Seit zehn Jahren ist Christian Frens freiberuflicher Sommelier und gibt seit sechs Jahren Seminare zum Kennenlernen des Weins, auch im Zerbster Eiscafé Frens, Am Klapperberg. Volksstimme-Volontär Tobias Dachenhausen sprach mit ihm über den menschlichen Geruchssinn, den Beruf des Sommeliers und den passenden Wein zu Weihnachten.

Volksstimme: Muss die Weinnase angeboren sein oder kann man alles erlernen?

Christian Frens: Es ist eine Frage der Einstellung zur Lust am Genuss und dann ein langer Lernprozess. Das Problem der Menschen ist, dass sie nicht vordergründig auf den Geruchssinn angewiesen sind, darum versagen dort viele. Doch wer kulinarisch interessiert ist, kann das relativ gut und schnell lernen.

Volksstimme: Inwieweit helfen da, die von Ihnen angebotenen Weinseminare?

C. Frens: Hier versuche ich die Sensorik der Leute zu schulen. Es werden vier Weiß- und vier Rotweine verdeckt serviert. Die Teilnehmer sollen sich nicht auf Erinnerungen, sondern allein auf die Verkostung verlassen. Es ist ein aktives Seminar, in dem die Leute auch interagieren müssen. Es ist keine Werbeveranstaltung, Wein wird nicht verkauft, sondern nur Weinwissen vermittelt.

Volksstimme: Seit 2004 haben sie 20 Seminare in Zerbst veranstaltet mit großem Zuspruch. Wie erklären Sie sich den großen Erfolg?

C. Frens: Wenn wir etwas machen, dann machen wir es richtig. Es gibt leckeres Essen, tolle Weine und das alles mit einer guten Infrastruktur. Das ist für mich sehr wichtig. Die Leute bezahlen 40 Euro und wollen dabei auch was lernen. Die Teilnehmer wollen ihren eigenen Geschmack einfach näher definieren und das scheint hier zu klappen.Das Interesse ist in der Tat sehr groß. Hätte ich mehr Zeit könnte man sicher das Dreifache anbieten.

Volksstimme: Welche Eigenschaften muss man mitbringen, um professioneller Sommelier zu werden?

C. Frens: Zunächst einmal muss man Vollblutgastronom sein, ein richtiges Gespür für einen Gast haben, um ihn einen innovativen Wein empfehlen zu können. Organisatorisches Talent und kulinarisches Interesse sind natürlich ebenso unverzichtbar.

Volksstimme: Ist der teuere Wein auch der gute?

C. Frens: Das muss nicht sein. Ein guter Wein ist auch für drei oder vier Euro zu haben. Allerdings muss man hier suchen. Dafür gibt es für sieben oder acht Euro auch viel Schrott.

Volksstimme: Worin unterscheidet sich denn ein guter von einem schlechten Wein?

C. Frens: Für den Laien ist das nicht immer einfach zu merken. Wichtig ist aber, dass der Wein zu seiner Region passt und sauber in der Aromatik ist. Viele Rotweine werden oft zu früh und viele Weißweine zu alt getrunken. Und gerade das richtige Trinkalter ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal.

Volksstimme: Sie sind ja nun mit der breiten Angebotspalette vertraut. Welcher ist denn ihr Lieblingswein?

C. Frens (blitzschnell): Riesling! Vielleicht ist es etwas langweilig, aber es ist nunmal die interessanteste und vielschichtigste Weinsorte, die es gibt. Und der deutsche Riesling hat ein unverwechselbares Aroma.

Volksstimme: Nun nähern sich die Feiertage. Welchen Wein empfehlen Sie zur traditionellen Weihnachtsgans?

C. Frens: Der Gänsebraten ist ja sehr fettig und zu einem intensiven Essen passt auch ein intensiver, kräftiger Rotwein. Ein Dornfelder, Cabernet Sauvignon oder Merlot sind sicher passend. Ist der Wein zu schwach, kann ich auch Wasser trinken.