In Barleben laden die beiden Kirchengemeinden am Heiligen Abend wieder zu einem Pilgerweg durch den Ort ein. Als Hirten und Engel kostümierte Gläubige reihen sich als Wegbegleiter in den Umzug ein. Die Kinder tragen Windlichter.

Barleben l "Da machte sich auf auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum dass er von dem Hause und Geschlechte Davids war. Auf dass er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe; die war schwanger..." Diese Sätze entstammen einem weltberühmten Text. Der Evangelist Lukas hat ihn niedergeschrieben. In ihm schildert er im Neuen Testament die Geburt Jesu. Bekanntlich wurde das frisch geborene Kind gewindelt und in Ermangelung einer Herberge in eine Futterkrippe gelegt. Daher rührt der Brauch des Krippenspiels. Wenn in der Kirche St. Peter und Paul in Barleben die Weihnachtsgeschichte von Laiendarstellern in Szene gesetzt wurde, war das Gotteshaus stets bis auf den letzten Platz gefüllt. 2008, 2009 und 2010 ist das Krippenspiel entfallen. Auch zu Weihnachten 2011 werden die Barleberinnen und Barleber ohne die szenische Darstellung der Geschichte aus dem Lukas-Evangelium auskommen müssen. Das restaurierungsbedürftige Gotteshaus schließt die Durchführung eines Krippenspiels und der Christmette zu später Stunde aus. Der Zahn der Zeit hat dem 650 Jahre alten sakralen Bauwerk arg zugesetzt. Die Dachkonstruktion drohte über den Sims zu rutschen. Anfang November waren zwölf von insgesamt 29 maroden Tragbalken saniert. Damit war etwa ein Drittel des Schadens an der Dachkonstruktion der Kirche behoben.

Der durch einen Förderverein seit 2008 weitergetragene Hilferuf ist auf viele offene Ohren und gebende Hände gestoßen. "Dank breiter Unterstützung durch Bürgerinnen und Bürger nicht nur aus Barleben, Vereinen, Unternehmen, Institutionen wie der Lotto-Toto-Gesellschaft, des Kirchenkreises und seit 2011 auch der politischen Gemeinde konnte ein großes Stück der so dringend erforderlichen Dachsanierung voran gebracht werden", schreibt Ute Lüder, Vorstandsmitglied des Fördervereins. Sind die Arbeiten am Dach beendet, beginnt die eigentliche Sanierung der Kirche. Bereits 2004 wurde eine böse Entdeckung gemacht: Zwischen Turm und Schiff von St. Peter und Paul klafft ein Riss.

Die 2008 eingetretene Notsituation machte erfinderisch. Es entstand der Gedanke, die Weihnachtsbotschaft per Pedes durch Barleben zu tragen. Schließlich waren Maria und Joseph auch auf Wanderschaft. So wird am Heiligen Abend ab 18.30 Uhr wieder dazu eingeladen, vom Pfarrhaus zum Mittellandhof zu pilgern. Dort wird die Weihnachtsgeschichte vorgetragen und unter Posaunenklang Andacht gehalten. Zeitgleich setzen sich die katholischen Gläubigen von ihrer Kapelle am Breiteweg aus in Bewegung. Die Andacht wird also eine ökumenische sein. Zur Christmette am 24. Dezember dürfen die evangelischen Christen ab 23 Uhr dann zu Gast sein in der Heilig-Geist-Kapelle ihrer katholischen Schwestergemeinde.