Die WI norus Agrar AG will auf ihrem Betriebsgelände in Lübs eine Biogasanlage errichten. Vor Ort stößt der Plan auf Vorbehalte. Anwohner befürchten Geruchs- und Lärmbelästigungen. Unterdessen versucht die Firma, den Bürgern die Sorgen zu nehmen.

Lübs. Die WI norus Agrar AG plant die Errichtung einer Nawaro-Biogasanlage mit einer Leistung von 0,5 Megawatt. "Nawaro" ist die Abkürzung für "nachwachsende Rohstoffe". Das bedeutet, dass die Anlage mit Feldfrüchten wie Mais, Hirse und Roggen bestückt wird. "Eine Umstellung auf Gülle geht nicht ohne Weiteres", erklärte Roman Motzko. Dazu müsste ein neues Verfahren eingeleitet werden, erläuterte der Projektentwickler am Dienstagabend auf der Sitzung des Lübser Ortschaftsrates. An dieser nahmen mehrere Bürger teil. Sie interessierten sich für die Auswirkungen der Biogasanlage, die am südlichen Dorfrand erbaut werden soll. Ob es dazu kommt, entscheidet der Landkreis, der in dem Fall die Genehmigungsbehörde ist. Dort liegt der Antrag des Unternehmens seit September vor.

"Als Stadt bewerten wir nur das Baurecht", erläuterte Sylvia Tetzlaff. Und wie die Mitarbeiterin der Gommeraner Bauverwaltung mitteilte, steht dem baurechtlichen Einvernehmen aus Gesetzessicht nichts entgegen. Wie sie beim Kreis erfuhr, liegen auch die zu erwartenden Immissionswerte unterhalb der einzuhaltenden Grenzen. Grundlage sind die strengeren Richtwerte für ein allgemeines Wohngebiet und nicht die für ein Dorf. Dabei ließ Sylvia Tetzlaff nicht unerwähnt, dass der Betreiber nachweisen muss, dass diese Werte eingehalten werden und die Kontrollbehörde das jederzeit nachprüfen kann.

"Ich habe Angst, dass wir permanenten Geruch und Lärm ertragen müssen", meldete sich Andreas Schunke zu Wort. Ein Zug fahre mal ab und zu durch Lübs, die Biogasanlage laufe 24 Stunden am Tag. "Da brummen rund um die Uhr die Ohren", befürchtete er als Anwohner. Roman Motzko wies darauf hin, dass sie den Generator am weitesten vom Ort weg positioniert haben. Rund 200 Meter sind das etwa.

Andreas Schunke erkundigte sich, ob sie bei einem Vor-Ort-Termin auf dem Betriebsgelände nicht mal einen Lärmtest machen könnten. "Ich will es nicht glauben, ich will es wissen", betonte er. "Ich weiß nicht, ob man eine Biogasanlage simulieren kann", entgegnete Roman Motzko. Er sagte allerdings zu, sich zu erkundigen, "und dann machen wir das". Zugleich versprach er, ihm das Schall- und Ammoniakgutachten zuzuschicken.

Überhaupt versuchte Roman Motzko mit seinen Erläuterungen, die Annahme zu entkräften, dass vor Ort mit einer dauerhaften Beeinträchtigung der Lebensqualität zu rechnen ist. Wie der Projektentwickler hinsichtlich möglicher Geruchsbelästigungen darlegte, handelt es sich bei der Anlage um ein geschlossenes System. Einzig die Silage "haben sie, die sie riechen". Das Silo, von dem aus das Kraftwerk täglich mit etwa 25 Tonnen Material bestückt wird, befindet sich nordöstlich von Lübs. Der landwirtschaftliche Weg dorthin sei für solche Transporte nicht ausgebaut, bemerkte Sylvia Tetzlaff. "Der Weg ist schon von einmal Befüllen stark beschädigt", warf Ratsmitglied Willem Höner zu Altenschildesche ein.

Unterdessen sorgte sich Anwohner Hans-Dieter Zietlow, dass der zum Klein-Lübser Teich führende verrohrte Graben durch die Lasten kaputt gefahren wird. "Da gibt es eine Anfrage seitens der Agrarfirma, den Weg auszubauen", berichtete Ortsbürgermeister Burkhard Rehse. Die schweren Fahrzeuge waren auch für Lutz Eins das Stichwort. Er fand, dass sie ihre Straßen begrenzen sollten. Im Blick hatte er dabei ebenfalls die Transporter, die die Biogasanlage in Güterglück beliefern und durch Lübs fahren.

Test soll Geräusche der Anlage simulieren

"Müssen sie durchs Dorf fahren?", fragte Ratsmitglied Marcus Krause. Er dachte dabei an den Weg, der in einem Bogen östlich an Lübs vorbeiführt und den die Fahrzeuge vom Silo zur Anlage der WI norus Agrar AG nutzen könnten.

"Haben Sie mal überlegt, die Anlage am Silo zu errichten?", wollte Andreas Schunke wissen. Indirekt verneinte das Roman Motzko, indem er sagte, dass der Ansatz ein anderer sei. Sie würden sich den Standort und die Rahmenbedingungen ansehen und wenn alles passt, das Projekt angehen.

Ralf Schmidt interessierte, ob sie mal eine Anlage mit Gasaufbereitung erwogen hätten. Bei einer 0,5 Megawatt-Anlage sei das nicht wirtschaftlich, antwortete Roman Motzko. Angedacht ist, den produzierten Strom ins öffentliche Netz einzuspeisen. Was mit der erzeugten Wärme passiert, ist noch offen. Neben dem Beheizen des eigenen Bürokomplexes und der Werkstatt könnte der Geflügelbetrieb in Gehrden ein Abnehmer sein. Auch zur Lübser Kita könnte eine Wärmeleitung gelegt werden.

Bisher existiert im Jerichower Land übrigens noch keine Nawaro-Anlage. Die Bio-gasanlage der WI norus Agrar AG wäre somit die erste dieser Art. Und dass sie nach ihrer Errichtung nicht einfach vergrößert werden kann, kam an dem Abend ebenfalls zur Sprache. Denn das würde dann einen Bebauungsplan erfordern, der für das jetzige privilegierte Projekt im Außenbereich nicht notwendig ist. Und damit käme die Gemeinde wieder ins Spiel, die die Planungshoheit besitzt, wie Sylvia Tetzlaff ausführte. Zweifel, dass da am Ende der Stadtrat womöglich gegen den Ortschaftsrat entscheidet, versuchte Frank Krehan auszuräumen. "Wenn es um Belange von Lübs geht, interessieren den Stadtrat schon die Empfehlungen des Ortschaftsrates", erklärte Krehan, der für die Freie Wählergemeinschaft Leitzkau im Gommeraner Stadtrat sitzt.

Bleibt zu erwähnen, dass die geplante Biogasanlage mit der in Güterglück nicht zu vergleichen ist. Diese zählt mit einer Wärmeleistung von 6,5 Megawatt zu den größten Deutschlands und wird täglich mit rund 120 Tonnen Material gefüttert. Dabei kommt dort neben Maissilage auch Gülle zum Einsatz.