Seit 105 Jahren ist der Zerbster Schlachthof nicht mehr aus der Stadt wegzudenken. Doch was als Schlachthaus für Zerbster und ihr Vieh begann, ist heute eine hochentwickelte Produk-tionsstätte, die auch fürs euro-päische Ausland produziert.

Zerbst. Was der Zerbster heutzutage umgangssprachlich als seinen Schlachthof bezeichnet, hat schon lange nicht mehr diese Funktion. "Geschlachtet haben wir hier bis zur Wende", erinnert sich Gabriela Hübner, Vorsitzende des Betriebsrates der Anhalter Fleisch- und Wurstwaren GmbH – wie das Unternehmen heute korrekt heißt. Sie muss es wissen, denn sie arbeitet bereits seit 25 Jahren im Schlachthof. Hat somit auch eine der schwersten und unsichersten Zeit miterlebt – die Wende und die darauffolgenden Jahre. 450 Mitarbeiter waren im Schlachthof 1990 beschäftigt. Im gleichen Jahr übernahm Schulte Fleisch- und Wurstwaren Dissen die Firma, meldete 2002 Insolvenz an. Den noch 250 vorhandenen Arbeitern drohte die Arbeitslosigkeit, als sich mit der Mühlen Gruppe ein neuer Investor fand. Seitdem ist Helge Staffe der hiesige Betriebsleiter und die Produktionsmengen und Mitarbeiterzahlen haben sich nahezu verdoppelt.

"Zerbst ist einer der gewichtigsten Standorte in der Unternehmensgruppe", betont Staffe und fügt hinzu: "Die Wirtschaftskrise ist an uns fast völlig vorbeigegangen." Rund 400 Mitarbeiter bilden die Basis für die Herstellung von vakuum- und aromaverpackten Würstchen, Cabanossis und Sülzen – den drei großen Produktgruppen, die in Zerbst produziert werden. Etwa 20 Prozent der Waren werden ins europäische Ausland exportiert. In Deutschland gehören große Lebensmittel-Discounter zu den Hauptkunden der Unternehmenskette.

"In dieser Grillsaison mussten wir zusätzlich 152 Saisonkräfte einstellen, um der Nachfrage nachzukommen", so Staffe. Ein Spitzenwert, der in den vergangenen zehn Jahren nicht erreicht wurde.

Das Geschäft mit der Wurst brummt. Das liegt auch daran, dass in Zerbst der technische Standard im Werk sehr hoch ist, weiter darin investiert, aber auch der Erfindergeist gepflegt wird. Die Kinderwurstprodukte von Leo Lausemaus sind nur eine Innovation, die hier ihren Ursprung fand.

Ebenfalls sehr gut gemacht und deshalb sehr begehrt sind die täglich frisch hergestellten Gerichte, die im Werksverkauf zu haben sind. "Der Imbissbereich ist ständig am Wachsen", bestätigt Staffe. Und nur für diesen Werksverkauf werden regionale Produkte wie die Bollen- und Bregenwurst produziert.

Doch das Unternehmen ist nicht nur kulinarisch eng mit Zerbst verbunden. Derzeit bildet das Unternehmen zehn Azubis in den Berufen Groß- und Außenhandelskauffrau, Fachkraft für Lebensmitteltechnik und Fleischer aus. "Wir bilden so viele Leute aus, wie wir übernehmen können", betont Staffe. Schließlich ist heutzutage der eigene Nachwuchs die beste Zukunftsstrategie.

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