Farsleben l Punkt 18 Uhr trifft Pfarrer Andreas Nestler ein. Für ihn ist es der dritte Gottesdienst an diesem 24. Dezember. Sabine Hinze, die Kirchenälteste, begibt sich auf ihren Platz an der Orgel. Nestler zieht sich gleich im Foyer den Talar über. Es kommen nur noch wenige Gläubige. Es dauert auch nicht mehr lange, dass das das Geläut im Turm verstummt. Die Kirche ist voll besetzt. Lediglich auf der Galerie beidseitig des Herrnhuter Sterns sind noch ein paar freie Plätze. Eberhard Schwennecke, langjähriger Farsleber Kirchenältester, hat dafür gesorgt, dass das kleine Gotteshaus mit der Kanzel direkt über dem Altar mollig warm ist. Als der Gottesdienst beginnt, nimmt er die beiden Gasheizungen außer Betrieb...

In Farsleben ist am Heiligen Abend 2011 nach langer Zeit wieder einmal ein Krippenspiel Bestandteil der Christvesper gewesen. Die letzte szenische Darstellung der Weihnachtsgeschichte soll 20 Jahre zurückliegen. Junge Mütter fanden Heiligabend in Farsleben ohne Krippenspiel auf die Dauer trist. "Wenn ihr ein Krippenspiel haben wollt, dann studiert doch eins ein", bekamen sie zur Antwort.

Michaela Neumann stellte sich spontan an die Spitze, besorgte von einer Wolmirstedter Katechetin eine Textvorlage in zeitgemäßer Sprache, konnte sechs Kinder aus der 3. Klasse rekrutieren, leitete die Proben, hatte Jordis Pallapies bei der Beschaffung der Kostüme zur Seite. Larissa Wolff dachte sie die Rolle der Maria zu, den Verkündigungsengel sollte Larissa Rechlin darstellen, die Hirten auf dem Felde John Jacobs und Lennard Pallapies. Den Josef besetzte sie mit dem eigenen Söhnchen Franz. Und der musste Sonnabendabend auf dem Weg zur Kirche die letzten Regieanweisungen über sich ergehen lassen: "Langsam und deutlich sprechen, Maria unterhaken."