Bei den drei "Stadtvillen", die von der Wolmirstedter Wohnungsgesellschaft (WWG) aus einem rückgebauten Fünfgeschosser an der Geschwister-Scholl-Straße entstehen sollen, gibt es scheinbar seit Wochen keinen Baufortschritt. Die Volksstimme traf sich mit Geschäftsführer Gerhard Thiede und befragte ihn auch zu den Gerüchten, dass die Standfestigkeit der Gebäude gefährdet sei.

Wolmirstedt. Mit seinen Händen baut Gerhard Thiede ein Kartenhaus auf. Damit will der Geschäftsführer der WWG erklären, wieso man in dem zu drei einzelnen Blöcken rückgebauten Fünfgeschosser Stützbalken eingebaut hat. "Das hat statische Gründe. Es ist wie bei einem Kartenhaus, das einstürzen kann, wenn das Dach auf die Seitenwände drückt und denen eine der Verbindungen fehlt."

Die Standsicherheit der Gebäude sein keinesfalls gefährdet. Weil man aber die Rückwand entfernen musste, um Platz für den geplanten Anbau zu schaffen, hätte man die Schrägstützen als temporäre Sicherung angebracht, erklärt Planer und Bauleiter André Rätsch. "Das hätte man auch machen müssen, wenn nur ein Tag und nicht wie jetzt mehrere Wochen zwischen den einzelnen Bauschritten gelegen hätte", ergänzt Thiede und führt noch an "dass dafür keine Zusatzkosten entstehen, sondern die Sicherungsmaßnahmen schon von Anfang an mit einkalkuliert waren".

Dass die Baumaßnahme, deren Gesamtkosten mit 2,2 Millionen Euro angegeben wurden, nicht mehr im ursprünglichen Zeitplan liegt, hätte zwei andere Gründe. "Wir hatten erst Mitte des Jahres eine Teilbaugenehmigung für den Rückbau bekommen. Dann kam ein ungeplanter Zeitverzug durch die Mauersegler dazwischen", erinnert sich der Geschäftsführer an eine mehrwöchige Pause, in der das Umweltamt und Umweltverbände mehrfach vor Ort waren. Denn in einem Block hatten es sich Mauersegler und der gemeine Haussperling gemütlich gemacht, dort sogar Nester bebrütet.

Als man diese nach den Vorgaben des Natur- und Umweltschutzes aus dem Wohnblock entfernt hatte, ging es den Sommer über mit dem Rückbau zügig voran, kam zwischenzeitlich die Gesamtbaugenehmigung, konnte man Ausschreibungen vornehmen.

Im November gab die Wohnungsgesellschaft den Handwerksunternehmen den Zuschlag für die nächsten Schritte. "Doch dann kam der große Regen und nun der Winter", so Thiede, der genau wie sein Planer und die Bauleute den Wetterverhältnissen machtlos gegenüber steht. "Ziel sollte eigentlich sein, in diesem Jahr noch die Keller fertigzustellen, um dann mit dem Anbau loszulegen. Jetzt fehlt ein Zeitfenster von vier Wochen", berichtet Planer Rätsch.

Sobald der Bodenfrost weg sei, wolle man mit den nächsten Maßnahmen beginnen und zuerst an allen drei Blöcken die Baugruben für die Keller ausheben. Dann würde man die Keller bauen, die Anbauten hochziehen und mit Dächern und Fenstern versehen. Die entsprechenden Lose hätte man schon vergeben, im Januar seien dann die Ausbaugewerke dran.

Das Interesse der Mieter an den insgesamt 18 entstehenden Wohnungen sei ungebrochen. Das merkt Gerhard Thiede auch an der Zahl der Anrufer, die sich in diesen Tagen nach dem Baufortschritt erkundigen. "Im Januar und Februar wollen wir die potentiellen Bewerber kontaktieren und erfahren, ob sie noch daran festhalten und einziehen wollen."

Und das könnte nach Schätzungen des Geschäftsführers im Mai 2011 passieren, wenn man auf der Baustelle bald wieder loslegen kann.