"Bei der Gründung waren wir 13. Heute, nach gut einem Jahr, zählen wir 55 Mitglieder, darunter neun Fördermitglieder." Mit berechtigtem Stolz präsentiert Sigrun Knäbel, Vorsitzende des Fördervereins Wasserturm Zerbst, diese Entwicklung in der vergangenen Woche bei einem Dankeschön-Nachmittag für die den Verein bisher unterstützenden Sponsoren sowie am Freitagabend vor den Mitgliedern. Und nicht nur das ist eine "von mir wirklich nicht erwartete Entwicklung", so die Vorsitzende des im September 2009 gegründeten Vereins.

Zerbst. Damals war der mehr als 100 Jahre alte, lange ungenutzte Turm zugewachsen, innen verbaut und es gab eine große Taubenplage. Die Tauben zu vertreiben, die Fenster im Turm dicht zu machen, den Fußboden zu ebnen und begehbar sowie die Dächer der drei Brunnenstuben dicht zu machen, das waren die ursprünglichen Vorhaben für 2010.

524 Stunden Beräumungsarbeit

"Geschafft wurde", freut sich Sigrun Knäbel, "aber viel mehr, dank kräftigen Zupackens unserer Vereinsmitglieder, ehrenamtliche Arbeit und durch uneigennützige Sponsoren-Unterstützung." Allein 524 Stunden "ehrenamtlicher und höhentauglicher" Beräumungsarbeit wurden geleistet. Die Sponsoren und Fördermitglieder haben dem Verein mit fi- nanziellen Mitteln sowie mit kostenlosen Arbeitsleistungen geholfen.

Viel anstrengende Handarbeit war notwendig, um das alte schwergewichtige Rohrnetz im Turm abzubauen, den Wildwuchs auf dem Turm zu beseitigen. Das Außengelände wurde aufgeräumt, Pflaster-arbeiten um den Turm für den Sitz- sowie den Feuerplatz erfolgten. An den drei Brunnenstuben, die nach genauer Prüfung maroder waren als vorher vermutet, besonders in den Dachbereichen, erfolgten erste Reparaturen und Sanierungsarbeiten. Alle Dächer sind dicht. Die vom Turm als erste zu erreichende Brunnenstube, im Arbeitsprozess vorläufig als "Teestube" bezeichnet, ist nun völlig saniert und versorgungstechnisch eingerichtet. Sie wird künftig den offiziellen Namen "Zur Quelle" tragen.

Im Turm selbst sind großformatige reizvolle Fotos mit besonderen Sichten aus der näheren Umgebung des Wasserturmes zu sehen. Gemacht hat sie Dagmar Knäbel. Sie war es auch, die ihre Mutter dazu drängte, sich für den Wasserturm zu engagieren. "Tu etwas, kümmere dich darum, gründe einen Verein, begeistere andere", hatte die heute 38-jährige Wahl-Erfurterin gedrängt, die sich an ihre Kindheit in der Nähe des historischen Bauwerks erinnerte.

Zur Vorgeschichte: Die Stadt Zerbst stand vor der Entscheidung, den Wasserturm zu übernehmen. Oder sein Verfall wäre höchstwahrscheinlich besiegelt. Das weithin sichtbare, markante Wahrzeichen der Stadt, ein bedeutendes historisch-technisches Bauwerk, würde verschwinden.

Tolle Resonanz aus der Bevölkerung

Der Zerbster Stadtrat hatte darüber zu befinden. Sigrun Knäbel, zu der Zeit Stadtratsmitglied für die FDP, und anderen war dabei klar, dass die Stadt die Sanierung, Erhaltung und schließlich auch die Nutzung aus finanzieller Sicht nicht leisten konnte. Durch diese sachliche Notwendigkeit und Tochters "moralischen Druck" initiierte Sigrun Knäbel mit zwölf anderen engagierten Turmfreunden am 17. September 2009 die Gründung des Fördervereins Wasserturm Zerbst.

Ein gutes Jahr später ist die Vereinsvorsitzende "begeistert, dass alle durch ihr Engagement unsere Zielstellungen bestätigen und unsere Ideen zur Sanierung des Wasserturms mittragen". Das erste Jahr, auch "die tolle Resonanz bei der Bevölkerung", das große öffentliche Interesse, das sich bei vielen Gruppenführungen und dem jeweils regen Besuch zur ersten Öffnung im Rahmen des Weltwassertages im März und zum Tag des offenen Denkmals im September manifestierte, stimmt optimistisch für die kommenden Vorhaben.

2011, so Sigrun Knäbel, sind unter anderem die Sanierung der beiden anderen Brunnenstuben sowie die Gestaltung des Außengeländes geplant. Hauptvorhaben ist eine Kostenerstellung für die Sanierung des Wasserturmes selbst. Die erste Einladung für die Öffentlichkeit auf das Wasserturmgelände soll es wieder zum Weltwassertag im März geben. Dann wird sicher auch jenes Modell zu sehen sein, mit dem Horst Pietrek und Dieter Sanftenberg jetzt den Verein überraschten. (Die Volksstimme berichtet gesondert.)