsozialismus. Dabei stehen Zeitzeugenberichte im Vordergrund.

 

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