Die Mädchen und Jungen, die jüngst die Mauer des Jugendclubs in Groß Ammensleben besprühten, sind stolz auf ihre Arbeit. Denn bevor sie zur Sprayflasche griffen, beschäftigten sie sich mit dem Thema "Graffiti - Schmiererei oder Kunst?" und trafen die richtige Entscheidung.

NiedereBörde l Die Anfrage nach Graffiti-Schmierereien in letzter Zeit in der Niederen Börde konnte Bauamtsleiter Reinhard Schimka abschlägig beantworten, will es aber nicht beschreien. Denn wie der Bauamtsleiter bestätigen kann, sah das vor vier Monaten noch ganz anders aus. Illegale Grafitti-Sprayer hatten großflächig eine Hauswand der erst für 1,5 Millionen Euro sanierten Grundschule in Dahlenwarsleben beschmiert.

Die Schmiererei an der Schulwand war seinerzeit nicht der einzige Schandfleck auf dem Gelände. Auch an der Turnhalle "tobten sich die Schmierfinken aus". Zu jener Zeit, so Bauamtsleiter Reinhard Schimka, war es aber nicht allein ein Problem von Dahlenwarsleben. Auch in Klein Ammensleben waren illegale Sprayer am Werk, besprühten sie alle Bushaltestellen. Im Frühjahr lagen auch Meldungen aus anderen Ortschaften in der Einheitsgemeinde vor.

Seit Monaten kein Vorfall. In der Verwaltung ist man sich aber bewusst, dass dies kein Selbstläufer darstellt und man daher ständig auf der Suche nach Lösungen ist.

Eine Möglichkeit, den Schmierereien entgegenzuwirken, ist die Prävention. Und genau diesen Gedanken hat Sozialarbeiterin Daniela Küllertz in den Sommerferien aufgegriffen und zu einem zweitägigen Graffiti-Workshop eingeladen.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Ein überdimensionaler Schriftzug sagt jedem Besucher schon beim Betreten des Geländes, dass hier der "Jugendclub" zuhause ist. Wie die Sozialarbeiterin gegenüber der Volksstimme verlauten ließ, hatte sie gute Gründe, die Kunst-Art Graffiti zu thematisieren. Da war der vorbeugende Fakt mit Blick auf Vandalismus und Sachbeschädigung, da spielten aber auch Faktoren wie Identifikation oder Teamwork eine große Rolle.

Um die Schüler, an beiden Tagen waren es zwischen 12 und 15, zu begeistern und gleichzeitig zu sensibilisieren, hat sich Daniela Küllertz mit Stefan einen Profi aus Magdeburg eingeladen. Der Hochschulstudent für Soziale Arbeit hat in der Szene bereits einen guten Namen, sein Wort Gewicht. Das Erste, was er den Kindern vermittelte, war der Ehrenkodex der Sprayer: "Es wird kein Privateigentum angesprüht." Der 25-Jährige machte den Mädchen und Jungen auch klar: nur legale Graffitis sind akzeptabel.

Bevor die kleinen Sprayer das erste Mal die Dose in die Hand nahmen, wurde Theorie gepaukt. Jetzt wissen sie um die Geschichte der Graffiti, lernten verschiedene Stile, aber auch Kulturen kennen. Danach waren sie "heiß", wollten sprayen - vor allem Max (15). Der Wolmirstedter hat nach eigenen Aussagen schon einige Workshops, so den Haldensleber "Spray-Train", besucht, "und jedes Mal habe ich dazu gelernt". Was der 15-Jährige auch aus der Börde mitgenommen hat: "Sich ungefragt Sprayflächen aneignen, das geht gar nicht." Und wie der Wolmirstedter ausdrücklich betont, hat er kein Verständnis für jene illegalen Sprayer, die bewusst Schaden an Gebäuden anrichten und "dabei die professionellen Graffiti-Künstler in Verruch bringen".