Die Linden gehören zu den langlebigsten Bäumen. Der Volksmund sagt, eine Linde komme 300 Jahre, stehe 300 Jahre und vergehe 300 Jahre. Nicht selten erneuert sie sich von innen heraus und grünt noch als tausendjähriger Baum. So alt wurden die Linden in der Straße Am Münchentor in Loburg lange nicht. In der vergangenen Woche wurden fünf Exemplare gefällt. Das rief Empörung bei einigen Naturfreunden und Umweltschützern hervor.

Loburg. Allen voran, hat sich Dr. Christoph Kaatz als Sprecher des Ökologischen Beirats von Loburg vor den Karren gespannt. Er hatte am Mittwoch vergangener Woche zunächst die gestutzten Bäume Am Münchentor gesehen. Im Rathaus erhielt er kaum Auskunft zu den Vorgängen. Während er zu dem Zeitpunkt noch von einer radikalen Kappung ausging, musste er dann am Freitag feststellen, dass die Bäume gefällt waren.

"Ich kam von der Umweltkonferenz des Landes in Wernigerode", erzählt Kaatz. Das sei ein Schlag gewesen, denn gerade hatte man dort an alle Teilnehmer appelliert, dass jeder Einzelne zum Artenschutz beitragen und um den Erhalt der Natur kämpfen sollte. Den Bau- und Ordnungsamtsleiter der Stadtverwaltung, Mathias Klack, konnte Kaatz nur noch zwischen Tür und Angel erwischen, Antworten auf seine Fragen blieben offen. Und sie bleiben es weiterhin, denn der Amtsleiter hat bis zum Ende dieser Woche Urlaub.

Ordnungsamtsmitarbeiterin Ramona Ritze konnte nur sagen, dass die Bäume gefällt werden mussten und verwies auf ihren Vorgesetzten. An den hat sich Dr. Christoph Kaatz inzwischen schriftlich gewandt. Er schätzt den entstandenen ökologischen Schaden auf rund 300 000 Euro.

Die Frage, die ihn dabei besonders beschäftigt, ist, warum der Ökologische Beirat, den es in Loburg gibt, im Vorfeld nicht hinzugezogen wurde. Dieser Ökologische Beirat besteht seit 2008 und war gebildet worden, um in solchen Fragen der Fällung von Bäumen und anderen Maßnahmen im grünen Bereich herangezogen zu werden, Vorschläge zu machen, Hinweise zu geben. Das habe anfangs auch ganz gut funktioniert, erinnert sich Kaatz und hebt eine gute Zusammenarbeit mit Ramona Ritze vom Ordnungsamt hervor. Doch seit Loburg zu Möckern gehört, haben sich die Zeiten geändert… Da werden die Bürger nicht mehr mit einbezogen, beklagt Kaatz. Dem kann auch sein Mitstreiter Ludwig Dommroese nur zustimmen. Und dann kommt es zu solchen unangekündigten Aktionen. "Eine Sauerei. Das kann man nicht gutheißen", findet auch Dommroese.

Selbst der Loburger Ortsbürgermeister Bernd Wünschmann hat davon nichts gewusst, musste Kaatz nach einem Gespräch mit ihm feststellen. Warum mussten die Linden gefällt werden? Oft seien es an den Haaren herbeigezogene Gründe, die vorgeschoben werden, so Kaatz. Ohne Rücksicht auf Verluste werde so etwas durchgesetzt. In den letzten Jahren haben wir schon zu viele große Laubbäume verloren, gibt er zu bedenken. Und er kann den Verlust beispielhaft in Zahlen ausdrücken.

Eine etwa 100 Jahre alte 20 Meter hohe Buche – Buchen und Linden hätten eine gleichwertige ökologische Wirkung, so der Experte – verarbeitet etwa 18 Kilogramm Kohlendioxid an einem Sonnentag. 13 Kilogramm Sauerstoff werden durch die Photosynthese als Abfallprodukt gebildet, die den Bedarf von etwa zehn Menschen decken. 2000 junge Bäume mit einem Kronenvolumen von einem Kubikmeter müssten gepflanzt werden, um ihn zu ersetzen.

Dr. Christoph Kaatz ist nicht nur Sprecher des Ökologischen Beirats in Loburg, sondern auch Kreistagsmitglied und stellvertretender Vorsitzender des Umweltausschusses im Kreistag. Bei der nächsten Ausschusssitzung, die Anfang November in Loburg stattfindet, sollen Baumfällmaßnahmen, wie die in Loburg, sowie der Wert gro-ßer Bäume und das Bestreben um deren Bestand thematisiert werden.