Den Wolmirstedter Schützenverein von 1863 gibt es seit 150 Jahren. Das wurde am Sonnabend mit einem großen Schützenfest gefeiert. Traditionell aber begannen die Jubiläumsfeierlichkeiten mit dem Empfang des Bürgermeisters.

Wolmirstedt l "Ich freue mich sehr, dass wir einen so traditionsreichen Verein haben, der altes Volksgut mit Herzblut pflegt", sagte Bürgermeister Martin Stichnoth zum Empfang der Vorsitzenden der Schützenvereine, die mit den Wolmirstedtern seit vielen Jahren freundschaftlich verbunden sind.

Mit 150 Jahren ist der Wolmirstedter Schützenverein von 1863 mit großem Abstand der älteste Verein in der Ohrestadt. Auch darum sollte der Fortbestand gesichert werden. Martin Stichnoth wünschte deshalb zum Jubiläum ideologische und finanzielle Unterstützung. Die Stadt selbst hat in diesem Jahr für eine vernünftige Heizung im Schützenhaus gesorgt.

Im Schlosskeller war an historischer Stätte die Tafel festlich gedeckt. Hier fand 1990 die Neugründung des Vereins und die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages mit dem Verein aus Braunschweig statt. Ehrenvorsitzender Kurt Flohr erinnerte sich, dass in dem altehrwürdigen Gemäuer zu DDR-Zeiten, als Schützenvereine verpönt waren, heimlich Schießübungen mit der Pistole stattfanden. Später sei dann durch die GST auf dem großen Boden Luftgewehrschießen organisiert worden. Erst 1975 wurde am Bleicher Weg die Schießsportanlage ausgebaut. Nur ein einziges Mal sei in dieser Zeit ein Schützenfest gefeiert worden, erzählte Flohr. "SED-Funktionäre waren sehr erbost, nannten es kleinbürgerlich und dekadent."

Nach der Wende waren die Wolmirstedter in Sachsen-Anhalt der erste Schützenverein, der sich wiedergründete und in den Jahren bei nationalen und internationalen Schießsportvergleichen immer sehr erfolgreich war. Auch deshalb gab es später im Katharinensaal eine wahre Auszeichnungsflut. So überreichte Landesbauminister Thomas Webel (CDU), der in seiner Zeit als Landrat dem Verein hilfreich zur Zeit stand, zum Jubiläum eine Ehrenschleife. Die gleiche Würdigung nahm der Innenminister des Landes Sachsen-Anhalt, Holger Stahlknecht (CDU), vor. Außerdem übergab er die Ehrenplakette des Bundespräsidenten. In die lange Schlange der Gratulanten reihten sich mit Gastgeschenken auch die Bundestagsabgeordneten Waltraud Wolf (SPD) und Manfred Behrens (CDU) sowie Ewald Schmidt vom Partnerschaftsverein aus Braunschweig ein.

Eingeläutet wurde das Schützenfest mit lauten Kanonenböllern. Danach zog der große Festumzug durch die Innenstadt, die zu der Zeit allerdings wie ausgestorben war. Nur wenige Leute standen an den Straßen und nahmen Anteil. Auch im Festsaal blieben die Schützen weitgehend unter sich. Das tat aber der Stimmung keinen Abbruch. Nach Kaffee und Kuchen betraten am späten Nachmittag die "Theaternomaden", eine Schauspielgruppe aus Magdeburg, die Bühne. Die Feierlichkeiten klangen mit dem Schützenball aus, zu dem die Gewinner des Kaiser- sowie des Bürgermeisterpokals und die Schützenkönige geehrt wurden. Für Unterhaltung sorgte ein Country-Duo aus dem Spreewald. Bis weit nach Mitternacht wurde zu Discomusik getanzt oder in Erinnerungen geschwelgt.

 

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