Schon im Vorfeld der Sitzung des Verbandsgemeinderats-Ausschusses für die Angelegenheiten des Schmutz-, Niederschlags- und Trinkwassers gab es Diskussionen. Auf der Tagesordnung der Sitzung am Montag in Colbitz stand nämlich auch der Beitritt von Born zum Abwasserverband Untere Ohre Haldensleben.

Born. "Verbandsgemeinde verkauft Born an Abwasserverband" hatte Klaus Dräger, früherer Borner Bürgermeister, geschimpft, als die Tagesordnung der Ausschusssitzung bekannt wurde. Klaus Dräger prophezeit hohe Kosten für die Borner Grundstücksbesitzer.

Wie stellt sich die Situation gegenwärtig dar? Die Anlage, in der das Borner Schmutzwasser geklärt wird, erreicht seit Jahren nicht die vom Gesetzgeber vorgegebenen Werte. Die Untere Wasserbehörde erteilte der Gemeinde Born Auflagen, um die Wirksamkeit der Kläranlage zu verbessern. Doch obwohl in den vergangenen Jahren viel Geld in die von der Gemeinde betriebene Anlage geflossen ist, hat es keine deutliche Qualitätsverbesserung gegeben.

Das müssen die Borner Bürger bezahlen, denn wenn die vorgegebenen Werte nicht erreicht werden, steigt die Abwasserabgabe, die die Gemeinde zu leisten hat und damit auch der Kubikmeterpreis.

Um das zu verhindern, müsste ab kommendem Jahr weiter investiert werden, damit die Qualität des geklärten Wassers verbessert wird. "Als Investitionsbedarf wurden 192 000 Euro ermittelt. Allerdings ist auch dann noch nicht hundertprozentig sicher, ob die Grenzwerte eingehalten werden", informierte Verbandsgemeindebürgermeister Thomas Schmette. Die Verbandsgemeinde ist für die Erledigung dieser Aufgabe vom Gesetzgeber her zuständig.

Derzeit bezahlen die Borner für ihr Schmutzwasser 2,20 Euro je Kubikmeter. Dazu kommt eine Grundgebühr von 12 Euro monatlich.

Kubikmeterpreis würde drastisch steigen

"Bei dieser Investition und den Verlusten der drei Vorjahre würde der Abwasserpreis für Born auf rund sechs Euro je Kubikmeter steigen. Es besteht also Handlungsbedarf", rechnete Thomas Schmette vor.

So ist untersucht worden, welche Möglichkeiten bestehen, das Borner Abwasser anderweitig zu klären. "Es existiert eine Schmutzwasser- druckleitung, die von Hütten zum Klärwerk bei Hillersleben führt", weiß Thomas Schmette. Um das vorhandene Borner Kanalnetz an diese Leitung anzuschließen wäre der Neubau einer etwa 1,4 Kilometer langen Leitung einschließlich eines Pumpwerkes erforderlich.

Der Investitionsbedarf würde bei etwa 380 000 Euro liegen. Für die Gemeinde Westheide, zu der Born ja seit dem 1. Januar dieses Jahres gehört, sicherlich eine Nummer zu groß.

Der Abwasserverband Untere Ohre Haldensleben (AVH) würde diese Investition tätigen, informierte Geschäftsführer Achim Großmann auf der Ausschusssitzung am Montag in Colbitz. Der AVH könnte dafür sogar Fördermittel beantragen. Voraussetzung wäre aber die Aufgabenübertragung der Schmutzwasserbeseitigung an den AVH.

Eine andere Variante wäre auch der Beitritt von Born zum AVH und der Verkauf der bestehenden Anlage an den Verband. So oder so dürfte die Schmutzwasserentsorgung für die Borner Haushalte auf längere Sicht günstiger werden. "Bei einer Grundgebühr von 54 Euro je Einwohner im Haushalt kostet die Schmutzwasserentsorgung beim AVH derzeit 1,55 Euro je Kubikmeter", informiert Elke Kühnel vom Bauamt der Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Heide.

Auch die Furcht vor hohen Beiträgen bei einer Übernahme durch den AVH dürfte unbegründet sein. "Der Wert der Kläranlage ist in Born über die Jahre bereits mit den Gebühren finanziert worden. Es wären also keine Beiträge mehr, sondern lediglich Hausanschlusskosten fällig, wenn das bestehende Kanalnetz in Born saniert wird", so Thomas Schmette.

Abwasserkanalnetz muss saniert werden

Dass das Netz saniert werden muss, hat sich bei einer Kamerabefahrung herausgestellt. Dabei waren Dichtigkeitsverluste und stellenweise starke Durchwurzelungen festgestellt worden.

Der Verbandsgemeindeausschuss empfiehlt dem Verbandsgemeinderat der Beschlussvorlage zuzustimmen, die den Beitritt von Born zum AVH für die Schmutzwasserbeseitigung vorsieht. Westheide-Bürgermeister Hartmut Jahn hatte allerdings dagegen gestimmt. Jetzt sind der Westheide-Gemeinderat (wegen des Eigentums) und der Verbandsgemeinderat (wegen der Aufgabenübertragung) gefragt.