Heute wird Punkrock-Legende Patti Smith 65 Jahre alt. Ein Anlass für die Harzer Volksstimme, eine waschechte Rock-Frau der Region vorzustellen. Karolina Blasek steht mit "black/rosie" und "AniLorak" auf der Bühne.

Wernigerode l "Wer war nochmal Patti Smith?", scherzt Karolina Blasek. Nein, die Musikerin kann sehr wohl etwas mit der "Godmother of Punk" anfangen. Inspiriert hätten sie allerdings andere Künstler wie Melissa Etheridge und Janis Joplin. "Und nicht zu vergessen Tina Turner", fügt die 33-Jährige hinzu. Schon als junges Mädchen sei sie von der Sängerin begeistert gewesen.

Heute höre Karolina Blasek auch mal Lady Gaga. "Ich bin der Meinung, dass sie im Inneren eine Rockerin ist." Das "non plus ultra" ist und bleibe für sie aber AC/DC. Kein Wunder: Die Wernigeröderin ist ja auch Mitglied bei "black/rosie" - einer AC/DC-Tribute-Band.

Fünf Frauen, die sich voll und ganz dem Rock verschrieben haben - seit 2006 steht Karolina Blasek mit "black/rosie" auf der Bühne. "Es ist schwierig, Frauen im Rock\'n\'Roll-Bereich zu finden", weiß die Sängerin. Viele lehnen Rockbands mit weiblicher Besetzung strikt ab. Und großteils hätten Frauen auch einfach kein Interesse für Rockmusik.

Das mache sich bei Auftritten bemerkbar. Viele würden zunächst Zweifel hegen, wenn die fünf Frauen auf die Bühne stürmen. "So nach dem Motto: Frauen wollen AC/DC singen? Das wird doch nichts!", zitiert die Musikerin ein ihr nur zu bekanntes Vorurteil. Nach den ersten Liedern wehe aber meist ein anderer Wind. Die Leute kriegen große Augen und überhäufen die Mädels mit Lob. "Du bist ein Kerl!", klingt in Karolina Blaseks Ohren nicht als Beleidigung.

"Bei Pop und Schlagern krempeln sich meine Zehennägel hoch."

Sie springt, klettert, krabbelt. Und nicht zu vergessen: Sie singt mit einer beeindruckenden Stimme. "Auf der Bühne bin ich eine Rampensau", sagt Karolina Blasek über sich selbst. Sie sei bei Auftritten ein völlig anderer Mensch - "als wenn ein Schalter umgelegt wird". Aber genau diesen Kick liebe sie.

Trotz ihres Erfolges ist die Sängerin auf dem Boden geblieben. Marotten, wie vielen Musikern nachgesagt wird, habe sie nach eigener Aussage nicht. Wichtig ist nur: "Ich brauche eine halbe Stunde vor dem Auftritt meine Ruhe, um mich warm zu machen."

Überhaupt sei sie im Gegensatz zu manchem Musiker ziemlich "brav". "Ich nehme keine Drogen und ich rauche nicht", so die Künstlerin. Ein Gläschen Wein oder ein frisch gezapftes Bier gebe es auch erst nach dem Auftritt. "Das beeinträchtigt sonst meine Stimme." Nicht immer hatte sich die Musikerin dem Rock verschrieben. "Ich hab früher eigentlich alles gehört." Die Zeiten seien aber endgültig vorbei. "Bei Pop und Schlagern krempeln sich jetzt meine Zehennägel hoch."

Eigentlich ist Karolina Blasek gelernte Bäckerin, hat sogar einen Meisterbrief. Nach Obstkuchen und Cremetorten steht ihr der Sinn allerdings nicht mehr. Das letzte Mal mit Rührschüssel und Teigrolle hantiert habe sie vor etwa zehn Jahren. Seit 2007 verdient sie mit "black/rosie" und "AniLorak", im Duett mit ihrem Freund Kai-Uwe Scheffler, ihren Lebensunterhalt. Einfach sei es in der Musikbranche allerdings nicht. "Es macht einen schon fertig, wenn man nicht weiß, wie man über den Monat kommt." Deshalb gehe es auch nicht immer ohne die Unterstützung der Eltern. An ihrem Leben möchte sie trotzdem nichts ändern. "So wie ich jetzt lebe, macht es mir Spaß."