Gesellig ging es bei der traditionellen Weihnachtsfeier im Jugendseeheim Deetz zu. Bei Kerzenschein und Plätzchen verbrachten Jung und Alt einen gemütlichen Nachmittag. Die Jugendgruppe der Einrichtung unterhielt die eingeladenen Senioren mit einem stimmungsvollen Programm. Anschließend freuten sich die Mädchen und Jungen nicht nur über die Bescherung. Ihnen wurden ebenfalls ihre Porträts überreicht, die sie unter Anleitung eines Berliner Künstlers angefertigt hatten. Nächstes Jahr wollen sie die Technik an Schüler der Zerbster Schule für geistig Behinderte weitergeben.

Deetz. Die gemütliche Weihnachtsfeier in trauter Runde ist längst schöner Brauch im Jugendseeheim von Deetz. Zur Tradition gehört es auch, dass die Jugendgruppe dazu die Senioren des Ortes einlädt. Denn die generationenübergreifende Arbeit gehört zum Konzept der Einrichtung, wie Leiterin Karin Bachmann erzählte. Einmal im Monat treffen sich Jung und Alt unter dem Dach der Begegnungsstätte, um gemeinsam zu kochen oder zu backen. Im nächsten Jahr soll zudem eine Fahrradwerkstatt neu eröffnet werden, in der die Senioren ihre Erfahrungen weitergeben und dem Nachwuchs mal zeigen, wie ein Reifen geflickt wird und man kleinere Reparaturen selbst vornehmen kann.

An diesem Nachmittag allerdings stand das gesellige Beisammensein im Mittelpunkt. Dazu war die Kaffeetafel liebevoll eingedeckt, an der die älteren Damen aus Deetz plaudernd Platz nahmen. Daneben hatten sich einige Mütter der Mädchen und Jungen, die den täglich geöffneten Jugendclub des Jugendseeheims besuchen, zu der fast schon familiären Veranstaltung eingefunden. Gespannt warteten sie auf das Programm, das die Kinder und Jugendlichen zwischen neun und 18 Jahren vorbereitet hatten.

Nachwuchs gestaltet buntes Programm

Mehrfach griff da Lili Marlen Wiechert in die Tasten ihres Akkordeons. "Hey Du, hör mir mal zu", forderte sie die Anwesenden fröhlich auf, bevor sie es richtig rocken ließ, um kurz darauf einen gelungenen Abstecher sowohl in die Country- als auch Reggae-Musik zu unternehmen. Zwischendurch taten sich die sieben Mädchen und Jungen zu einem Chor zusammen und brachten unter anderem "Guten Abend, schön Abend" zu Gehör. Für Unterhaltung sorgte ebenfalls der amüsante Sketsch, der bewies, dass man seine Wünsche mit Bedacht äußern sollte, sonst kann es eben vorkommen, dass in einem ärmelloser Pullover die Löcher für die Arme fehlen … Mit einem wahrlich vielsprachigen Weihnachtslied und Gedichten wie das über einen frechen gefiederten Baum-Mieter rundeten die Kinder und Jugendlichen ihre abwechslungsreichen Darbietungen ab. Jede einzelne belohnten ihre Zuhörer mit begeistertem Applaus. Die 77-jährige Ruth Matthias erntete ebenfalls beeindruckten Beifall, nachdem sie auswendig ein mehrstrophiges Gedicht vorgetragen hatte. "Das habe ich in meiner Kindheit gelernt", verriet die Deetzerin lächelnd.

Nach dem gemeinsamen Kaffeetrinken ertönte plötzlich ein lautes Klopfen, das sich mit zartem Glockenläuten paarte: Der Weihnachtsmann war eingetroffen. Nacheinander traten die Mädchen und Jungen vor, um sich ein Präsent abzuholen. Natürlich erhielten sie das nicht ohne eine Gegenleistung. Aber für keinen stellte es ein Problem dar, ein Verslein zu zitieren.

Sobald sich der weißbärtige Alte im roten Mantel verabschiedet hatte, folgte eine weitere Bescherung. Dazu griff Erzieherin Simone Biewald zu bemalten Leinwänden, die sie nun an die Kinder und Jugendlichen überreichte. Unter Anleitung des Berliner Künstlers Kurt Buchwald hatten diese farbenfrohe Selbstporträts angefertigt. Und das auf eine Weise, die sich auch für ungeübte Teilnehmer eignet. Am Anfang der Herstellung der großformatigen Porträts steht das Foto, das auf die Leinwand projeziert wird. Die Umrisse der Gesichter bilden dann die Malvorlage, die die Laienkünstler nach Lust und Laune ausmalen können. So müssen die Werke kein Abbild der Wirklichkeit sein, wie die Seniorinnen feststellten. So malte sich Laura Nitt keine blonden, sondern rosafarbene Haare.

Porträtmanufaktur findet Fortsetzung

Wie Simone Biewald berichtete, hingen die Porträts der Deetzer Jugendgruppe nach ihrer Fertigstellung in mehreren Ausstellungen. So waren sie unter anderem in Bitterfeld zu sehen. An diesem Nachmittag aber sollten die Mädchen und Jungen ihre Werke endlich mit nach Hause nehmen können.

Im nächsten Jahr wollen die Jugendclub-Mitglieder die erlernte Technik gern weitergeben und zwar an Schüler der Zerbster Schule für geistig Behinderte am Heidetor. Auch Kurt Buchwald wird bei dem Projekt wieder mit im Boot sitzen, für dessen Durchführung das Jugendseeheim auf finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Es bewarb sich deshalb bei der Spendenaktion "Volksstimme-Leser helfen", das in diesem Jahr unter dem Motto "Anders und doch mittendrin" steht. Und die Einrichtung hatte Glück und wurde ausgewählt, damit wird sie einen Teil der Spendensumme für ihr Vorhaben erhalten.

   

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