Mit Hilfe des Landes-Krippenprogramms wurde die Fassade der Kindertagesstätte Zerbst-Nord "Zerbster Strolche" in diesem Jahr saniert. Auch wenn sich die Stadt und der Träger, die Volkssolidarität, darüber freuen, ein wenig abenteuerlich war die Reise bis zur Sanierung schon. Und ein wesentliches Detail musste weggelassen werden: das Dach.

Zerbst. Förderprogramme sind Fluch und Segen für die klammen Stadtkassen zugleich. Segen, weil Geld fließt, das man allein nicht aufbringen kann. Fluch, weil die Fördermodalitäten von Programm zu Programm unterschiedlich sind. Das Jahr 2009 war ein gutes Förderjahr. Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage hatte der Bund das sogenannte Konjunkturpaket II für die Kommunen auf den Weg gebracht. "Unterteilt war das für uns als Stadt in den Fördertopf Schulen und den Topf Pauschales", erklärt Kulturamtsleiter Andreas Dittmann.

Mit Geld aus dem Schultopf sollten die Grundschulen "An der Stadtmauer" und "Astrid Lindgren" auf Vordermann gebracht werden. Das klappte so weit auch. Mit der pauschalen Förderung wollte die Stadt dringende Sanierungsarbeiten in den Kindertagesstätten "Heide" und "Zerbster Strolche" anschieben. "Doch wir erhielten im Mai 2009 das Signal vom Landkreis, dass diese beiden Einrichtungen sehr gute Chancen haben, beim Landes-Krippenprogramm bedacht zu werden", so Dittmann. Dort war die Förderquote besser, das heißt, die Stadt musste nur einen sehr geringen Eigenanteil aufbringen.

Während für die Kita "Heide" der Fördermittelbescheid in Höhe von 123 000 Euro im Dezember 2009 von zuständigen Landesverwaltungsamt einging, kam man für die "Zerbster Strolche" nicht voran. "Bei der Prüfung des Antrages, in dem wir angaben, mit dem Geld die Fassade zu dämmen, das Dach zu sanieren und eine Verblechung anzubringen, stellte das Landesverwaltungsamt fest, dass im Jahr 1994 bereits Fördermittel für die Dachsanierung geflossen waren", so Dittmann.

Doppelförderungen sind im Land ausgeschlossen und die Bindefrist für die umgerechnet 117 500 Euro aus dem Jahr 1994 für ein neues Dach noch nicht abgelaufen. Die gilt für 25 Jahre. "Wir haben uns gemeinsam mit dem Träger daraufhin mit dem Landesverwaltungsamt gestritten, ob diese Bindefrist für den Betrieb als Kindertagesstätte oder für Dachsanierung gilt", so Dittmann. Bei dem Dach handelt es sich um ein sogenanntes Schweißbahnendach – ein Pappdach also. Zerbst schaltete sogar einen Architekten ein, der in einem Gutachtan an das Landesverwaltungsamt erklärte: Pappdächer haben eine Lebensdauer von etwa 15 Jahren.

Doch auch das half nichts. Erst als Zerbst und die Kita die Dachsanierung aus dem Antrag nahmen, flossen 81 200 Euro für die Fassadendämmung. Der Eigenanteil der Stadt lag bei 2 500 Euro. Außerdem gab Zerbst noch einmal 21 700 Euro dazu – im Haus ist eine Seniorenbegegnungsstätte, deren Fassadenanteil nicht durch das Krippenprogramm bedient werden kann.

Gabriele Städter vom Landesverwaltungsamt bestätigt das Vorgehen des zuständigen Referates. "Für uns kam eine komplette Dachsanierung, wie sie im Antrag vorgeschlagen ist, nicht in Frage", so die Sprecherin des Landesverwaltungsamtes. "Das Referat erklärte, dass eine Totalre- konstruktion nicht notwendig ist. Darum gab es dafür auch kein Geld." Mit der Bindefrist habe das nichts zu tun. "Für uns ist der Betrieb als Kindertagesstätte entscheidend", so Städter.

"Noch ist das Dach in Ordnung", erklärt dazu Andreas Dittmann. "Aber wir hätten gern die Chance genutzt, jetzt noch einmal die obere Schicht zu sanieren." Außerdem wollte man die Anschlüsse an die Fassade ordentlich versiegeln. Zuletzt hatte die Stadt gehofft, mit nicht gebrauchten Mitteln aus dem Konjunkturpaket II Schule die Arbeiten erledigen zu können. Doch auch das ist nicht möglich. Zwar sieht die dafür wiederum zuständige Investitionsbank keine Kollision mit der Bindefrist und einer möglichen Doppelförderung, aber die Schulmittel dürfen auch nur für Schulsanierungen und -arbeiten verwendet werden.

"Also haben wir die 34 000 Euro jetzt in die Erweiterung der Photovoltaikanlage der Astrid-Lindgren-Grundschule gesteckt", so der Kulturamtsleiter. Das entschieden die Stadträte auf einer Sondersitzung im Eilverfahren. Mit der pauschalen Förderung aus dem Konjunkturpaket II sollen jetzt die Kita "Benjamin Blümchen" saniert und die Fenster im Kreismuseum erneuert sowie der dortige Veranstaltungsraum "Tonne" saniert werden. Für die Kita sind 93 000 Euro veranschlagt, für das Museum 80 500 Euro.