Die Zugfahrt von Loburg nach Magdeburg oder andersherum dauert mit Einsatz des Winterfahrplanes fast eine Viertel-stunde länger als bisher. Werktags sollen einige Züge ganz gestrichen werden, dafür kommt der Schienenersatzverkehr zum Einsatz. Als Ursache nennt die Nahverkehrsgesellschaft Sachsen-Anhalt (NASA) den schlechten Zustand der Bahnstrecke.

Möckern/Loburg. Auf der Strecke Magdeburg-Loburg sieht es dahingehend schon länger wenig rosig aus. Und die aktuelle Mitteilung der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) dürfte die Angst um den Erhalt der Bahnlinie weiter schüren: "Zum Fahrplanwechsel am 12. Dezember 2010 verlängert sich die Reisezeit Magdeburg-Loburg wegen des schlechten Streckenzustandes um bis zu 13 Minuten. Es ist nur noch ein zweistündliches Zugangebot möglich. Montags bis freitags ersetzen drei Busfahrten je Richtung die bisherigen Züge", informiert Wolfgang Ball, der Sprecher der landeseigenen Nahverkehrsgesellschaft. Und dazu kommt auch noch: Die Busse im Schienenersatzverkehr bedienen die Bahnhöfe zwischen Magdeburg Hbf und Büden nicht, halten aber in Königsborn, wo Anschluss aus Richtung Dessau-Roßlau nach Loburg besteht Der tägliche Zug um 21.43 Uhr nach Loburg hat Anschluss vom ICE aus Dresden (Magdeburg Hbf an 21.27 Uhr).

Im Landesauftrag plant, bestellt und bezahlt sie den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) und muss sich überlegen, wo es sich lohnt, Züge für den öffentlichen Personennahverkehr zu bestellen, und wo nicht.

Hintergrund der nun angekündigten Einschränkungen sei die "deutliche Vermehrung der Langsamfahrstellen ab Dezember 2010", erklärt Wolfgang Ball. Damit könne der bisherige Fahrplan nicht mehr gefahren werden. Denn die Strecke ist überwiegend eingleisig. Das bedeutet, durch die verlängerte Reisezeit zwischen dem letzten Kreuzungsbahnhof, an dem Züge aus beiden Richtungen aneinander vorbeifahren können, und dem Endbahnhof wird nun zu lang für eine stündliche Bedienung.

War die "Ferkeltaxe" zwischen der Landeshauptstadt und Möckern bisher wenigstens noch mit Tempo 50 unterwegs, sorgt der angeblich schlechte Streckenzustand nun dafür, dass sich die Regionalbahn künftig nur noch mit lächerlichen 30 Stundenkilometern durch die Landschaft schleppt.

Zuständig für den Streckenzustand ist laut NASA-Sprecher Wolfgang Ball die dem Bund gehörende DB Netz AG. "Das Land bewertet die Verschlechterung des Streckenzustandes und des Angebots sehr kritisch. Eigentlich strebt das Land einen Ausbau der Strecke Biederitz-Loburg auf ein mögliches Reisetempo von 80 km/h an. Die DB Netz AG erwartet hierfür aber eine langfristige Garantie zur Bestellung von Schienen-Personennahverkehr. Diese Garantie kann das Land wiederum nur geben, wenn es sicher ist, dass vor Ort alles getan wird für eine langfristig stabile höhere Nachfrage," so Ball.

Nur: Attraktiver macht die jüngste Ankündigung das Bahnfahren auf dieser Strecke nicht. Die Strecke Magdeburg–Loburg ist seit längerem in der Diskussion. Auslöser war die vergleichsweise niedrige Nachfrage von nur etwa 450 Reisenden täglich. Selbst das ist nur ein theoretisch berechneter Wert: "Bezogen auf die Gesamt- strecke sind es durchschnittlich etwa 250 Reisendenkilometer je Kilometer Betriebslänge", versucht Wolfgang Ball eine Verdeutlichung. Fakt für sein Unternehmen ist: Mit diesen Passagierzahlen unterschreitet die Nachfrage den Wert, der langfristig die Bestellung von Schienenpersonennahverkehr (SPNV) rechtfertigt.

"Immerhin gibt das Land für die Bestellung des Verkehrs zwischen Magdeburg und Loburg jedes Jahr etwa 2,5 Millionen Euro aus", so Ball.

Deshalb sei die Verbindung im Entwurf für die Fortschreibung des ÖPNV-Plans (das ist die planerische und formale Grundlage für die SPNV-Bestellung des Landes) mit dem so genannten Prüfbedarf dargestellt. Dieser Prüfbedarf wiederum ist verbunden mit einer Aufforderung an alle regionalen Akteure, eigene Aktivitäten zur Stärkung der Verkehrsnachfrage zu entwickeln.

Auf Fahrgast-Deutsch heißt das aus Sicht der NASA: "Vom Landkreis Jerichower Land wird erwartet, dass er als Aufgabenträger für den Busverkehr eigene verkehrsplanerische Aktivitäten einleitet, die das ÖPNV-Gesamtsystem im Landkreis stärken: durch Erschließung der Fläche und Verknüpfung von Bus und Bahn".

Insofern hängt nach Ansicht der NASA die Zukunft der Strecke ab von klaren Aktivitäten des Landkreises zur Ausrichtung des Busnetzes auf das Bahnangebot insbesondere in Möckern und Loburg.

Erste Gespräche zwischen Landkreis, dem Land und seiner NASA GmbH, der Stadt Möckern und Verkehrsunternehmen haben im Frühjahr stattgefunden. "Abschließende Festlegungen liegen dem Land hierzu leider bis heute nicht vor", konstatiert der NASA-Sprecher.