Weil Grünschnitt im Herbst nicht mehr verbrannt werden darf, erlebt der Wertstoffhof in Wernigerode zurzeit einen wahren Ansturm von Kleingärtnern. Dennoch regt sich auch Unmut.

Wernigerode l Lange Warteschlangen vor dem Wertstoffhof in Wernigerode. Oft reicht die Autokolonne bis zur Kreuzung Gießerweg. Weil laut einer neuen Verordnung der Kreisverwaltung Gartenabfälle in einigen Orten des Harzkreises - darunter auch Wernigerode - im Herbst nicht mehr verbrannt werden dürfen, geben sich Kleingärtner auf dem Wertstoffhof sprichwörtlich die Klinke in die Hand.

Freitagmittag und Sonnabendvormittag herrsche besonders viel "Action", schätzt Bauhofchef Torsten Friedrich ein, der für den Wertstoffhof zuständig ist. "Ob verwelktes Laub oder Baum- und Strauchschnitt - die Möglichkeit, hier bei uns Gartenabfälle zu entsorgen, wird sehr gut angenommen." Sechs Container, jeder mit einem Fassungsvermögen von 12,6Kubikmetern, werden jeden Abend von Mitarbeitern der Entsorgungswirtschaft Harz (enwi) abtransportiert. In den Jahren zuvor hätten im Herbst täglich drei Container ausgereicht. Ärger über die neue Verordnung habe er noch nicht bemerkt. "Die meisten Leute sind einfach nur froh, dass sie ihre Abfälle bei uns loswerden."

Das sieht Michael Dietze als Chef der Entsorgungsbehörde ganz ähnlich - zumal sich seine Anstalt auf die neue Situation eingestellt hat. "Das Verbrennverbot hat uns nicht kalt erwischt", so Dietze, der dabei auf Erfahrungen bauen kann. "Als der Landrat des früheren Kreises Quedlinburg vor Jahren von einem Tag auf den nächsten ein Gartenfeuerverbot aussprach, hat uns das auch nicht umgeworfen."

Sicherlich werde momentan mehr Grünschnitt abgegeben, "doch wir kommen hinterher", versichert Dietze. Nicht nur die Wertstoffhöfe, auch zahlreiche Gartenanlagen seien mit Containern ausgestattet worden. "Wir stehen in Kontakt mit den Vorständen der Gartensparten. Ist ein Container schneller als erwartet voll, wird er umgehend von uns geleert." Zudem werden in den nächsten Wochen Straßensammlungen angeboten.

Dennoch regt sich Unmut unter den Hobbygärtnern. "Ich war in diesen Tagen schon 19Mal beim Wertstoffhof, um grüne Säcke abzugeben", sagt Leser Jochen Hänsch. "Mein Auto stößt sicher mehr Abgase aus als ein Gartenfeuerchen. Ich frage mich wirklich, ob dieses Verbot sinnvoll ist." Zudem sei es schwierig, Äste kleinzuschneiden und in Säcken zu verpacken. Im nächsten Jahr wolle er es seinem Nachbarn gleichtun. "Dann bewahre ich den ganzen Grünschnitt vom Herbst auf und mache im Frühjahr ein großes Feuer. Aber ob das Sinn der Sache ist?"