Wolmirstedt (gbi) l Den Heiligen Abend feiern wir, weil das Christkind geboren wurde. Doch auch Frauen, die nicht Maria heißen, erwarten an diesem Tag mitunter ein Baby. "Ich betreue in diesem Jahr sieben Schwangere, die am 24. Dezember ihren Geburtstermin haben", sagt Hebamme Helga Fischer. Eine davon ist Sina Wichmann.

Die blonde Wolmirstedterin freut sich unbändig. Das Baby offenbar auch, denn das kleine Herz klopft munter im Takt. "Alles bestens", kommentiert die Hebamme, die zur Vorsorge gekommen ist. "Es ist schon eine besondere Situation", gesteht Sina Wichmann, "und eigentlich hoffe ich, am Heiligen Abend zu Hause zu sein." Schließlich ist Söhnchen Luis gerade in dem Alter, in dem er Weihnachten bewusst erlebt. Er wird im Januar drei. "Andererseits scheint er zurzeit schwer verliebt", erzählt seine Mama, "hält in der Kita den ganzen Tag mit seiner Freundin Händchen."

Trotzdem, die Erzieherin weiß, dass Weihnachten ohne Mama nur ein halbes Weihnachten wäre und hofft, dass sich das Baby ein bisschen Zeit lässt. "Noch besser wäre es, es käme am 23. Dezember, dann wäre ich am 24. Dezember wieder zu Hause." Solange alles gesund ist, wäre das kein Problem. "Ich würde mich selbstverständlich um Mutter und Kind kümmern", sagt Helga Fischer.

All die Gedankenspiele sind dem Ungeborenen in Sina Wichmanns Bauch herzlich egal. Er wird kommen, wenn er die Zeit für reif genug hält. Dennoch: "Das Gefühl, zu Weihnachten ein Kind zu bekommen, ist ganz intensiv", sagt Sina Wichmann. Das spürte sie gerade bei einem Konzert, in dem die Weihnachtsgeschichte musikalisch erzählt wurde, die irgendwie ja auch die Geschichte ihres eigenen Kindes ist. "Es war so berührend", sagt sie, "in den Liedern wurde erzählt, wie wichtig es ist, dass ein Kind Liebe bekommt. Egal, wie die Umstände sind." Während sie das sagt, klopft das Herz des Ungeborenen schneller. "Unsere Emotionen spüren die Babys genau", bestätigt Helga Fischer.

Ein neugeborenes Kind verändert nicht immer die ganze Welt, so wie Jesus das nachgesagt wird, aber ganz bestimmt die Welt seiner Familie. "Als Mutter entscheidet man viel mehr mit dem Herzen", sagt Sina Wichmann. Als Erzieherin habe sie früher hauptsächlich mit dem Kopf gearbeitet, "habe alles so gemacht, wie ich es in der Ausbildung gelernt habe." Seit der kleine Luis auf der Welt ist, kommt die Stimme des Herzens viel mehr zur Geltung.

Hebamme Helga Fischer weiß, wie sich die Frauen verändern. Sie hat in über 30 Berufsjahren schon mehreren tausend Babys auf die Welt geholfen. Auch Weihnachten. "Die Anzahl der Hausgeburten nimmt zu", sagt sie. "Ihre" sieben Frauen, die Weihnachten mit einem Kind rechnen, werden jedoch in der Klinik entbinden. Erst nach der Entlassung ist Helga Fischer wieder für sie da. "Die Mütter können jederzeit anrufen", sagt Helga Fischer, "auch nachts."

Sina Wichmann schaut ihrem zweiten Baby gelassen entgegen. Die Weihnachtsgeschenke sind lange gepackt, das Kinderzimmer ist hergerichtet, die Tasche steht. Nun hofft sie nur noch, dass der Vater des Kindes bei der Geburt dabei sein kann und nicht gerade zum Einsatz gerufen wird. Schließlich ist Dirk Bischoff der Stadtwehrleiter.