"Die Verlandung der Nuthe nimmt zu." Mit der Meinung steht der Walternienburger Udo Rose nicht allein. Seit Langem schon bemängeln Anlieger und Landwirte die Unterhaltung des Flusses. Zuständig dafür ist der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft (LHW) Sachsen-Anhalt. Und der sah sich bei der gestrigen Gewässerschau wieder mit der Kritik der Betroffenen konfrontiert.

Zerbst/Walternienburg. "So kann es nicht bleiben", betonte Udo Rose. Von Jahr zu Jahr würde die Verlandung der Nuthe immer mehr zunehmen. Die Folge sei ein dauerhaft hoher Wasserstand. Der wiederum führe zum Vernässen der angrenzenden Flächen, beschrieb er die Situation. Dabei sprach der Walternienburger nicht nur als Vertreter des Ortschaftsrates und der Anwohner, deren Gärten sich allmählich in Sumpflandschaften verwandeln, sondern ebenfalls als Leiter der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft Hohenlepte. Mehrere Hektar Acker entlang des Flusses könnten sie bereits nicht mehr bewirtschaften, berichtete er.

Das konnte Gerald Steinz von der Landwirtschaftlichen Produktions- und Handelsgesellschaft Walternienburg nur bestätigen. "Das war bewirtschaftbar, und ist es jetzt nicht mehr", bezeichnete er dies als Enteignung. "Die Nutzung der anliegenden Bereiche ist deutlich schlechter geworden", konstatierte auch Peter Gottschalk von der AgriCo Lindau, die ebenfalls betroffen ist. "Es geht darum, Kompromisse zu finden", plädierte er für eine Entschärfung neuralgischer Punkte. Verlandungen, die den Abfluss der Nuthe behindern, sollten entfernt werden.

Wie der Plan bezüglich Krautung und Grundräumung aussehe, wollte Udo Rose wissen. "An der Unterhaltung wäre nichts zu ändern", entgegnete Frank Torger. Der Flussbereichsingenieur des LHW bezog sich damit auf das Ergebnis der aktuellen Vermessung der Hauptnuthe zwischen Zerbst und Walternienburg. Diese hat ergeben, dass der Fluss trotz Verkrautung normale Hochwasser abführen kann. Zugleich wurde festgestellt, dass eine Entschlammung bei einem hohen Pegel "nur" eine Absenkung von 20 bis 30 Zentimeter mit sich bringen würde. "Das ist doch viel", fand Peter Gottschalk. Die Kosten wären allerdings zu enorm, gab Frank Torger zu bedenken.

Wie er erläuterte, wird die Sohle der Nuthe nur zu 75 Prozent gekrautet. Gleichzeitig umfasst die jährliche Unterhaltung des Flusses das Mähen einer Böschungsseite. Daneben werden Abflusshindernisse wie hineingestürzte Bäume beseitigt. Allerdings erstrecken sich diese Maßnahmen bloß bis zum Naturschutzgebiet, das an der Eisenbahnbrücke Flötz-Barby beginnt.

Verschiedene Interessen prallen aufeinander

"Das LHW muss den normalen Wasserabfluss gewährleisten. Und das passiert auch, bestätigt das Gutachten", betonte Frank Torger. Udo Rose war da anderer Ansicht. Er wies auf mehrere Punkte hin, an denen die Nuthe nicht optimal abfließen kann. "Die großen Steine unter der Nuthebrücke an der Poleybrücke müssen mal weg." Zugleich forderte er, dass die in den Fluss gewachsenen Schilfinseln hinter der Walternienburger Brücke am Anger (Ortsausgang in Richtung Flötz) entfernt werden. "Die Verlandungen engen den Fluss ein und das Wasser staut zurück", erklärte Udo Rose.

"Eigentlich sollen Engstellen entstehen, um die Fließgeschwindigkeit zu erhöhen", bemerkte Frank Torger. Denn, wie der LHW-Biologe Mathias Hohmann ausführte, wenn die Schleppkraft zu gering ist, bleiben die Sedimente liegen. Peter Gottschalk wiederum argumentierte, dass kein Sediment wegfließt, wenn der Fluss zugekrautet sei.

So führte die gestrige Gewässerschau erwartungsgemäß wieder zu einer regen Diskussion. Dabei prallten erneut die verschiedenen Interessen aufeinander. Zu wirklichen Festlegungen kam es nicht. Einzig die Kleingärtner, die an der Güterglücker Straße oberhalb der Zerbster Eisenbahnbrücke, einen Garten besitzen, wurden aufgefordert, ihre Kompostablagerungen aus dem Gewässerschonstreifen der Nuthe zu entfernen. Dieser erstreckt sich zehn Meter ab der Böschungs-oberkante.