Die Hülle für das Mammendorfer "Steinhaus" steht. Ende Oktober soll das Informations- und Begegnungszentrum, einen Steinwurf vom Tagebau entfernt, eröffnen. Die Bauarbeiten liegen im Zeitplan.

Mammendorf l Der Rohbau für das "Steinhaus" ist fertig. Sind die Fenster eingebaut, werden Gewerke wie Elektriker, Heizungs- und Trockenbauer anrücken. Gestern morgen war Bauberatung.

"In der nächsten Woche wird der Boden abgedichtet. Die Fenster werden eingebaut, dann geht es mit dem Innenausbau zügig voran", erklärte Janett Deicke vom Bauamt der Hohen Börde nach der Beratung im zukünftigen Ausstellungs- und Begegnungsraum. Nach derzeitigem Stand kann das Ziel der Fertigstellung bis Ende Oktober gehalten werden. "Da spricht nichts dagegen", betonte Deicke. Allerdings müssten die Absprachen des Zulieferverkehrs mit den Straßenbauern am Darrweg sorgfältig erfolgen. Die Pflasterarbeiten am Darrweg prägen in den kommenden Wochen das dortige Baugeschehen. Mit dem materialintensiven Rohbau sei aber das Gröbste geschafft.

Einzigartige Funde sollen in der Ausstellung funkeln

Die Grundrisse des "Steinhauses" lassen die zukünftige Nutzung erkennen. Mittelpunkt ist ein multifunktionaler, 70Quadratmeter großer Raum, der als Ausstellungsfläche und gleichzeitig als Begegnungsstätte genutzt werden soll.

Im "Steinhaus" will die Gemeinde geologische und prähistorische Funde aus dem nur einen Steinwurf entfernten Hartgesteintagebau präsentieren. Der Steinbruchbetreiber - die Cronenberger Steinindustrie (CSI) - hat seine Unterstützung zugesagt. Außerdem wollen Eichenbarleber Mineralien- und Fossiliensammler wie Alwin Laue, Alan Morris und Harry Witzke die Sammlung des "Steinhauses" bereichern.

Seit dem Abbau vulkanischen Gesteins im Jahr 1997 hat die CSI einzigartige Gesteine und Mineralien sowie beeindruckende Fossilien im Steinbruch zu Tage gefördert. Archäologische Grabungen und Untersuchungen haben umfangreiche Erkenntnisse u¨ber die fru¨hgeschichtliche Besiedlung vor mehr als 4 000 Jahren ans Licht gebracht. So entdeckte der Eichenbarleber Bodendenkmalpfleger Alwin Laue in Mammendorf ein Grab aus der Bronzezeit. Im Sommer 2012 hatten britische Studenten Siedlungsgruben aus dem U¨bergang von der Bronze- zur Eisenzeit (600 v. Chr.) und Ho¨ckergra¨ber der Aunjetitzer im Steinbruch freilegt.

Multifunktionales Konzept ermöglicht Begegnungen

Die Gemeinde Hohe Börde und die Ortschaft Eichenbarleben halten diese Funde für etwas ganz Besonderes in der ganzen Börde und wollen deshalb mit dem "Steinhaus" einen weiteren touristischen Anziehungspunkt schaffen, wie dies bereits mit Niederndodeleber Holunderkontor, dem Groß Santersleber Hopfenhaus oder dem Ackendorfer Dorfmuseum gelungen ist.

Neben der touristischen Bedeutung soll das "Steinhaus" auch Anlaufstelle für die Mammendorfer werden. Die Einwohner können den Ausstellungsraum für Seniorentreffs oder die Kinder- und Jugendarbeit nutzen. Vereinen und Privatpersonen steht der Ausstellungsraum für Sitzungen und Feiern zur Verfügung. Die neue Begegnungsstätte ist auch Ausgleich für das von Gemeinde verkaufte marode Kulturhaus.

Neben dem zentralen Ausstellungsraum sind moderne Sanitäranlagen, eine Teeküche sowie ein Lagerraum in das "Steinhaus" integriert. Die Außenwand soll markant mit einer Steinwand in königspurpur gestaltet werden. Königspurpur ist die Farbe des in Mammendorf geförderten Hartgesteins Andesit.

Die Kosten für das Vorhaben belaufen sich auf insgesamt 180000 Euro. Davon fließen 107000 Euro aus dem Topf des EU-Programms "LEADER", das vor allem die Entwicklung und die Verbesserung der Lebensqualität im ländlichen Raum unterstützt.